«Ich könnte nun zerstört sein»

Stan Wawrinka

Stan Wawrinka sah nach dem Aus gegen Federer verweint aus. Aber er beurteilte seine Lage vor dem Davis-Cup-Final klar und eher positiv.

Stehen vor schwierigen Tagen: Wawrinka und Federer.

Stehen vor schwierigen Tagen: Wawrinka und Federer.

(Bild: Reuters)

René Stauffer@staffsky

Trübt der Ausgang des Halbfinals Ihre Saisonbilanz?
Mein Jahr war dennoch aussergewöhnlich. Ich hätte nie zu träumen gewagt, so hoch zu kommen und solche Resultate zu erzielen. Zudem habe ich das Glück, nun auch noch einen Davis-Cup-Final bestreiten zu können. Trotz der grossen Enttäuschung hat es nur Positives in dem, was mir widerfährt.

Wie erklären Sie sich die vier ­vergebenen Matchbälle?
Natürlich war ich nervös, angespannt. Und ich wollte die Punkte holen, nicht nur auf Fehler warten. Partien gegen ­Federer, den besten Spieler der Geschichte, sind eben auch mental für mich schwierig.

Wie hart ist die Niederlage?

Ich habe zwei Möglichkeiten, sie zu ­betrachten: Ich kann stolz sein auf das Erreichte, immerhin war ich wieder im Halbfinal des Masters. Andererseits: Ich hatte drei – nein: vier Matchbälle gegen Federer, in einem wichtigen Match, in dem ich sehr gut gespielt habe. Das schmerzt sehr, denn ich weiss nicht, ob ich weitere Chancen bekommen werde, den Masters-Final zu erreichen oder nochmals hier zu spielen. Ich könnte nun zerstört sein – oder versuchen, mich schnell wieder aufzurappeln.

Wohin geht die Tendenz?
Richtung Alkohol, um zu vergessen . . . (lacht) Nein: Ich bin am Ende eines unglaublichen Jahres, auch wenn es schade ist, dass es hier so zu Ende geht. Aber es ist auch ideal, dass ich wieder viel Vertrauen ­gewonnen habe. Und es ist ein Vorteil, dass ich mich nun sogleich auf ein neues grosses Ziel konzentrieren kann, auf die Umstellung auf den Sand von Lille.

2013 erlitten Sie in Melbourne eine knappe Fünfsatzniederlage gegen Djokovic, die letztlich aber viel Gutes auslöste. Könnte dieser Halb­final einen ähnlichen Effekt haben?
Niederlagen schmerzen. Aber es hat sich so viel geändert in diesen zwei Jahren, dass ich erschüttert bin, einen Masters-Halbfinal zu verlieren. Vor drei Jahren hätte ich dafür sofort ­unterschrieben, nie gedacht, dass dies möglich wäre. Deshalb muss ich ­etwas Abstand nehmen. Ich habe hier bewiesen, dass meine Resultate dieses Jahr und meine Ranglistenposition kein Zufall sind, dass ich das Niveau habe, ­Federer sogar in der Halle zu schlagen. So muss ich ­weitermachen.

Sie hatten dieses Jahr aber auch viel mehr Tiefs als üblich. Warum?
Ich war zwischendurch mental etwas schwächer, das hat mich einige Siege gekostet. Nach Shanghai trainierte ich nun aber hart, verarbeitete die Niederlagen, akzeptierte sie, ohne mich gehen zu lassen oder mein Los zu beklagen. Ich blieb positiv, das ist der Grund, warum ich mein bestes ­Tennis wiedergefunden habe.

Werden Sie mit Federer noch über diesen Match sprechen?
Wir werden überhaupt nicht mehr miteinander sprechen, dann sind die Franzosen zufrieden . . . (die Davis-Cup-Finalgegner, Anm. der Red.). Nein, ich denke nicht. Wir sprechen selten über unsere Matchs. Wir sahen uns noch im Fitnessraum und sprachen von anderem. Zu diesem Match gibt es unter uns auch nicht viel zu sagen. Wir haben nun ein gemeinsames Ziel, den Davis-Cup-Final.

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