Wawrinkas Gegner: Vom Gesperrten zu Italiens Nummer 1

Am Dienstag trifft Stan Wawrinka in Monte Carlo auf Marco Cecchinato. Der Italiener hat drei bewegte Jahre hinter sich. Mit sportlichen Höhenflügen und juristischen Tiefpunkten.

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Inzwischen ist die Welt des italienischen Tennisspielers Marco Cecchinato ja wieder in Ordnung. Er ist die Nummer 16 der Welt und damit so gut klassiert wie noch nie. Er hat vor wenigen Wochen sein drittes ATP-Turnier gewonnen. Und er spielt am Dienstag in der Frühlingssonne Monte Carlos gegen Stan Wawrinka um den Einzug in den Achtelfinal des Masters-1000-Turniers.

Im Sommer 2016, da war Cecchinato ganz unten angekommen. Er hatte im Jahr zuvor in Marokko an einem Challenger-Turnier eine Partie so verloren, dass die Aufsichtsbehörden mit dem Verdacht auf Spielmanipulation auf den Plan traten.

Der italienische Tennisverband sperrte Cecchinato für 18 Monate und brummte dem damals 23-Jährigen eine Busse von 40’000 Euro auf. Das war jede Menge Geld für einen Berufssportler, der auf der ATP-Tour noch kaum etwas erreicht hatte, in einem Sport, in dem gerade mal die besten hundert komfortabel von ihrem Tun leben können.

Niederungen und ein Halbfinal in Paris

Doch Cecchinato legte Berufung ein und hatte Glück: Das Italienische Olympische Komitee liess sämtliche Sanktionen fallen, wegen Unregelmässigkeiten in der Beweisaufnahme. Der Sizilianer kehrte auf die Tour zurück und spielte sich durch die Niederungen des Tennisgeschehens, durch die Challenger-Turniere in Prostejov oder Irving, in Fano oder Szczecin.

Anders ausgedrückt: Cecchinatos Leben fand abseits jener Titelkämpfe statt, die von den Übertragungsstationen glanzvoll aufbereitet in die Welt hinausgetragen werden. Bis zum Jahr 2018, als er in Paris diesen Satz sagte: «Das ist der beste Moment meines Lebens.»

Cecchinato hatte eben den Belgier David Goffin im Achtelfinal des French Open bezwungen und stand vor dem Viertelfinal gegen Novak Djokovic. Und jetzt stand Cecchinato der serbischen Weltnummer 1 gegenüber – die ihm einen noch besseren Moment in seinem Leben bescherte, denn Cecchinato gewann auch gegen Djokovic. 30 Jahre nach Corrado Barazzutti erreichte erstmals wieder ein Italiener einen Grand-Slam-Halbfinal.

Marco Cecchinatos Sieg gegen Novak Djokovic im Bewegtbild. (Quelle: Youtube)

Dort war Dominic Thiem dann zu stark. Doch Cecchinato zehrt noch immer von diesem Erfolg in Paris. 720 seiner 2021 Punkte liegen seit Roland Garros 2018 auf dem Konto und machen damit einen Grossteil seiner Weltranglistenplatzierung aus.

500 weitere Punkte hat der 26-Jährige als Sieger der viertklassigen Turniere in Budapest und Umag gesammelt. All diese Punkte muss die italienische Nummer 1 bis zum 22. Juli verteidigen, sonst drohen dem ersten sizilianischen Turniersieger wieder hintere Plätze in der Weltrangliste.

Wawrinka weiter im Vormarsch

Weiter im Vormarsch ist derweil Cecchinatos Gegner Stan Wawrinka. Er hat aus dem Vorjahr keine Punkte zu verteidigen in Monte Carlo. Nachdem der Romand in der ersten Runde den Franzosen Lucas Pouille bezwungen hat und der Presse sagte, dass er es sich zutraue, «wieder Grosses zu erreichen», scheint auch Cecchinato keine unmögliche Hürde zu sein.

Auf dem Papier sähe das Tableau danach einen Achtelfinal gegen Marin Cilic und einen Viertelfinal gegen Rafael Nadal vor.

saw

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