«In mir stecken viele Emotionen»

Giulia Steingruber zur Bedeutung ihrer Medaillen und wie sich diese auf ihren Trainingsalltag auswirken.

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Gold am Sprung, Bronze am Boden – wann glaubten Sie, dass dies an dieser EM möglich sein würde?
Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Nach der Knieverletzung reiste ich sogar skeptisch an. Ich habe aber versucht, positiv zu denken. Es ist ein wunderschönes Gefühl, ich bin überglücklich und kann es kaum glauben.

Wegen der Verletzung hatten Sie Konditionsprobleme. Davon war wenig zu sehen . . .
Zu sehen vielleicht nicht, aber gespürt habe ich es. (lacht) Als ich am Boden nach der letzten Akrobahn landete, dachte ich nur noch: «Danke vielmals.» Es war extrem. Mir hat einiges an Vor­bereitung gefehlt.

Als Sie am Boden antraten, hatten Sie bereits eine Goldmedaille in Ihrer Sporttasche. Hat das befreiend gewirkt?
Nicht unbedingt, es sind zwei verschiedene Wettkämpfe, und jeder Gerätefinal beginnt bei null. Aber ich war sicher fröhlicher und etwas sicherer, als ich von der Siegerehrung kam. Am Balken hat mir das zuerst nicht geholfen, dafür war ich eine Spur zu kribbelig. Darum stürzte ich. Mit den beiden Medaillen kann ich aber gut darüber hinweg­sehen.

Welche bedeutet Ihnen mehr?
Definitiv Gold am Sprung. Den Titel zu verteidigen, ist für mich unglaublich. Als ich realisierte, dass ich schon wieder Gold gewonnen hatte, war ich sprachlos, das bedeutet mir sehr viel. Als bei der ­Siegerehrung die Nationalhymne gespielt wurde, lief es mir kalt den Rücken hinunter. Das war Hühnerhaut pur. Es mag gegen aussen manchmal nicht so wirken, aber in mir drin stecken enorm viele Emotionen. Stolz bin ich aber auf beide Medaillen.

Mit der Bronzemedaille am Boden sind Sie nun mehr als nur eine Sprungspezialistin.
Bronze am Boden war vielleicht das ­i-Tüpfelchen an diesem Tag. Für mich ist es sowieso wichtig, dass ich mich nicht nur auf den Sprung fokussiere. Ich bin eine Vierkämpferin, und der Boden ist neben dem Sprung mein Lieblingsgerät. Das Potenzial, auch am Boden richtig Gas zu geben, ist da.

Sie kennen das vom Vorjahr: Wie wirken sich Medaillen auf den Trainingsalltag aus?
Sie sind eine riesige Motivation, im Training noch mehr zu tun, mich noch mehr zu steigern. Ich habe in einem Sprung­final mit starken Gegnerinnen Gold ­gewonnen. Und die Medaille am Boden ist motivierend, auch an diesem Gerät weiter aufzustocken und noch besser zu werden.

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