«Auf solche Siege bin ich am meisten stolz»

Roger Federer sorgt für den ersten Höhepunkt am Miami Open, an dem Alexander Zverev an einem Zurücktretenden scheitert.

Die Highlights von Federers erstem Spiel in Miami. (Video: Tamedia/Reuters)
René Stauffer@staffsky

Die erste grosse Überraschung des Miami Open war das Aus von ATP-Final-Sieger Alexander Zverev (ATP 3) gegen den 36-jährigen David Ferrer (ATP 155), der sich auf seiner Abschiedstournée befindet. Der Spanier spielte gegen den Deutschen gross auf und gewann – offensichtlich auch zu seinem eigenen Erstaunen – 2:6, 7:5, 6:3. Ganz wenig hatte kurz zuvor gefehlt, und auch Publikumsliebling Roger Federer wäre gegen einen Spieler ausgeschieden, der wie Ferrer nur 1,75 m gross ist – im Gegensatz zu diesem aber bisher selbst Insidern kaum ein Begriff war.

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Der Mann heisst Radu Albot, kommt aus Moldawien und ist daran, die Tennisgeschichte seines Landes neu zu schreiben. Eben gewann er in Delray Beach als erster Spieler seines Landes ein ATP-Turnier, und als Nummer 46 ist er nun besser klassiert denn je. Der 29-Jährige musste in Miami dennoch durch die Qualifikation. Wie gefährlich er ist, zeigte er Federer schon im ersten Game: Er breakte den 20-fachen Grand-Slam-Sieger gleich zum Auftakt, und weil dieser im zweiten Game vier Breakbälle ausliess, sollte er von diesem Vorsprung noch lange zehren.

«Die ersten fünf Minuten brachten mich arg in Schwierigkeiten», sagte Federer, nachdem er in 2:09 Stunden doch noch 4:6, 7:5, 6:3 gewonnen hatte und von den Zuschauern frenetisch gefeiert wurde. «Auf solche Siege kann ich am meisten stolz sein. Es war eine Kampfleistung. Wenn du gut spielst und gewinnst, ist es zu erwarten. Dass du schlecht spielst und verlierst, gibt es auch. Aber wenn du nicht so gut spielst und einen Weg findest, sind das die schönsten Siege.»

Auch in der Endphase arg in Not

Niemand hätte ihm etwas vorwerfen können, wäre er in Miami wie im Vorjahr (gegen Thanasi Kokkinakis) gleich im ersten Auftritt ausgeschieden. Doch wie er sich dagegen stemmte, begeisterte die Zuschauer im Hardrock Stadion dermassen, dass sie sogar begannen, Fehler des Herausforderers zu beklatschen. Mit seinem ersten Break gewann Federer nach 84 Minuten den zweiten Satz. Doch auch im dritten war er in Not. Bei 3:3 musste er nach einem Doppelfehler einen Breakball abwehren – worauf er unwiderstehlich zum Endspurt ansetzte, fast keinen Punkt mehr verlor und einen Ball hoch ins Rund schlug, als der Sieg Tatsache war.

Verklausuliert äusserte der dreifache Miami-Sieger danach sanfte Kritik am neuen Schauplatz des zweiten Masters-1000-Turniers des Jahres, das erstmals im modifizierten Stadion des NFL-Clubs Miami Dolphins stattfindet. «Wegen der Grösse und der Ventilation gibt es hier immer einen Lärm, was ungewohnt ist für uns. Im Tennis hört man normalerweise eine Stecknadel fallen.» Der Ton, wie der Gegner den Ball schlägt, gibt Spielern wie ihm bereits wichtige Aufschlüsse, die durch den Lärmteppich verloren gehen.

Federer anerkannte aber auch die Vorteile der neuen Anlage. «Durch das riesige Stadion mit dem grossen Dach gibt es fast keinen Wind und keine Sonneneinstrahlung.» Auf der Insel Key Biscayne waren diese Faktoren noch sehr präsent. «Das Turnier erinnert mich nun viel mehr an das US Open. Alles ist riesig, völlig anders als in Key Biscayne, wo du keinen Quadratzentimeter Raum für dich hattest.» Etwas störend empfindet er aber, dass in den TV-Bildern oft leere Sitze zu sehen sind, die aber gar nicht verkauft werden können, da von ihnen aus der Tennisplatz nicht einsehbar ist.

Die Fortsetzung des Turniers präsentiert sich für ihn nun einigermassen vielversprechend. Mit Stan Wawrinkas Bezwinger Filip Krajinovic (ATP 103) trifft er am Montag auf einen Gegner, den er kennt und weiss, was ihn erwartet. Gegen den Serben führt er 2:0, wobei er in Basel 2018 gegen ihn über drei Sätze musste (6:2, 4:6, 6:4). «Gegen Albot war ich oft unsicher, wie ich spielen soll. Aber diese Partie gab mir sehr viele Aufschlüsse.» Und weil er auch verfolgte, wie Wawrinka, der körperlich handicapiert schien (aber darüber nicht konkret sprechen wollte), dem Serben unterlag, kann er dem weiteren Turnier nun einigermassen gelassen entgegen blicken. Einem Turnier, das neben Zverev auch schon Indian-Wells-Sieger Dominic Thiem sowie bei den Frauen Serena Williams und Naomi Osaka verlor.

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