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«Es fängt gerade erst an»

Valentina Ryser ist an den Thuner Tennismeisterschaften in der ersten Runde ausgeschieden. Fern der Heimat hat die 16-jährige Thunerin jedoch unlängst unerwartete Erfolge gefeiert.

Den Filzball im Fokus: Valentina Ryser will sich in der Weltrangliste kontinuierlich hocharbeiten.
Den Filzball im Fokus: Valentina Ryser will sich in der Weltrangliste kontinuierlich hocharbeiten.
Markus Grunder

Zu Hause ist es am schönsten. Eigentlich. Denn für Valentina Ryser waren die Auftritte auf dem Tennisplatz quasi vor der eigenen Haustüre bisher nicht von Erfolg gekrönt. Viermal nahm die 16-Jährige an den Thuner Tennismeisterschaften teil – mit Ausnahme vom letzten Jahr, als sie bis in die Viertelfinals vorgestossen war, scheiterte die Thunerin jedes Mal in der ersten Runde.

Schnelle und präzise Analysen

Das war auch dieses Jahr nicht anders. Gegen die international erfahrene, im nationalen Ranking aber um zwanzig Plätze schlechter klassierte Joanne Züger musste Ryser nach nur zwei Sätzen und einer 4:6, 3:6-Niederlage ihre Tasche packen. «Das ist schade. Es wäre mehr dringelegen», sagt Ryser und bemängelt, dass sie zu viele Fehler gemacht und auch der Aufschlag nicht nach Wunsch funktioniert habe.

Ryser analysiert ihr Spiel schnell und präzis. Sie weiss, wo ihre Stärken liegen und wo sie sich noch verbessern muss. Diese Abgeklärtheit ist kein Zufall, ist Tennis doch schon seit vielen Jahren ein wichtiger Bestandteil im Leben des Teenagers. Vor knapp einem Jahr ist der Sport gar noch stärker in den Fokus gerückt, als Ryser ins Leistungszentrum in Biel zog. Dort trainiert sie nun ­täglich fünf Stunden. Daneben geht sie weiterhin zur Schule und hat Englisch- und Französischunterricht.

Viele Erfahrungen in Biel

Die Erfahrungen, die sie gemacht habe, als sie in einem professionellen Umfeld habe trainieren und auch zu Turnieren mit einer Delegation habe unterwegs sein können, seien sehr wichtig gewesen, sagt Ryser. «Ich bin nun viel erfahrener», sagt sie, da sie im Vergleich zu vor einem Jahr viel mehr trainiere.

Dennoch antwortet die 16-Jährige zögerlich, wenn es darum geht, abzuschätzen, was ihr dieses Jahr in Biel bisher sportlich gebracht habe. «Das ist schwierig zu sagen», meint Ryser. «Die Zeit ging so schnell vorbei.» Sie will noch mindestens ein Jahr in Biel bleiben und dann schauen, wo sie steht. Im Herbst möchte sie mittels Kursen im Internet eine gymnasiale Ausbildung beginnen, die es ihr ermöglichen soll, den bisherigen Trainingsaufwand beizubehalten.

Denn für Ryser ist klar, dass sie sich auf dem Tennisplatz weiter nach oben spielen will, um ihr grosses Ziel zu erreichen. Die Thunerin träumt nämlich davon, an einem Grand-Slam-Turnier der Juniorinnen die Qualifikation bestreiten zu dürfen. Dazu muss Ryser – momentan die Nummer 541 der U-18-Weltrangliste – in die Top 100 vorstossen. «Ich gebe Vollgas», sagt Ryser.

«Es fängt gerade erst an.»

Dass dem so ist, hat die dreifache Schweizer Meisterin in diesem Jahr – fernab von Thuner Tennisplätzen – mehrmals bewiesen. Am ITF-Turnier in Doorn (NED) im Februar schaffte sie erstmals auf dieser Stufe den Einzug in den Halbfinal. Diesen Erfolg toppte sie vor zwei Wochen beim höher dotierten ITF-Pro-Turnier der Elite in Lenzerheide, als sie sich durch die Qualifikation ins Hauptfeld spielte und sich damit überraschend ihre ersten zwei WTA-Punkte im Einzel verdiente.

Als Ryser davon erzählt, strahlt sie übers ganze Gesicht, und dann sagt sie einen Satz, der je nach Tonlage wie ein Versprechen oder eine Drohung an die Konkurrenz klingt: «Es fängt gerade erst an.» Zu diesen beiden Punkten und den neun, die sie bisher im Doppel geholt hat, sollen sich noch viele weitere gesellen. Und dazu wird Ryser auch in Zukunft unzählige Stunden auf dem Tennisplatz verbringen.

Ehre in Moskau

Bereits heute steht sie am ITF-Turnier im deutschen Bruchköbel im Einsatz. In der Folgewoche findet die Schweizer Meisterschaft in Bellinzona statt, bevor wiederum neun Tage später die Europameisterschaft in Moskau ansteht. Valentina Ryser lässt sich ob des strengen Programms nicht aus der Ruhe bringen, spricht von einer «Ehre», überhaupt bei kontinentalen Wettkämpfen dabei sein zu können.

Ziele hat sie sich keine gesetzt, sie wolle einfach Runde für Runde absolvieren und möglichst weit kommen, sagt sie. Nach dem Turnier in Russland wird Ryser übrigens eine Woche Ferien machen. Zu Hause. Wo es eben doch am schönsten ist.

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