Djokovic scheitert an der Nummer 72

Marco Cecchinato gelingt die Sensation. Nach dem Sieg gegen Novak Djokovic steht der Italiener in Paris im Halbfinal.

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Marco Cecchinato (ATP 72) setzte sich im Viertelfinal gegen den Serben Novak Djokovic 6:3, 7:6 (7:4), 1:6, 7:6 (13:11) durch. Noch auf dem Platz fragte der 25-jährige Italiener, der bis vor zehn Tagen noch nie eine Partie an einem Grand-Slam-Turnier gewonnen hatte, den Interviewer Cédric Pioline ungläubig: «Bist du sicher, dass ich nicht träume?»

Tut er nicht. Vielmehr schreibt er für die geschundene italienische Sportnation beim French Open ein veritables Märchen. In 3:26 Stunden hatte die Nummer 72 der Welt den ehemaligen Branchenprimus, der zuletzt wieder aufsteigende Tendenz gezeigt hatte, niedergerungen.

Enttäuschter Djokovic

Djokovic zeigte dabei aber auch, wie verwundbar er geworden ist, gerade in engen Situationen. Sowohl im zweiten wie im vierten Satz hatte der Serbe Satzbälle, letztlich war es aber der Sizilianer, der seinen vierten Matchball nutzte. Djokovic hat in diesem Jahr nur gerade vier von elf Tiebreaks für sich entschieden. Im Anschluss zeigte er sich sehr enttäuscht und liess offen, ob er die Rasensaison, die nächste Woche beginnt, bestreiten wird. «Ich weiss nicht, was ich tun werde. Ich bin gerade erst vom Platz gekommen», meinte der unterlegene Viertelfinalist in einer seiner wohl kürzesten Medienkonferenzen.

Ganz anders ist die Gefühlslage natürlich bei Cecchinato. Er bootete nach Pablo Carreño Busta und David Goffin den dritten deutlich höher eingestuften Gegner aus und steht als schlechtestklassierter Spieler im Halbfinal von Roland Garros, seit der Ukrainer Andrej Medwedew 1999 den Final gegen Andre Agassi verlor. Vor allem aber hat seit Corrado Barazzutti 1978 kein Italiener mehr die Halbfinals eines Grand-Slam-Turniers erreicht.

Thiems Hattrick

Im Halbfinal trifft Cecchinato auf Dominic Thiem, der nach einem 6:4, 6:2, 6:1-Sieg gegen Alexander Zverev wie in den letzten beiden Jahren im Halbfinal steht. Der Deutsche Zverev, der in diesem Jahr die Sandturniere in München und Madrid gewonnen und in Rom den Final erreicht hatte, zollte dem Kräfteverschleiss von drei Fünfsätzern in den letzten drei Runden Tribut und musste sich Mitte des zweiten Satzes am linken Oberschenkel behandeln lassen. So hatte er gegen den stark aufspielenden Österreicher spätestens nach dem verlorenen Startsatz keine Chance mehr.

Thiem fühlte mit seinem guten Kumpel Zverev mit. «Natürlich ist es wirklich hart für ihn», sagte er. Für ihn bietet sich aber nun die grosse Chance auf den ersten Grand-Slam-Final. 2016 (gegen Djokovic) und 2017 (gegen Nadal) hatte er jeweils im Halbfinal gegen den späteren Sieger verloren. Diesmal wartet ein kleineres Kaliber. Aber ein Mann, der Träume Wirklichkeit werden lässt.

Neuauflage des US-Open-Finals

Auch nach dem Forfait von Serena Williams steht das Frauenturnier im Zeichen der Amerikanerinnen. Im Halbfinal kommt es zur Neuauflage des US-Open-Finals zwischen Sloane Stephens und Madison Keys. Beide erreichten in diesem Jahr erstmals die Viertelfinals des French-Open und wurden am Dienstag beide ihrer Favoritenrolle gerecht.

US-Open-Champion Stephens (WTA 10) brauchte nur gerade 70 Minuten, um die Russin Daria Kassatkina, die noch am Montag die Weltnummer 2 und Australian-Open-Siegerin Caroline Wozniacki geschlagen hatte, mit 6:3, 6:1 zu deklassieren. Härter zu kämpfen hatte Keys (WTA 13) gegen die ungesetzte Kasachin Julia Putinzewa. Nach zwei hart umkämpften Sätzen setzte sich der Schützling der ehemaligen Weltnummer 1 Lindsay Davenport aber 7:6 (7:5), 6:4 durch.

Damit stehen erstmals seit 2002, als Serena Williams ihre Schwester Venus im Final bezwang, zwei Amerikanerinnen im Halbfinal von Roland Garros. Die 25-jährige Stephens ist auch diesmal leicht zu favorisieren, sie hat beide bisherigen Duelle mit der zwei Jahre jüngeren Keys klar in zwei Sätzen gewonnen.

Paris. French Open. Grand-Slam-Turnier (39,2 Millionen Euro/Sand). Männer. Viertelfinals: Dominic Thiem (AUT/7) s. Alexander Zverev (GER/2) 6:4, 6:2, 6:1. Marco Cecchinato (ITA) s. Novak Djokovic (SRB/20) 6:3, 7:6 (7:4), 1:6, 7:6 (13:11). – Halbfinal-Tableau: Nadal (1)/Schwartzman (11) - Cilic (3)/Del Potro (5), Cecchinato - Thiem (7).

Frauen. Viertelfinals: Madison Keys (USA/13) s. Julia Putinzewa (KAZ) 7:6 (7:5), 6:4. Sloane Stephens (USA/10) s. Daria Kassatkina (RUS/14) 6:3, 6:1. – Halbfinal-Tableau: Halep (1)/Kerber (12) - Muguruza (3)/Scharapowa (28), Keys (13) - Stephens (10).

Juniorinnen. Doppel. 1. Runde: Clara Burel/Yasmine Mansouri (FRA) s. Lulu Sun/Ania Hertel (SUI/POL) 7:5, 6:2.

fal/sda

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