«Herr der Asse» will Federers 101. Turniersieg vereiteln

John Isner ist Roger Federers Herausforderer im Final von Miami. Der Amerikaner ist der Tiebreak-König des Turniers. Neun seiner zehn Sätze gewann er im Tiebreak.

Entschlossener Riese: John Isner (208 cm, 108 kg) ist in Miami gegen Federer heute Titelverteidiger.

Entschlossener Riese: John Isner (208 cm, 108 kg) ist in Miami gegen Federer heute Titelverteidiger.

(Bild: Keystone)

René Stauffer@staffsky

So gross John Isner mit seinen 2,08 Metern auch ist, so bescheiden gibt sich der schlaggewaltige Amerikaner, der Schweizer Wurzeln haben soll. Als er vor zwei Wochen nach Miami kam, sagte er: «Ich rechne nicht damit, dass ich meinen Titel verteidigen werde.» Dafür spreche schon die Wahrscheinlichkeitsrechnung: Er habe ja bisher nur eines seiner gegen 100 Masters-Turniere gewonnen – eben, in Miami.

Nach dem Sieg über den 18-jährigen Kanadier Félix Auger-Aliassime fehlt Isner nun aber nur noch ein Erfolg, und er hätte seinen bisher bedeutendsten Titel erfolgreich verteidigt. Finalgegner ist heute (ab 19 Uhr MEZ) Roger Federer, der mit Felix Shapovalov in der Nacht auf Samstag den zweiten kanadischen Jungstar souverän bändigen konnte (6:4, 6:2).

Ich bin in den Tiebreaks stark im Kopf

Der 33-jährige Isner ist seit zehn Jahren als «Herr der Asse» berüchtigt und einer der besten Aufschläger überhaupt. 11 394 unberührte Aufschlagwinner hat er bereits geschlagen, davon 98 im Hardrock-Stadion, wo das Miami Open erstmals stattfindet.

Federers Turnierskore steht bei 38, insgesamt steht er aber auch schon bei 10 954 Assen. In Florida zeigte Isner nun aber auch noch eine andere Qualität: Vier seiner fünf Partien gewann er mit dem Skore von 7:6, 7:6, die fünfte 7:5, 7:6.

«Ich bin in den Tiebreaks hier ziemlich ruhig und stark im Kopf. Zweifellos habe ich in diesen Momenten mein bestes Tennis gespielt», sagt Isner, der seit 2017 verheiratet und seit vergangenem September Vater eines Mädchens ist. Die neue familiäre Situation hat mitgeholfen, dass er ruhiger wurde. «Ich wollte immer eine Familie, und es macht Spass, ein Kind zu haben.»

Federer führt im Duell mit dem als Nummer 9 bestklassierten Amerikaner 5:2. Schon einmal stand er Isner in einem Masters-Endspiel gegenüber, das er in Indian Wells vor sieben Jahren 7:6, 6:2 gewann. Geschlagen geben musste er sich dem 14-fachen Turniersieger 2012 im Davis-Cup in Fribourg sowie in der letzten Begegnung, Ende 2015 am Hallenturnier in Paris-Bercy.

Federer der erste Spieler mit 50 Masters-Finals

Der 100-fache Turniersieger fand nach dem schwierigen Auftakt gegen Radu Albot (4:6, 7:5, 6:3) in Miami gut ins Turnier und hat inzwischen ebenfalls zehn Sätze in Folge gewonnen – musste dabei aber kein einziges Tiebreak bestreiten.

Er hat als erster Spieler sein 50. Masters-1000-Endspiel erreicht, auf den 28. Titel wartet er aber schon seit Shanghai 2017 (Nadal steht bei 33 Titeln, Djokovic bei 32). Die letzten drei dieser Finals brachten ihm Niederlagen, die letzte vor zwei Wochen in Indian Wells gegen Dominic Thiem.

Dank Miami hat Federer den Österreicher wieder von Rang 4 der Weltrangliste verdrängt. Sollte er seinen vierten Titel in Florida (nach 2005/06/17) holen, würde er im «Race to London», dem Jahresklassement, sogar auf den ersten Rang vorstossen. «Es wäre aber ein Witz, wenn ich die Nummer 1 als Ziel nennen würde», kommentierte er in Miami. «Djokovic hat die letzten drei Grand-Slam-Turniere gewonnen, er ist weit voraus.»

Federer zeigte auch gegen den 19-jährigen Shapovalov eine enorm solide Leistung mit sehr wenigen unerzwungenen Fehlern. Das wird auch heute nötig sein. Gegenüber ESPN sagte Federer, er spiele gerne gegen Aufschlaggiganten. «Es ist wie ein Elfmeterschiessen im Fussball, nur dass es sich um Tennis handelt. Am Sonntag werde ich der Goalie sein und versuchen, so viele Bälle wie möglich zurückzubringen.» Der Return war zuletzt eine seiner Stärken. Er schaffte schon 16 Breaks (Isner 5) und wurde auch weniger gebreakt (3/4).

SonntagsZeitung

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