Wawrinka schlägt sich selbst

Der Romand unterliegt im Viertelfinal einem angeschlagenen Daniil Medwedew 6:7, 3:6, 6:3, 1:6. Anders als gegen Novak Djokovic verpasste er es, den Russen genügend zu bedrängen.

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Simon Graf@SimonGraf1

Stan Wawrinka hat am US Open eine grosse Chance verpasst. Das, was der Romand gegen Novak Djokovic so gut gemacht hatte, schaffte er diesmal nicht: einen angeschlagenen Gegner an die Grenze zu pushen. Der Russe Daniil Medwedew hatte den linken Oberschenkel eingebunden und liess ihn sich nach sieben Games während eines Verletzungs-­Timeouts massieren. Doch Wawrinka vermochte nicht davon zu profitieren, dass der Russe gezeichnet war von seinem jüngsten Marathonprogramm und unterlag 6:7, 3:6, 6:3, 1:6.

Vor allem ein Fehlschlag dürfte ihm in den nächsten ­Tagen noch im Kopf herumspuken: Wie er im Tiebreak des ersten Durchgangs bei 6:5 eine Vorhand unbedrängt seitlich ins Aus setzte. Worauf Medwedew auch die nächsten zwei Punkte und den ersten Satz gewann.

Der erste Satz als Schlüssel

Das gab dem Schlaks, der im ersten Durchgang neun Doppelfehler und 21 unerzwungene Fehler produziert hatte, sichtlich Auftrieb. Mit der Hoffnung, die Partie doch irgendwie gewinnen zu können, steigerte sich Medwedew, reduzierte er seine Fehlerquote markant, derweil sie bei Wawrinka nach oben schnellte.

Der US-Open-Champion 2016 fand in den Grundlinienduellen nie richtig die Oberhand. Und auf Stoppbälle und kurze Bälle verschlug Wawrinka immer wieder. Es schien ihn zu irritieren, dass sein Gegner zwar humpelte, aber dann doch immer wieder platzierte Bälle erlief. Zudem servierte der 1,98-Meter-Mann je länger, desto besser.

Wie viel Theater war bei Medwedew, und wie sehr er tatsächlich beeinträchtigt war, ist schwer zu beurteilen. Jedenfalls hatte Wawrinka Mühe mit der Situation, unterliefen ihm immer wieder erstaunliche Fehler.

Im dritten Satz fand er die ­Balance etwas besser, und dank eines frühen Breaks gewann er diesen 6:3. Doch dies auch erst nach einigen Mühen. Das Momentum vermochte er so nicht auf seine Seite zu zwingen, und zu Beginn des vierten Durchgangs gab er den Aufschlag gleich wieder ab, zum 0:2. Danach fand er den Tritt nicht mehr, derweil Medwedew mit seiner bekannten Ballsicherheit die Partie nach Hause spielte. Am Schluss ging es schnell, gab Wawrinka nochmals den Aufschlag ab.

Zurück in den Top 20

Wawrinka dürfte an dieser Niederlage noch einige Tage zu nagen haben. Er verpasste es, sich eine Chance zu geben, um einen weiteren Grand-Slam-Titel zu spielen. Doch immerhin erreichte er nach Roland Garros einen zweiten Major-Viertelfinal. Und damit kehrt er einstweilen in die Top 20 zurück.

Der 34-Jährige spielt phasenweise wieder auf seinem Topniveau. Was ihm noch fehlt, ist die Konstanz, dieses Level über mehrere Spiele nacheinander zu bringen. Wobei es gegen Medwedew erschwerend dazukam, dass er die letzten Tage gekränkelt hatte und im Bett gelegen war, wenn er nicht gerade Tennis spielte oder Essen ging.

Das war wohl auch der Grund, wieso sich Wawrinka im Finish nicht mehr so vehement gegen die Niederlage stemmte, wie man sich das von ihm gewohnt ist. Medwedews Halbfinalgegner ermitteln in der Nacht auf heute (MEZ) Federer und Dimitrov.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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