«Die schlimmsten Monate meines Lebens»

Nach dem Aufstieg zur Nummer 1 ging bei Naomi Osaka nicht mehr viel. Sie habe die Freude am Tennis verloren, sagt die Japanerin.

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Als sie den Gipfel erklomm, war die Prognose naheliegend: Naomi Osaka wird in den kommenden Monaten zur Titelsammlerin. Das war Ende Januar, die Japanerin hatte nach dem US Open auch das Australian Open gewonnen und war als erste Asiatin die Weltnummer 1 geworden. Seither hat sie keine Trophäe mehr gestemmt.

Nur 16 Tage nach dem Australian Open kam es zum Bruch mit ihrem deutschen Erfolgscoach Sascha Bajin. Über die Gründe für die Trennung wird heute noch gerätselt. Es folgten schwierige Wochen mit Verletzungen und Formtiefs, am French Open scheiterte die 21-Jährige in der dritten, in Wimbledon gar in der ersten Runde, die Australierin Ashleigh Barty hat sie inzwischen an der Spitze abgelöst. Nun, vor ihrer Rückkehr auf die Tour in Toronto, hat Osaka auf Twitter Einblick in ihre Gefühlswelt gegeben.

Sie spricht von den «schlimmsten Monaten meines Lebens», räumt ein, dass sie nach dem Triumph von Melbourne in ein Loch fiel, «ich hatte seit Australien keine Freude mehr am Tennisspielen». Sie habe sich damit auseinandergesetzt und abgefunden, sie lerne, wieder Spass zu haben.

Es war ja auch alles ziemlich schnell gegangen. Im März 2018 hatte Osaka in Indian Wells – am grössten Turnier nach dem Grand Slams – ihren ersten von bisher drei Titeln geholt, ehe sie in New York und Melbourne nachlegte. Auch wenn sie schon lange in Florida lebt: Japan feierte einen neuen Mega-Star, die Erwartungen schnellten allenthalben in die Höhe. Sie wurden bisher enttäuscht. «Ich gab den Resultaten zu viel Gewicht, statt aus den Spielen zu lernen, wie ich es normalerweise tue», schreibt Osaka.

Wiederholt sich die Geschichte?

Und weil die Resultate unbefriedigend waren, geriet sie in eine Abwärtsspirale. «Wann immer etwas schiefgeht, gebe ich mir zu hundert Prozent die Schuld. Ich tendiere dazu, mich zu verschliessen, weil ich niemanden mit meinen Problemen und Gedanken belasten will.» Osaka glaubt, in dieser schwierigen Phase viel über sich erfahren zu haben und als Person gewachsen zu sein. Zum Schluss schlägt sie optimistische Töne an: «Ich freue mich auf die Zukunft, auf und neben dem Platz.»

Vielleicht ist Osakas Tweet gar kein schlechtes Omen für die anstehenden Aufgaben. Ziemlich genau vor einem Jahr, Mitte August war es, hatte sie einen ähnlichen Text veröffentlicht, nachdem sie in Montreal und in Cincinnati jeweils in der ersten Runde verloren hatte. Sie schrieb vom Druck, der sie hemme, von den gestiegenen Erwartungen seit ihrem Coup in Indian Wells, von der neuen und ungewohnten Rolle, weil sie nicht mehr die Aussenseiterin war.

Osaka schrieb aber auch, dass sie endlich den Spass am Tennis wiedergefunden habe. Drei Wochen später gewann sie das US Open.

kai

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