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Verschobene Prioritäten

George Bastl sorgte einst in Wimbledon für eine Sensation. Heute spielt der Romand Interclub – wie am zentralen Finaltag in Burgdorf.

Unverändert wuchtig: George Bastl gewinnt sein Einzel in Burgdorf souverän, verliert mit Bonmont aber dennoch deutlich.
Unverändert wuchtig: George Bastl gewinnt sein Einzel in Burgdorf souverän, verliert mit Bonmont aber dennoch deutlich.
Daniel Christen

Die Erinnerungen sind immer noch da. Als George Bastl am zentralen Interclub-Finaltag in Burgdorf mit einem listigen Stoppball punktet, klatschen die handgezählten 50 Zuschauer, und ein Mann in weissem Shirt sagt zu seiner Begleitung: «Weisst du, das ist der, der mal Pete Sampras geschlagen hat.»

Am 26. Juni 2002 wars, als George Bastl, ein 27-jähriger Nobody aus Villars-sur-Ollon, damals die 145 der Welt, seinen grössten Erfolg feiern konnte. Als Lucky Loser ins Tableau von Wimbledon gerutscht, besiegte er den siebenfachen Sieger in der zweiten Runde des traditionsreichen Rasenturniers in fünf Sätzen. Über drei Stunden kämpfte er damals gegen den Amerikaner und fügte diesem die bitterste Niederlage seiner glorreichen Karriere zu.

Spass mit Freunden

Heute, 16 Jahre später, werde er nur noch sehr selten auf diese Partie angesprochen, sagt Bastl, etwa in Tennisclubs von Leuten, die sich schon seit langem für Tennis interessieren. «Heute wissen doch die meisten nicht mehr, wer Pete Sampras war, geschweige denn George Bastl», sagt er und lacht. Der 43-Jährige ist entspannt, als er in Erinnerungen schwelgt. Sein Einzel gegen den amtierenden deutschen Meister der über 40-Jährigen, Lars Wellmann, hat er ohne Probleme 6:3, 6:0 gewonnen und für seinen Club Bonmont auf 2:4 verkürzt.

Zwar wird sich der mehrfache Schweizer Meister Seeblick Zürich den Titel in der Kategorie 35+ am Ende doch sichern, aber das ist für Bastl zweitrangig. «Es war schon ein Erfolg, dass wir uns für den Finaltag qualifiziert haben», sagt er, der seit drei Jahren im Rahmen des Interclubs wieder auf den Tennisplätzen unterwegs ist. Die Freude soll dabei klar im Vordergrund stehen. «Es ist schön, im kleinen Rahmen mit Freunden zusammen zu spielen. Das macht mir Spass», sagt Bastl, fügt aber gleich an: «Aber sonst vermisse ich das Tennisspielen überhaupt nicht.»

Vielleicht eine Woche vor den Interclub-Partien nehme er den Schläger jeweils wieder in die Hand und spiele ein bisschen, aber er habe gar kein Problem damit, ihn jetzt für den Rest des ­Jahres in die Ecke zu stellen und erst zum Auftakt der neuen Saison wieder hervorzunehmen. Was auch damit zusammenhängt, dass die 15 Jahre dauernde Profikarriere bis zu seinem Rücktritt 2013 eine beachtliche Belastung für seinen Körper darstellte. Bastl hatte immer wieder Probleme mit den Knien, musste sich mehreren Operationen am Meniskus unterziehen. «Die letzten Jahre meiner Karriere waren sehr schwierig», sagt Bastl.

Verschwinden der alten Garde

Heute ist er polysportiv aktiv, schwimmt, wandert durch die Natur und steht im Winter viel auf den Skiern – etwas, das er als Tennisprofi nie hatte machen dürfen. Dementsprechend verfolgt er auch das aktuelle Geschehen im Tenniszirkus deutlich weniger eng als früher.

Viele Spieler, die heute auf der Tour sind, kenne er überhaupt nicht, und die «alte Garde», wie er sie nennt, die schon zu seiner Zeit gespielt habe, werde immer kleiner. Natürlich schaue er sich die Spiele von Roger Federer und Stan Wawrinka auch ab und zu im Fernsehen an, aber das Bedürfnis, ein Turnier vor Ort zu verfolgen, hatte Bastl noch nie. «Tennis war lange Zeit mein Leben», sagt der Romand. «Jetzt habe ich andere Prioritäten.»

Wohnen in Monaco, studieren via Internet

Bevor er 1998 auf die Profitour kam, hatte Bastl in Florida und Kalifornien einen Bachelor in Wirtschaft erworben und auch für die College-Mannschaften Tennis gespielt. Nun hat er ein Onlinemasterstudium in Angriff genommen, das viel Zeit in Anspruch nehme. Bastl lebt in Monaco und kommt nur jeweils für die Interclub-Spiele in die Schweiz.

Obwohl Tennis aktuell einen sehr kleinen Teil in George Bastls Leben einnimmt, kann er sich durchaus vorstellen, dass sich das irgendwann mal wieder ändert, dass er beispielsweise als Trainer tätig sein könnte. «Warum nicht? Ich mag den Sport immer noch. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt.»

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