Federer und die potenziellen Spielverderber

Verlockend und heikel zugleich: So präsentiert sich die Ausgangslage Roger Federers in Wimbledon. Wir stellen den Halbfinal-Gegner Tomas Berdych und die beiden mög­lichen Finalwidersacher des Baselbieters vor.

Favorit und Publikumsliebling: Roger Federer kann im Halbfinal und, falls er es erreicht, auch im Endspiel auf seine immense Klasse, seine riesige Erfahrung und die Unterstützung der Zuschauer zählen.

Favorit und Publikumsliebling: Roger Federer kann im Halbfinal und, falls er es erreicht, auch im Endspiel auf seine immense Klasse, seine riesige Erfahrung und die Unterstützung der Zuschauer zählen.

(Bild: Keystone)

Bisher ist Roger Federers Plan mit dem Verzicht auf alle Sandplatzturniere perfekt aufgegangen. Er stieg mental frisch, körperlich topfit und spielerisch bestens vorbereitet in die Rasensaison. Nach der Auftaktniederlage in Stuttgart gegen Tommy Haas steigerte er sich in Halle kontinuierlich und erreichte im Final gegen Youngster Alexander Zverev erstmals die Topform.

Und nun steht er an den Championships, die er so gern ein achtes Mal gewinnen würde, nach fünf Leistungen, die allesamt zwischen gut und brillant einzustufen sind, ohne Satzverlust im Halbfinal. «Dass ich mich in der zweiten Wimbledon-Woche in Bestverfassung fühlen würde, war die Idee – und ehrlich gesagt, es hat geklappt», erzählt er.

Die Ausgangslage präsentiert sich wohl noch verlockender, als es sich Federer in seinen süssesten Träumen ausgemalt hat. Mit seinen langjährigen Rivalen Rafael Nadal, Novak Djokovic, der ihn 2014 und 2015 im Wimbledon-Final jeweils bezwungen hatte, und Titelverteidiger Andy Murray sind die drei vermeintlich schwersten Gegner vorzeitig gescheitert. Die «New York Times» bezeichnet Federer als «Mann, den es zu schlagen gilt».

Boris Becker nannte dessen Auftritt gegen Milos Raonic auf BBC ein «Meisterwerk» und sagte: «Er ist nun der klare Favorit.» Diese Einschätzung lässt sich mit vielen Zahlen belegen. Zwei Beispiele: Vor dem laufenden Turnier hat Federer 2017 mehr Weltranglistenpunkte gesammelt als Marin Cilic (ATP 6), Tomas Berdych (ATP 15) und Sam Querrey (ATP 28) zusammen. Die drei Konkurrenten haben auf Gras je ein Turnier gewonnen, Federer hat allein 16 Rasentitel geholt.

Die erfreuliche Situation ist freilich delikat. Alle erwarten vom Baselbieter nun den Titel, und er selber erwartet ihn von sich auch. Durch das freiwillige Forfait für das French Open hat der 35-Jährige die Bedeutung der Championships für sich persönlich noch zusätzlich erhöht. Und, darin sind sich die meisten Spitzensportler einig: Der stärkste Druck ist jener, den man sich selber auferlegt.

Die Ausgangslage erinnert etwas an jene am US Open 2014. Nachdem Kei Nishikori im Halbfinal Djokovic bezwungen hatte, schien der Weg für Federer frei zu sein. Doch dann erwies sich Cilic als Spielverderber. Eine Garantie für den Triumph gibt es also nicht, allerdings spielt der Superstar diesmal deutlich besser – und erst noch auf seiner Lieblingsunterlage.

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