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Röstigraben zwischen Federer und Wawrinka?

Die Absenz von Wawrinka am Sonntag sowie die kritische Beurteilung seiner Leistungen durch Captain Lüthi und Federer sorgen für Spekulationen rund um das Schweizer Davis-Cup-Team.

«Vielleicht müssen Roger und Stan mehr Zeit zusammen verbringen»: Der frühere Top-10-Spieler Marc Rosset ortet mangelnden Zusammenhalt.
«Vielleicht müssen Roger und Stan mehr Zeit zusammen verbringen»: Der frühere Top-10-Spieler Marc Rosset ortet mangelnden Zusammenhalt.
Keystone
Gruppenbild ohne Wawrinka: Das Schweizer Team bedankt sich am Sonntag bei den Fans.
Gruppenbild ohne Wawrinka: Das Schweizer Team bedankt sich am Sonntag bei den Fans.
Keystone
Unerwartete Problemquelle: Die Schweizer kamen mit dem Sandplatz in Fribourg nicht zurecht.
Unerwartete Problemquelle: Die Schweizer kamen mit dem Sandplatz in Fribourg nicht zurecht.
Keystone
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Roger Federer sträubte sich nach dem enttäuschenden Doppel dagegen, die Verantwortung für das Schweizer Scheitern im Davis-Cup zu übernehmen. Schuld an der unerwarteten Niederlage seien die Bedingungen auf dem holprigen und zu schnellen Sandplatz im Forum Fribourg und die grossartigen Leistungen der US-Amerikaner. «Ich weiss nicht, was die Leute denken. Irgendwo muss man auch akzeptieren, dass die anderen stark gespielt haben, und ihnen Respekt zollen. Mehr als alles probieren können wir nicht», sagte Federer im Interview mit dem Schweizer Fernsehen.

Die Nachrichtenagentur AP wollte aber noch eine weitere Erklärung von Federer gehört haben, nämlich die, dass sein Teamkollege Stanislas Wawrinka die Erwartungen nicht erfüllen konnte. «Ich habe im Doppel gut genug gespielt, Stan aber nicht so sehr. Er hatte auch im Einzel nicht seinen besten Match. Das ist schade, weil wir die Amerikaner wegen dieser Niederlage nicht unter Druck setzen konnten», so die angebliche Aussage, die aber nicht aufgezeichnet wurde und deshalb lediglich Spekulation bleibt.

Wawrinka blieb im Hotelzimmer

Gleichwohl stellt sich die Frage, ob es den Schweizern gegen das von Jim Courier glänzend eingestellte US-Team am nötigen Zusammenhalt gefehlt hat. Als Indiz für diese These kann man die Abwesenheit Wawrinkas bei der Erklärungssuche am sportlich bedeutungslosen Sonntag werten, als Michael Lammer und Marco Chiudinelli vergeblich versuchten, den Ehrenpunkt zu ergattern. So musste Captain Severin Lüthi die neugierigen Reporter mit dem Hinweis auf Wawrinkas «totale innere Leere» beschwichtigen. Die Nummer 2 der Equipe engagiere sich immer sehr im Davis-Cup und sei deshalb extrem enttäuscht. Jeder möge verstehen, dass Wawrinka es vorgezogen habe, sich im Hotel zu erholen. Angesichts der Vorgänge in Freiburg sei es trotz der Erklärungsversuche Lüthis unmöglich, keine inneren Spannungen zu vermuten, konstatiert die Westschweizer Zeitung «Le Matin», die sich naturgemäss mehr mit Wawrinka beschäftigt als die Kollegen in der Deutschschweiz.

An Lüthis Aussagen vor den Kameras des Schweizer Fernsehens fällt auf, dass er zwar Wawrinkas Leistung im Eröffnungseinzel gegen den Top-10-Spieler Mardy Fish kritisierte, obwohl der Romand dem höher klassierten Konkurrenten denkbar knapp im fünften Satz unterlegen war, nicht aber jene Federers gegen den krassen Aussenseiter John Isner. Vielleicht, so ist man geneigt zu denken, kritisiert Lüthi Federer nicht, weil er auch dessen persönlicher Trainer ist. Die weniger polemische Analyse ist die, dass es der Captain nicht richtig fand, seinem Teamleader die erste Einzel-Niederlage im Davis-Cup seit acht Jahren anzukreiden. Zumal es an Federers Solidarität gegenüber Lammer und seinem Jugendfreund Chiudinelli nichts zu bemängeln gibt. Bei den Partien der beiden fieberte der Weltstar jeweils in der Schweizer Box mit, ausserdem stand er beim Dank ans Publikum an vorderster Front.

«In Krisenmomenten sieht man, wer mit wem befreundet ist»

Der frühere Top-10-Spieler und Olympiasieger Marc Rosset sprach in seiner Analyse für «Le Matin» davon, dass dem Duo Federer/Wawrinka jene Magie abhanden gekommen sei, die den beiden an den Sommerspielen von Peking noch zum Gewinn der olympischen Goldmedaille verholfen hatte. Inzwischen seien die beiden Topspieler von Swiss Tennis auseinandergerückt. «In Krisenmomenten sieht man, wer mit wem befreundet ist», so Rosset. «Ich habe mit Jakob Hlasek früher oft zusammengespielt, und obwohl wir sehr verschieden waren, hatten wir den Respekt und die Lust, gemeinsam etwas zu erreichen. Vielleicht müssen Roger und Stan mehr Zeit zusammen verbringen, um engere Bande zu knüpfen.» Den Fakt, dass die Schweizer zu Hause und erst noch auf einem für die US-Amerikaner unangenehmen Sandplatz spielten, könne man ja nicht als Grund für das Ausscheiden anführen.

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