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Nun fordert Wawrinka im Halbfinal Federer

Stan Wawrinka hat Andy Murray in zwei Sätzen geschlagen. Nun bestreitet er am Samstagabend an den ATP World Tour Finals das Schweizer Duell mit Roger Federer.

«Eine der besten Atmosphären»: Stan Wawrinka nach seinem Sieg über den Briten Andy Murray.
«Eine der besten Atmosphären»: Stan Wawrinka nach seinem Sieg über den Briten Andy Murray.
Alastair Grant, Keystone

Eigentlich hätte Andy Murray psychologisch im Vorteil sein müssen. Er hatte gegen Stan Wawrinka einen 3:5-Rückstand wettgemacht und mit dem Verwerten des Breakballs das Publikum in der O2-Arena von den Sitzen gerissen. Im Tiebreak führte der 28-jährige Schotte mit Wohnsitz in London beim Seitenwechsel 4:2.

Doch dann begann ein Akt der Selbstzerstörung, wie man ihn von einem der weltbesten Tennisprofis nicht alle Tage sieht: Mit einem unerzwungenen Vorhandfehler erlaubte er seinem Widersacher ein Minibreak. Dann schlug er den Ball nach zwei zweiten Aufschlägen des Schweizers gleich mit dem Return ins Netz. Mit einem weiteren Vorhandfehler ermöglichte er Wawrinka einen Satzball. Diesen musste der Romand nicht selber verwerten – Murray missglückte aus guter Position ein Lob.

Am Ende noch gezittert

Der Lokalmatador war schockiert. Wawrinka eröffnete den zweiten Durchgang gleich mit einem Servicedurchbruch und entschied die Partie schliesslich verdient mit 7:6 (7:4), 6:4 für sich. Der French-Open-Champion setzte damit am ATP-Finalturnier seinen Steigerungslauf fort. Nach dem desolaten Auftritt gegen Rafael Nadal sowie der kämpferisch guten und spielerisch durchschnittlichen Leistung gegen David Ferrer überzeugte er über weite Strecken mit druckvollem Tennis.

Am Ende machte er die Partie allerdings noch unnötig spannend. Bei 5:2 verlor er den Aufschlag, und bei 5:4 musste er noch zwei Breakbälle abwehren. Doch letztlich spielte das alles keine Rolle, nach 114 Minuten stand Wawrinka als Gruppenzweiter und Gegner Roger Federers fest.

2014 zwei Verlierer

Weil heute die beiden Schweizer (ab 21 Uhr MEZ) einen Finalisten ermitteln, kommen Erinnerungen an das packende Duell aus dem Vorjahr auf. Es war ein Match auf hohem Niveau mit vielen Spannungsmomenten, und vor allem war es ein Aufeinandertreffen, das zwei Verlierer hervorbrachte. Wawrinka war am Ende furchtbar enttäuscht, nachdem er vier Matchbälle nicht hatte nutzen können. Federer stand zwar als 4:6, 7:5, 7:6 (8:6)-Gewinner da, doch er hatte sich im Tiebreak am Rücken verletzt und konnte tags darauf nicht zum Endspiel gegen Novak Djokovic antreten.

Nachspiel in den Katakomben

Der Match dauerte fast drei Stunden, und dann erlebte er in den Katakomben noch eine Verlängerung. Der Romand hatte sich während der Begegnung massiv über Federers Gattin Mirka geärgert. Wie später auskam, hatte sie ihm «cry baby» zugerufen, was so viel wie Heulsuse bedeutet. Die beiden Kollegen diskutierten ausführlich über das Vorgefallene – in hitziger Atmosphäre, wie Ohrenzeugen berichteten.

Letztlich litt die Freundschaft nicht. In der kommenden Woche gewannen der Baselbieter und der Waadtländer in Lille gemeinsam den Davis-Cup-Final. Seither haben sie noch drei Mal gegeneinander gespielt; Wawrinka reüssierte in Paris, Federer in Rom und New York. Alle drei Partien verliefen ziemlich einseitig. Ob sie sich das spannendste Duell der Saison wieder für die 17'800 Zuschauer in der O2-Arena aufgespart haben?

si/kko

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