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Von Platz 262 in die Wimbledon-Halbfinals

Im überraschenden Halbfinal-Tableau der Frauen sticht in Wimbledon die Belgierin Kirsten Flipkens hervor. Eine Spielerin, der die Ärzte einst schon zum Abbruch ihrer Tenniskarriere rieten.

«Das ist mehr als ein Traum, der wahr geworden ist»: Kirsten Flipkens erreicht im All England Club ungeahnte Höhen.
«Das ist mehr als ein Traum, der wahr geworden ist»: Kirsten Flipkens erreicht im All England Club ungeahnte Höhen.
Keystone

Nach dem nicht für möglich gehaltenen Verlauf in Wimbledon wird es in diesem Jahr auf jeden Fall eine neue Siegerin bei den Frauen geben. Sabine Lisicki hat mit der polnischen Vorjahresfinalistin Agnieszka Radwanska die vorletzte Hürde zum ersten deutschen Major-Triumph an der Church Road seit Steffi Graf 1996 vor sich, im zweiten Halbfinal treffen die Französin Marion Bartoli und die Belgierin Kirsten Flipkens aufeinander.

Lisicki wird seit ihrem Achtelfinalsieg gegen die haushohe Favoritin Serena Williams nicht nur bei den Buchmachern hoch gehandelt. «Es ist grossartig, dass wir einen neuen Champion haben werden, und es zeigt wieder einmal, dass dieser Sport so unvorhersehbar sein kann», sagte Tennislegende Martina Navratilova, neunfache Gewinnerin in Wimbledon. Sie tippte schon nach den Achtelfinals auf Lisicki.

In der unteren Tableauhälfte kämpfen Marion Bartoli, die wie Radwanska schon einmal im Final von Wimbledon stand, und noch viel überraschender Kirsten Flipkens um den Einzug ins Endspiel. Flipkens' Karriere wäre schon zweimal vorüber gewesen, hätte sie auf den Rat ihrer Ärzte gehört. Viele Verletzungen, aber vor allem auch eine schlimme Diagnose im April 2012, als in ihrem Bein gleich vier Blutgerinnsel konstatiert wurden, hatten nicht nur ihre Karriere bedroht. Die Gefahr, eine Lungenembolie oder eine Thrombose zu erleiden, war gross.

Flipkens fiel bis auf Platz 262 im Ranking zurück. Doch niemand hatte mit dem Kampfgeist der 27-jährigen Belgierin gerechnet. Selbst die Unterstützung des Verbandes hatte Flipkens damals verloren: «Es gab nicht mehr viele Leute, die noch an mich geglaubt haben. In harten Zeiten lernst du, wer deine Freunde sind.» Doch im vergangenen Januar drang Flipkens in Australien erstmals in ihrer Karriere in die Achtelfinals eines Majors vor, bis Wimbledon kämpfte sich die nur 1,65 Meter grosse Belgierin bis auf Platz 20 hoch.

«Letztes Jahr bin ich in Wimbledon nicht einmal in die Qualifikation gekommen, nun bin ich Halbfinalistin bei einem Grand Slam», freut sich Flipkens. «Das ist mehr als ein Traum, der wahr geworden ist.» Ihr Viertelfinal-Erfolg über Petra Kvitova, die Siegerin von 2011, war nicht nur die nächste grosse Überraschung, er bedeutete auch das Aus der letzten Grand-Slam-Siegerin im Wettbewerb.

Flipkens denkt auch selbst, dass sie der überraschendste Name im Halbfinal ist. Ihr könnte etwas gelingen, was ihren berühmten Landsfrauen Kim Clijsters und Justine Henin nicht gelungen ist: als Belgierin die Wimbledon-Trophäe gewinnen.

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