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Mit langer Mähne und kurzen Ballwechseln

Mit seiner Haarpracht und der unkonventionellen Spielweise fällt Dustin Brown sofort auf. Der Deutsch-Jamaikaner ist in Gstaad der Publikumsliebling – Am Samstag bestreitet er den Halbfinal.

Zur Freude der Fans: Dustin Brown fordert die Turniernummer 1.
Zur Freude der Fans: Dustin Brown fordert die Turniernummer 1.
Keystone

Etwas Hagel, morgendlicher Regen – die Gstaader Organisatoren sahen sich am Freitag zur Programmanpassung gezwungen. Was zur Folge hatte, dass die Partie zwischen Michail Juschni und Dustin Brown auf den Nebenplatz verlegt wurde. Den Zuschauern wars egal – die meisten zogen den Court 1 dem Center-Court vor.

Brown ist in die Rolle des Publikumslieblings geschlüpft. Aus zwei Gründen: Da wäre die Haarpracht. Fast zum Po reicht die Rastamähne, der letzte Coiffeurbesuch liegt 20 Jahre zurück. Andererseits ist da sein Spielstil: unkonventionell, ausserhalb jeder Norm. Brown serviert so schnell, dass die Zuschauer auf dem Nebenplatz gefährlich leben.

Am Donnerstag haute er einen zweiten Aufschlag mit 224 km/h ins Feld. An langen Ballwechseln ist er nicht interessiert, streut viele Stoppbälle ein. «Vieles geschieht intuitiv», sagt der 31-Jährige. «Würde ich die Bälle nur links und rechts platzieren, wäre ich nirgends in der Weltrangliste. Ich spiele anders, damit sich der Gegner nicht entfalten kann. Auch wenn die Kugel mal am Zaun landet.»

Spieler mit Entertainer-Qualität

Im Berner Oberland läuft es wunschgemäss, nach dem 6:4, 6:4-Erfolg über Juschni steht Brown im Halbfinal. Nicht wenige bezeichnen die Weltnummer 99, die einst auf der Kaderliste des NLB-Interclub­teams von Dählhölzli figurierte, für die Berner aber nicht zum Einsatz kam, als Entertainer.

Die Mutter ist Deutsche, der Vater Jamaikaner. Aufgewachsen in Niedersachsen, lebte der Profi lange in der Karibik, wo er die Karriere lancierte und zum Davis-Cup-Team gehörte. Seit 2010 und einem Streit mit dem jamaikanischen Verband spielt er für Deutschland. Den Durchbruch hat er spät geschafft; der Hüne (196 cm) hat fünf Doppeltitel geholt, vor Jahresfrist in Wimbledon Rafael Nadal besiegt.

Typischer Deutscher oder eher Jamaikaner? «Beides», sagt er und lacht. Ein lockerer Typ sei er, klar. Doch die Uhr stellt er auch mal 5 Minuten vor, weil er Unpünktlichkeit nicht ausstehen kann. «Sehr cool» sei es, habe er zum zweiten Mal in diesem Jahr die Halbfinals erreicht. Vor dem Duell zwischen Paul-Henri Ma­thieu und Robin Haase wird sich Brown mit dem topgesetzten Spanier Feliciano Lopez messen (11.30 Uhr). Auf dem Center -Court.

phr

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