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Kaum zu fassen

Petra Kvitova drohte Anfang Jahr das Karriereende. Sechs Monate später ist sie in Wimbledon Titelfavoritin.

Mit viel Wucht: Petra Kvitova.
Mit viel Wucht: Petra Kvitova.
Keystone

Der Jubel von Petra Kvitova strahlte Andächtigkeit aus, der Jubel in ihrer Box Euphorie. Es war keine normale Reaktion für eine zweifache Wimbledon-Siegerin auf einen Erstrundenerfolg. Aber für die Tschechin war das 6:3, 6:4 gegen Johanna Larsson auch mehr als ein handelsüblicher Sieg, es war einer der Gerechtigkeit.

Dass Petra Kvitova überhaupt wieder auf einem Centre-Court Tennis spielen kann, war vor einem halben Jahr nicht absehbar. Kurz vor Weihnachten war sie in ihrem Haus im tschechischen Prostejov von einem Einbrecher überrascht worden, der sie mit einem Messer schwer an der linken Hand verletzte.

Alle fünf Finger ihrer Schlaghand ­waren beschädigt, Muskeln und Sehnen in Mitleidenschaft gezogen. Blickt die 27-Jährige zurück, sagt sie offen: «Ich wusste damals nicht, ob ich je wieder spielen kann.» Sie wusste nicht einmal, ob sie je wieder in der Lage sein würde, Alltagsdinge zu tun – einen Einkaufszettel schreiben zum Beispiel oder ein Smartphone bedienen.

Es war eine harte Zeit, wie sie selbst sagt. Auch psychologisch, weil der Täter nicht gefasst wurde, doch Kvitova liess sich nicht unterkriegen, selbst als die Ärzte ihr die bittere Gewissheit unterbreiteten, dass sich die Hand nie mehr so anfühlen wird wie vorher.

Sechs Monate später ist sie bei Buchmachern und Experten die Favoritin auf den Wimbledon-Titel, was automatisch die Frage auslöst, wie es dazu kommen kann. Nun, Kvitova hat wie verrückt an ihrem Comeback ­geschuftet, in der Reha, auf dem Platz, härter als jemals zuvor.

Sportliche Qualen als Therapie. «Als ich auf dem Sofa sass und mir die Partien am TV ansehen musste, vermisste ich das Tennis unglaublich», erzählt sie. Diese Motivation wirkte. Und wie. Der Aufschlag der 1,83 Meter grossen Tschechin ist besser als je zuvor, und auch die Grundschläge bewegen sich schon wieder nah am Optimum – auch wenn sie ihre Hand wohl nie wieder schliessen kann.

Das Comeback in Paris

Im Mai entschied sie sich spontan, auf die WTA-Tour zurück­zukehren. Am French Open schied sie zwar in der 2. Runde aus, aber viel wichtiger war die Erkenntnis, dass sie das Leben nun noch mehr geniesse und schätze, «die Momente mehr wahrnehme» – sei es auf dem Platz oder im Privaten.

Aus diesen positiven Eindrücken schöpfte sie Kraft, gewann bereits das zweite Turnier in Birmingham. Das habe sie selber kaum glauben können, sagt Kvitova.

Widerspruch fällt da schwer, denn ihr Comeback ist tatsächlich schwer fassbar, unbegreiflich fast. Gab es nie Zweifel, dass es vielleicht nicht mehr werde wie früher? In Paris sei es vor allem schlimm gewesen, immer wieder über das Erlebte zu sprechen, gibt sie zu. Aber sie sagt auch, dass es von Woche zu Woche besser gehe, sie ganz gut damit klarkomme.

2011, 2014 – 2017?

Das nimmt man Kvitova ab, strahlt sie doch eine grosse Zufriedenheit aus. Das verleitet sie gar zur Aussage, dass sie nun auch mit einer Niederlage ganz gut leben könne. Das ändert natürlich nichts an der Tatsache, dass sie noch mehr will.

«Ich möchte mich weiter steigern, und das kann ich auch», fügt sie lächelnd in einem Nebensatz an. An der Church Road gewann sie bereits in den Jahren 2011 und 2014. 2017 wäre sie also wieder an der Reihe.

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