Eine Erfolgsstory mit Federer-Fragen

Wie es dazu kam, dass Federer, Nadal und andere Grössen in Genf zum 3. Laver-Cup antreten. Und welche Gefahren dem Wettkampf drohen, wenn die Integrationsfigur zurücktritt.

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René Stauffer@staffsky

Zu behaupten, der Laver-Cup sei von der Tenniswelt mit offenen Armen empfangen worden, wäre gelogen. Eine Chance erhielt er nur, weil einflussreiche Leute dahinterstanden, allen voran Roger Federer, der Ideengeber, und sein Partner Tony Godsick, der für die Umsetzung sorgte.

Die Idee mutete auch etwas naiv an: ein Tennisfest zu veranstalten, das alle vereint, alle Generationen, die Legenden und Talente der Sportart, das zum Schmelztiegel für die verschiedenen Parteien und Verbände werden sollte mit dem ambitionierten Ziel, eine Art Ryder-Cup des Tennis zu kreieren und die Vergangenheit hochleben zu lassen.

Dass niemand die Idee besser repräsentiert als Rod Laver und sie diesem auch sogleich gefiel, war ein weiterer Glücksfall. Der liebenswerte, 81-jährige Australier steht in der Tennisgeschichte über allen, hat als Einziger zweimal alle vier Grand-Slam-Turniere im selben Jahr gewonnen, 1962 und 1969. Federer, ein Liebhaber der Tennishistorie, wollte explizit auch Lavers Erbe ehren - und den Champion zugleich auch finanziell unterstützen.

Trotzdem wurde der Laver-Cup von vielen als überflüssige Schauveranstaltung im überfüllten Kalender betrachtet, als es 2017 in Prag zur Premiere kam. Zwar hatte der Anlass den Support von Tennis Australia und vom amerikanischen Verband. Die Grand Slams – in deren Stadien Godsick den Laver-Cup gerne ausgetragen hätte – standen aber ebenso abseits wie der Internationale Verband sowie die ATP, welche die Männertour ausrichtet.

Grosse Erfolge in Prag und Chicago

Der Laver-Cup war dann schon bei seiner Premiere in Prag ein grosser Erfolg, bei Spielern, Zuschauern und Sponsoren. Nichts zeigte seine Andersartigkeit besser als die Szenen innerhalb der Teams – zum Beispiel, wie sich Rafael Nadal und Roger Federer, sonst grosse Rivalen, nach ihrem ersten gemeinsamen Doppel in die Arme fielen. Nachdem die zweite Austragung in Chicago ebenso euphorische Reaktionen auslöste und etwa John McEnroe von der besten Neuerung im Tennis seit Jahrzehnten sprach, hatte das zarte Pflänzchen schon starke Wurzeln geschlagen.

Wichtige Anerkennung erhielt der Laver-Cup im Mai 2019, als ihn die Profitour ATP sanktionierte. Nachträglich wurden alle Resultate in die Statistiken aufgenommen, dazu unterstützt sie den Anlass auch mit Schiedsrichtern, Physiotherapeuten und ihren Marketing kanälen. Wer heute den Laver-Cup noch als reines Schauturnier einstuft, wird ihm und den Spielern nicht gerecht, die ihr Herzblut auf dem Platz zu lassen pflegen und sich unter grossem Druck sehen.

Dennoch ranken sich Fragen um den Anlass. Fragen, die letztlich alle zu ihm führen: Roger Federer. Er ist das Fundament, als Integrationsfigur und Spieler, seine Agentur Team8 richtet ihn aus, und nicht zufällig gehören viele seiner Sponsoren zu den tragenden Säulen. Was wird sein, wenn Federer irgendwann nicht mehr spielt? Wird das Turnier dann stark genug sein, um die Maschine am Laufen zu halten? Selbst dass längst absehbar ist, dass Federer ihm in einer Form treu bleiben wird, ist keine Erfolgsgarantie.

Unklar, ob das Turnier profitabel ist

Fragen betreffen auch die finanzielle Situation des Turniers. Es scheute bisher keine Kosten, um die höchsten Ansprüche zu erfüllen und sich so seinen Platz zu sichern. Zahlen werden keine veröffentlicht, und ob das Turnier tatsächlich bereits profitabel ist, wie die Ausrichter behaupten, wissen die Tennisgötter. An Finanzkraft fehlt es ihm nicht, zumal mit Federer- und Godsick-Freund Jorge Paulo Lemann auch der brasilianisch-schweizerische Milliardär zu den Investoren gehört – neben dem amerikanischen und dem australischen Verband, der in Genf für die verschiedensten Bereiche zuständig ist.

All diese Fragen rücken in Genf jedoch in den Hintergrund. Die glückliche Konstellation, Federer und Nadal Seite an Seite in ihrem goldenen Herbst in der Schweiz zu erleben, in Anwesenheit von Grössen wie Borg, McEnroe, Laver und anderen, wird es ohnehin nie mehr geben.

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