«Ihr müsst es gar nicht probieren!»

Fünf Jahre später hat Belinda Bencic am US Open wieder den Viertelfinal erreicht. Ist sie jetzt dort plötzlich die Favoritin?

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Simon Graf@SimonGraf1

«Die Leute denken immer, ich sei älter, als ich tatsächlich bin», sagte Belinda Bencic nach ihrem grossen Sieg über Naomi Osaka. «Weil ich schon so lange auf der Tour bin. Ich habe in dieser Zeit viel gelernt. Am Anfang dachten alle, es gehe bei mir nur bergauf. Aber so funktioniert das nicht im Tennis. Alle wahren Athleten müssen Hürden überspringen, Verletzungen überstehen, harte Zeiten. Das hat mich stärker gemacht, und eine bessere Spielerin.»

22 ist Bencic nun, und fünf Jahre, nachdem sie als unbeschwerte Teenagerin in den Viertelfinal des US Open stürmte, ist sie wieder so weit. Fünf Jahre sind eine lange Zeit, vor allem im Leben einer Sportlerin, doch eine interessante Parallele gibt es: Damals kam Bencic ohne grosse Erwartungen nach Flushing Meadows und liess sich positiv überraschen. Diesmal war es ähnlich, nachdem sie in Cincinnati den Fuss übertreten, eine Fersenprellung erlitten hatte.

Sie hatte vor und während des US Open ihr Training dosieren müssen, um den linken Fuss zu schonen. Und bis zum Osaka-Match, in den sie als klare Aussenseiterin stieg, nicht genau gewusst, wo sie stand. Als die Japanerin am Samstagabend mit ihrer Geste, Verliererin Cori Gauff zum Siegerinterview mitzunehmen, für grosses Aufsehen sorgte, sass Bencic im Publikum. Ihre Partie gegen die Estin Annett Kontaveit war ja ausgefallen, und offenbar war für sie diese kurze Pause Gold wert.

Osaka war danach ratlos

Gegen Osaka zeigte sie einen der besten Matches ihrer Karriere. Erstaunlich war die Selbstverständlichkeit, mit der Bencic beim 7:5, 6:4 die Vorjahressiegerin bezwang. Sie liess nur einen Breakball zu, hielt den kraftvollen Grundlinienschlägen Osakas locker stand, manövrierte sie immer wieder aus. «Bencic traf den Ball sehr sauber und hatte einen klaren Plan, den sie ausführte», sagte die zweifache Major-Siegerin, die überrascht war, wie wenig Wirkung ihr Spiel gezeigt hatte.

Es ist für Bencic der fünfte Sieg über eine Top-5-Spielerin in diesem Jahr – und der neunte über eine Gegnerin aus den Top 10. Keine hat mehr geschafft. Was die These stützt, dass sie dann am besten spielt, wenn der Sieg nicht unbedingt von ihr erwartet wird. Und jetzt? Nun müsse sie doch gegen die Weltnummer 23 Donna Vekic als Favoritin gelten, sagte ein Journalist. «Ihr müsst es gar nicht probieren!», sagt sie. «Vekic ist eine super Spielerin. Ob ich gegen Osaka spiele, Vekic, Kontaveit, man kann gegen alle verlieren und gegen alle gewinnen. Das ist meine Mentalität. Es gibt keine Favoritenrolle.»

Dann fügte schmunzelnd an: «Oder vielleicht stelle ich mir einfach vor, dass Vekic Top 10 ist, und dann klappt es.»

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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