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Frühlingserwachen in Paris

Nadals Baisse und Wawrinkas Coup von Melbourne haben die Ausgangslage fürs French Open verändert.

Bereit für die nächste Überraschung? Stan Wawrinka will auch in Paris Spuren hinterlassen.
Bereit für die nächste Überraschung? Stan Wawrinka will auch in Paris Spuren hinterlassen.
Keystone

Vor dem europäischen Grand-Slam-Sommer mit French Open und Wimbledon innert sechs Wochen präsentiert sich die Ausgangslage wesentlich spannender als in der jüngeren Vergangenheit. Die Hierarchie an der Spitze ist brüchig geworden, die Big 4 – Roger Federer, Rafael Nadal, Novak Djokovic und Andy Murray – dominieren nicht mehr wie zuvor. Auch wenn drei der vier immer noch (oder wieder) unter den Top 4 stehen und der auf Rang 8 abgerutschte Wimbledon-Sieger Murray zuletzt Aufwärtstendenz zeigte.

Eine frische Brise hat das Männertennis erfasst. Sie hat einen klaren Auslöser – Wawrinkas Coup in Melbourne mit den Siegen über Djokovic und Nadal – und wird verstärkt durch diverse Entwicklungen der vergangenen Wochen. Insbesondere durch die Tatsache, dass sich Nadal für einmal ungewohnt schwertut auf seinen geliebten Sandplätzen und seine seit zehn Jahren bekannte Souveränität vermissen lässt. Schon drei Spieler vermochten ihn 2014 darauf zu schlagen, fünf weitere nahmen ihm einen Satz ab. Und diese Resultate haben Spuren hinterlassen.

Nadals Verunsicherung

Nadal wirkt etwas verunsichert und muss auf dem Weg zum 14. Majortitel – dem 9. in Paris – auch seine Zweifel überwinden. Zwar hilft ihm, dass er in Paris genug Zeit hat, seine Gegner zu zermürben. Auf Sand hat er erst eine von 82 Partien über best of 5 verloren, 2009 gegen Robin Söderling. Er gilt dennoch für einmal nur als zweiter Favorit hinter Djokovic. Dabei hat auch der Serbe eine zusätzliche Hürde zu überwinden: seine hohe Erwartungshaltung. Schon viermal unterlag er in Paris Nadal, vor einem Jahr im Halbfinal mit 7:9 im fünften Satz. Er gab danach zu, sich zu sehr auf das Ziel fixiert zu haben, den letzten ihm fehlenden Majortitel zu holen und damit als achter Spieler den Karriere-Grand-Slam zu schaffen. Der Druck dürfte nun nicht kleiner sein.

Und weil Federer als bald 33-jähriger vierfacher Vater keinen grossen Schrecken mehr verbreitet und Murray auf Sand schon immer am schlagbarsten war, scheint die Lage der Aussenseiter so günstig wie lange nicht mehr.

Auf der Suche nach Kandidaten, die den Nachahmungseffekt nutzen und einen Wawrinka-Akt schaffen könnten, drängt sich aber vor allem ein Name auf: Stan Wawrinka, wieder er. Der Lausanner hat sich, trotz kleineren Rückschlägen, abgesetzt von der Verfolgergruppe um Tsonga, Gasquet, Berdych und Ferrer. Und die viel gepriesenen sogenannt «Jungen» mit Milos Raonic, Kei Nishikori und Grigor Dimitrov dürften noch nicht reif genug sein, um den Weg zu Ende zu gehen – wobei der körperlich fragile Japaner zuletzt am stärksten spielte.

Wawrinka sieht sich derweil nicht als Wegbereiter. «Dass andere gesehen haben, wie ich es geschafft habe, heisst nicht, dass sie es auch tun können», sagt er. Für ihn geht es vor allem darum, den Weg ins Turnier zu finden, sich ohne Kraftverlust warmzuspielen und Fallgruben zu vermeiden, die sich in frühen Runden auftun können – umso mehr, wenn wie in den kommenden Tagen am Bois de Boulogne das Wetter für Turbulenzen sorgen sollte. Ganz nach dem altbekannten Motto: Ein Grand-Slam-Turnier kann in der ersten Woche nicht gewonnen, aber sehr wohl verloren werden.

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