Wimbledon: Ein Fünf-Jahres-Pass für einen Jahreslohn

Tickets für das prestigeträchtigste Tennisturnier der Welt sind teuer. Wer exklusive will, muss ganz tief in die Tasche greifen.

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Tennis-Fans wissen: Wer einmal live im Stadion mitverfolgen will, wie sich zwei der weltbesten Spielerinnen oder Spieler auf dem Centre Court in London duellieren, muss nicht nur Geld dafür hinblättern. Schliesslich sind Tickets für die Wimbledon Championships in der berühmtesten Tennis-Arena mit 15'000 Sitzplätzen heiss begehrt. Wer nicht Member ist, musste entweder viel Geduld beim Anstehen (bis zu 30 Stunden) vor Ort – dort sind für den Centre Court nur 500 Eintrittskarten pro Tag erhältlich – oder bei einer Verlosung viel Glück haben.

Nun gibt es eine neue Möglichkeit, sich Plätze auf der Zuschauertribüne zu ergattern. Am Donnerstag wurden Fünf-Jahres-Pässe für das älteste Tennisturnier der Welt in den Verkauf gebracht. 80'000 britische Pfund (umgerechnet rund 104'000 Franken) kostet ein solcher Sitzplatz. Wer bis zum 10. Mai einen von 2021 bis 2025 gültigen Pass ergattern kann, muss also ein dickes Portemonnaie haben, darf sich dann dafür zum Kreis der Erlauchten zählen. «Das sind die absolut besten Plätze im Stadion. Sie haben die Möglichkeit, neben den Familienboxen der Spieler und der Royal-Box (dort finden sich nur exklusiv eingeladene Gäste ein; Red.) zu sitzen», sagt Estelle Bertrand vom Weiterverkaufsagenten Wimbledon Debenture Holders gegenüber CNN.

Eine Investition in den Centre Court

Selbstverständlich beinhalten die Tickets auch Extras wie einen privaten Parkplatz oder Zugang zu Lounges und Bars, die dem Rest des Publikums vorenthalten bleiben. Kostenlose Speisen und Getränke gibt es trotz des hohen Verkaufspreises nicht. Dafür unterstütze man mit dem Erwerb eines Fünf-Jahres-Passes die Renovation und Verbesserung der Infrastruktur des Centre Courts, wie Bertrand ausführt. Nach dem Centre Court wurde nun auch Court No. 1 mit einem schliessbaren Dach ausgestattet.

2520 Fünf-Jahres-Pässe stehen zum Verkauf. Sie machen 16,8 Prozent der Sitzplätze in der Hauptarena aus, deren Eigentümer der All England Lawn Tennis and Croquet Club (AELTC) ist. Dieser rechnet mit Einnahmen von 201 Millionen Pfund (323 Millionen CHF) – allein mit dem Absatz der exklusiven Sitzplätze.

«Für Leute, die Tennis lieben und es sich leisten können»

Verdienen können aber auch die Karten-Inhaber selber. Laut CNN verkaufte einer seinen über fünf Jahre hinweg bezahlten Platz (rund 50'000 Pfund – etwa 65'000 CHF – soll er ursprünglich gekostet haben) für mehr als den doppelt so hohen Preis. Umgerechnet soll er über 73'000 Franken daran verdient haben. Dabei soll es sich jedoch um einen Einzelfall handeln.

«Wir glauben nicht, dass es viele Pass-Inhaber gibt, die ihre Tickets verkaufen und sie als Finanzinstrument betrachten», zitiert die «Financial Times» den AELTC-Chairman Philip Brook. «Die Pässe sind für Leute, die Tennis lieben und es sich leisten können, einen garantierten Sitzplatz zu haben.» Gemäss CNN sind die Fünf-Jahres-Pässe als einzige Wimbledon-Tickes frei übertragbar. «Da der AELTC der Ansicht ist, dass das angemessen für diejenigen Personen ist, die beträchtliche Summen in den Kauf investiert haben», lautet die Begründung.

Ein Normalverdiener kann sich einen über fünf Jahre hinweg reservierten Sitzplatz am prestigeträchtigsten Grand-Slam-Turnier kaum leisten, nicht einmal ein Schweizer. 2016 lag der durchschnittliche Brutto-Jahreslohn hierzulande gemäss Bundesamt für Statistik bei 84'526 Franken (monatlich 6502 Fr. mal 13), ein Wimbledon-Fünf-Jahres-Pass kostet noch ein paar Monatslöhne mehr.

ddu

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