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Der listige Mr. Lim

Peter Lim aus Singapur ist schwerreich und schnell gelangweilt. Viel lieber als in den spanischen Grossclub würde er in Manchester United investieren.

Überall engagiert, vielerorts verstrickt: Milliardär Peter Lim.
Überall engagiert, vielerorts verstrickt: Milliardär Peter Lim.
Getty Images

Sie werden kaum davon wissen, aber Peter Lim und die Young Boys, sie haben in dieser Saison schon aus gleichem Anlass gejubelt. Der Multimilliardär aus Singapur und die Schweizer Meister aus Bern dürften am 24. August beide Freudensprünge gemacht haben.

Die Auslosung in der Champions League bescherte YB das grosse Los mit Juventus Turin, Manchester United und Valencia. Und die Auslosung in der Champions League bescherte Valencia-Besitzer Lim das grosse Wiedersehen: mit seinem Klienten Ronaldo bei Juve und mit seinem Herzensverein Manchester United.

Die Gruppe H in der Königsklasse illustriert ganz passabel, in welchen Kreisen sich der schwerreiche Asiat so bewegt. Ein Vermögen gemacht hat der 65-Jährige in der Palmölindustrie, «Forbes» führt ihn mit seinen fast 3,6 Milliarden Dollar Vermögen unter den zehn reichsten Personen in Singapur. Über seine Absichten im Fussball gehen die Meinungen auseinander. Für einen listigen Geschäftsmann mit zwielichtigem Gebaren halten ihn die einen, für einen ehrenwerten Philanthropen halten ihn die anderen.

Der Parkplatz von Mendes

Ersteres mit Letzterem verknüpfte Lim in seinem Engagement beim FC Valencia. Mit seinem Einstieg 2014 hat er den spanischen Grossclub vor dem Konkurs bewahrt. Für 100 Millionen Euro erwarb er den schwer verschuldeten Verein im Frühling 2014. Zwar war Lim bis dahin weder mit besonderem Fussballsachverstand noch mit einer Affinität zu Spanien aufgefallen, aber logischerweise war das Publikum dem Retter in der Not fürs Erste wohlgesinnt.

Das änderte sich, als Lim die ersten fragwürdigen Entscheidungen traf. Weil ihm die Firma gehört, die Cristiano Ronaldos Bildrechte verwaltet, kam er früh schon mit dessen Berater Jorge Mendes in Kontakt. Der hinter Ronaldo und United-Trainer José Mourinho drittmächtigste Portugiese im Weltfussball hatte Lim den Club zum Kauf vermittelt – und parkierte dann ungeniert seine jüngsten Klienten bei Valencia.

Die Mannschaft verkam zwischenzeitlich zum Liegesofa von Mendes’ Ausschussware. Brisant dabei: Lim führt selbst Firmen in seinem Portfolio, die unzählige Spielerrechte besitzen. Unternehmen investieren in junge Spieler, um später von den Ablösen profitieren zu können: «Third party ownership» nennt sich das im Jargon, und Lim wird nachgesagt, längst ein Grossmeister darin zu sein.

In Valencia traf er nach der Übernahme seltsame Personalentscheidungen. Mal installierte er den Mendes-Klienten Nuno als Coach, mal den früheren United-Verteidiger Gary Neville, der zu diesem Zeitpunkt weder je ein Profiteam trainiert hatte noch ein Wort Spanisch sprach.

Die nicht so heimliche Liebe

Die aktuelle Krise unter dem Spanier Marcelino betrachtet Lim zunehmend aus der Ferne. Die Versprechen von 2014 bleiben unerfüllt: etwa die Eröffnung des neuen Stadions, die ursprünglich für 2019 vorgesehen war. Und Valencia ist nicht sein einziges Sportinvestment. Mit der «Class of ’92» – die früheren United-Spieler um die Neville-Brüder, Ryan Giggs, Paul Scholes und Nicky Butt – hat Lim den Salford FC gekauft. Der Club in der Nähe von Manchester ist seither dreimal aufgestiegen, spielt in der fünfthöchsten Liga – und führt zahlreiche Spieler vom Portfolio Lims oder der United-Legenden im Kader.

Daneben hat der in der Öffentlichkeit zurückhaltende Investor Beteiligungen am Autoriesen McLaren und an einem Fussball-Hotel beim Old Trafford. Aus seiner Liebe zu Manchester United hat Lim nie einen Hehl gemacht, in Asien führt er gar eine Restaurantkette, die sich nur mit dem Grossclub beschäftigt. Umso mehr erstaunte 2010 die Avance mit der Kaufofferte für Erzrivale Liverpool. Wer weiss, was der listige Lim mit dem Traditionsclub angestellt hätte.

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