Federer coacht, Djokovic schwärmt

Der Laver-Cup zeigt eine neue Seite von Roger Federer, derweil bereits das Duell im nächsten Jahr in Genf angeheizt wird.

Auf und neben dem Platz ein Leader: Federer bezwang am Sonntag John Isner nach abgewehrten Matchbällen. Video: AP.
René Stauffer@staffsky

Wer den Laver-Cup als überflüssigen oder sportlich wertlosen Schaukampf betrachtet, wird auch nach der zweiten Austragung die Meinung nicht ändern. Wer aber genau hinschaute, erlebte wie bei der Premiere in Prag auch im «United Center» von Chicago drei sportlich attraktive Tage in einer hervorragenden Atmosphäre, mit total 93’584 Zuschauern, engagierten Spielern und einem spannenden Verlauf.

«Ich hatte gehofft, dass es spannend wird – aber nicht gleich so spannend», sagte Roger Federer, als er sein Pensum als Spieler am Sonntag erledigt hatte. Dabei war es ihm gelungen, sich gegen John Isner aus extremer Bedrängnis zu retten. Der Amerikaner kam zu total drei Matchbällen, und bei einem durfte er sogar aufschlagen. Doch Federer wehrte auch diesen mit einer brillanten Rückhand ab und siegte 6:7 (5:7), 7:6 (8:6), 10:7.

Federers Coaching half

Der Turnier-Mitbegründer brachte damit Europa vor den letzten beiden Einzeln wieder 10:8 in Führung (pro Sieg wurden am Freitag ein Punkt verteilt, am Samstag zwei und am Sonntag drei Punkte). Alexander Zverev besiegelte darauf den Erfolg von Björn Borgs Team mit einem 6:7, 7:5, 10:7 gegen Kevin Anderson. Hätte der Deutsche verloren, wäre es an Novak Djokovic gelegen, Europa die Titelverteidigung zu sichern. So aber wurde sein abschliessendes Einzel gegen Nick Kyrgios überflüssig und nicht mehr ausgetragen.

Zverev fiel nach seinem hart erkämpften Erfolg zum 13:8-Endstand erlöst auf den Rücken, während sein Team auf ihn zustürmte und ihn belagerte. Er hatte zum Auftakt des Sonntags neben Federer ein Doppel gegen Sock/Isner trotz Matchball 6:4, 6:7, 9:11 verloren. Dadurch führte John McEnroes Weltauswahl plötzlich 8:7 – nachdem sie zwischendurch am Samstag 1:7 zurückgefallen war. Fast so spannend wie der Spielverlauf waren in der letzten Partie die Szenen beim Seitenwechsel.

Immer wieder sprach Federer auf Zverev ein und gab ihm Ratschläge, die über die Mikrofone gut mitzuhören waren. Er müsse positiv bleiben, sich von der Ruhe Björn Borgs inspirieren lassen und den Leuten keinen Grund geben, ihn nicht zu mögen, sagte er etwa. Er dürfe sich auch nicht vom gegnerischen Team frustrieren oder von Anderson zurückdrängen lassen.

Djokovic: «Wie ein Traum»

Trotz der Niederlage im Doppel waren Zverev und Federer die tragenden Figuren der Europäer. Beide hatten schon am Samstag ihre Einzel (gegen Isner und Kyrgios) gewonnen, womit jeder dem Team fünf Punkte sicherte. Als Einziger des europäischen Sextetts ging Djokovic leer aus, nachdem er neben Federer ein Doppel und ein Einzel gegen Anderson verloren hatte. «Ich habe viel erlebt, aber dies war wie der perfekte Tennistraum», sagte der Wimbledon- und US-Open-Sieger dennoch. «Es war eine einzigartige Erfahrung, mit diesen Spielern ein Team zu bilden. Die Erinnerungen werde ich für immer mitnehmen.»

Etwas zerknirscht war wie in Prag John McEnroe, dessen Team trotz Heimvorteil erneut knapp unterlag. Acht der elf Partien wurden in Match-Tiebreaks entschieden. «Es war dennoch ein grossartiger Anlass», sagte McEnroe und kündete Revanche an: «Nächstes Jahr werden wir gewinnen!» Aber Borg konterte: «Die werden uns in Genf den Pokal nicht nehmen, das verspreche ich.» Die 3. Austragung steigt vom 20. bis 22. September 2019 im Palexpo-Komplex.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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