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Ein Spiel für die Ewigkeit

Der Wimbledon-Final 2008, Roger Federer gegen Rafael Nadal, jährt sich zum 10. Mal. Nun gibt es ihn auch als Film.

Paris 2006, die erste Begegnung der beiden Superstars in einem Grand-Slam-Final – und die insgesamt dritte. Rafael Nadal gewinnt in vier Sätzen. Es ist der zweite French-Open-Sieg für den damals gerade 20 gewordenen Mallorquiner. Für den Schweizer ist es die erste Niederlage in einem Grand-Slam-Final nach zuvor sieben Siegen.
Paris 2006, die erste Begegnung der beiden Superstars in einem Grand-Slam-Final – und die insgesamt dritte. Rafael Nadal gewinnt in vier Sätzen. Es ist der zweite French-Open-Sieg für den damals gerade 20 gewordenen Mallorquiner. Für den Schweizer ist es die erste Niederlage in einem Grand-Slam-Final nach zuvor sieben Siegen.
Reuters
Wimbledon 2006, Roger Federer schlägt in seinem Wohnzimmer zurück: Viersatzsieg.
Wimbledon 2006, Roger Federer schlägt in seinem Wohnzimmer zurück: Viersatzsieg.
Reuters
Melbourne 2017: Federer gewinnt in fünf Sätzen und leitet damit seinen Traum-Frühling ein.
Melbourne 2017: Federer gewinnt in fünf Sätzen und leitet damit seinen Traum-Frühling ein.
Keystone
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Es gab tatsächlich einen Moment im Leben des so schlagfertigen John McEnroe, in dem auch er nicht wusste, was sagen. Man schrieb den 6. Juli 2008, und Roger Federer hatte soeben gegen Rafael Nadal einen Match verloren (4:6, 4:6, 7:6, 7:6, 7:9), der später als grösster in diesem Sport bezeichnet ­werden würde. Er war vom Centre Court Wimbledons gekommen und am Boden zerstört, und McEnroe durfte ihn für den US-Sender NBC interviewen. Oder musste. Denn auch der Amerikaner war aufgewühlt und wollte nichts ­Falsches sagen. Also setzte er an: «Hör zu, Roger, lass mich dir zuerst Danke sagen, als Tennis­spieler, dass du uns ermöglicht hast, Teil eines solch wunderbaren Spektakels gewesen zu sein.»

Der Produzent gab McEnroe durch den Knopf im Ohr zu verstehen, dass er endlich eine Frage stellen solle. Also fragte er: «Ist das ein kleiner Trost?» Federer gab zurück: «Ein bisschen. Danke, John. Es ist hart. Es tut weh.» McEnroe gab sich Mühe, ein anständiges Interview zu führen, aber die Emotionen waren zu stark. Und als er auch noch über die Emotionen zu reden begann, war es um Federer geschehen. McEnroe blieb nur noch eines zu sagen: «Komm, umarme mich. Danke, vielen, ­vielen Dank, okay?» Sie drückten sich einen kurzen Moment.

Es ist eine jener speziellen ­Szenen am Rande dieses epischen Spiels, an das sich viele Federer-Anhänger wohl nicht gerne erinnern, weil der Schweizer in seinem Reich vom Thron gestossen wurde. Doch die Bedeutung jener Partie geht weit darüber hinaus, wer gewann oder verlor. Im ersten ­Moment habe es sich einfach nur angefühlt wie der härteste Tag seines Lebens, sagt ­Federer. «Erst vier, fünf, sechs, ­sieben Wochen später begann ich die Bedeutung dieses Matches zu realisieren.»

US-Journalist Jon Wertheim widmete jener Partie ein Buch («Strokes of Genius»), das 2009 erschien. Und auf dessen ­Basis hat der «Tennis Channel» nun zum 10-Jahr-Jubiläum einen fast zweistündigen Dokumentarfilm produziert, der via iTunes gekauft oder gemietet werden kann.

Die Crème de la Crème machte mit. Federer und Nadal stellten sich zur Verfügung für längere Interviews, blicken zurück auf ­jenen sporthistorischen Tag und reflektieren ihre Rivalität. McEnroe, Björn Borg, Martina Navratilova, Chris Evert, Pete Sampras, Lynette und Robert Federer, Severin Lüthi oder Fitnesstrainer Pierre Paganini kommen zu Wort. «Ich musste die Idee, einen Rivalen zu haben, zuerst ­annehmen», sagt Federer. «Am Anfang wollte ich keinen. Aber ­irgendwann realisierte ich: Vielleicht hat es ja auch etwas ­Gutes, weil es mich weiterbringt.»

Navratilova: Ohne Nadal würde Federer nicht mehr spielen

Navratilova und Evert spielten 80-mal gegeneinander und lernten sich immer mehr schätzen. Navratilova sagt: «Chris und ich hätten viel mehr gewonnen, wenn die andere nicht da gewesen wäre. Aber dann wären wir nicht so gute Spielerinnen geworden.» Die Rivalität, so Evert, sei grösser gewesen als sie allein. «Ich weiss nicht, ob ­Roger noch spielen würde, wenn Rafa nicht geboren worden wäre», mutmasst Navratilova. «Es ist hart, motiviert zu bleiben, wenn du ­keinen hast, der dich antreibt.»

McEnroe hat Tränen in den ­Augen, als er darüber spricht, wie Borg zurücktrat, nachdem dieser im ­Final des US Open 1981 gegen ihn verloren hatte. Es sei gewesen, als sei ein Teil von ihm gestorben. Er hätte viel lieber gehabt, wenn Borg weitergespielt und ihm die Nummer 1 wieder abgejagt hätte.

Federer und Nadal duellieren sich inzwischen über 14 Jahre, und ihr Wetteifern ist ein Grund, wieso die beiden immer noch (oder wieder) ganz zuoberst stehen. Die ­letzten sechs Grand-Slam-Titel teilten sie sich brüderlich auf – je drei.

Die Standpauke von Freundin Mirka vor der Garderobe

Doch ihre letzte Begegnung in Wimbledon liegt zehn Jahre zurück, ist eben jene epische, in der Nadal im dritten Versuch obsiegte. Ob es das beste Tennis war, das sie gegeneinander spielten, ist schwer zu beurteilen. Sicher war die Dramaturgie perfekt. Für einmal war Federer der Kämpfer und nicht Nadal, glich er nach 0:2-Sätzen aus. Lüthi bestätigt indirekt, dass Federer während der Regenpause gegen Ende des dritten ­Satzes durch eine Standpauke von Freundin Mirka vor der Garderobe geweckt worden sei.

Vielleicht noch eindrücklicher war, dass sich Nadal nicht ent­mutigen liess, nachdem er im Tiebreak des vierten Satzes eine 5:2-Führung und zwei Match­bälle verpasst hatte. Als die Partie im fünften Durchgang bei 2:2 erneut unterbrochen wurde, stellte sich Coach und Onkel Toni darauf ein, in der Garderobe auf ein Häufchen Elend zu treffen. Er über­legte sich, was er Rafael sagen könnte, um ihn aufzubauen, obschon auch er nicht mehr so recht an den Sieg glaubte.

Doch die flammende Rede kam vom Spieler, nicht vom Coach. «Vielleicht wird Federer den Match gewinnen, aber ich werde ihn ­sicher nicht verlieren», sagte ­Nadal. Der Rest ist Geschichte.

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