Mit 85 km/h auf dem Surfbrett durch die Wüste

Heidi Ulrich hat bereits zwei Weltrekorde aufgestellt und scheitert nun in Namibia am dritten.

Rast übers Wasser dem Weltrekord entgegen: Heidi Ulrich. (Video: zvg)

Ambitioniert war das Ziel, das Heidi Ulrich Anfang Jahr verkündet hatte. Gleich drei Weltrekorde im Speed-Windsurfen wollte die 35-jährige Urnerin brechen. Als erste Frau im gleichen Jahr. Am Ende wurden es zwei. Um 0,39 Knoten oder 0,72 Kilometer pro Stunde hat sie ihr Ziel nicht erreicht.

«Es ist eine schwierige Gefühlslage, die ich noch nicht ganz einordnen kann», sagt die Surferin aufgewühlt. Erschöpft klingt sie nach ihrer Rückkehr in die Schweiz. Sechs Wochen in Namibia haben ihre Spuren hinterlassen. In Afrika trifft sich im Herbst jeweils in einem Hafenstädtchen am Südatlantik die Weltelite des Speed-Windsurfens zur Lüderitz Speed Challenge. Dort werden die schnellsten Surfer über 500 Meter erkoren. Für die Athletinnen und Athleten wird dabei extra ein 800 Meter langer, 50 Zentimeter tiefer und 7 Meter breiter Kanal ausgebaggert.

Heidi Ulrich auf ihrer Rekordjagd in Namibia. (Bild: zvg)

Im Frühling hatte sich Ulrich zunächst den Weltrekord in der Disziplin über eine Stunde (23,82 Knoten) und im Sommer den Titel als schnellste Frau der Welt (37,26 Knoten) über die nautische Meile (1,852 Kilometer) gesichert. Im Kanal von Lüderitz wollte die Geschwindigkeitsfanatikerin, die erst seit sieben Jahren überhaupt auf dem Brett steht, den Weltrekord in der Königsdisziplin über die 500 Meter brechen. Dieser liegt bei 46,49 Knoten und wird seit 2016 von der Britin Zara Davis gehalten, Ulrichs grösster Konkurrentin. 86,1 km/h hätte die Innerschweizerin schnell sein müssen. Eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 85,4 km/h erzielte sie. Den Event der Frauen gewann sie damit zwar klar, das eigentliche Ziel aber verfehlte sie.

Den Rekord weiter im Visier

«Es war ein cooler Event, momentan ist mein weinendes Auge allerdings noch etwas grösser als mein lachendes», sagt sie. «Ich habe viel investiert, um dieses Ziel zu erreichen. Und ich weiss, dass es unter optimalen Bedingungen möglich gewesen wäre.» Nur sei in diesem Jahr der Kanal nicht in bestem Zustand gewesen. Der Veranstalter hatte es nicht geschafft, ihn komplett mit Sandsäcken zu schliessen, was zu einer zu hohen Wellenbildung bei starken Winden führte. Allerdings sei ihr knappes Scheitern nicht nur darauf zurückzuführen. «Ich muss meinen Start verbessern und an meiner Beschleunigung arbeiten. Dann werde ich mir beim nächsten Mal den Rekord sichern.»

Heidi Ulrich hat die Rekordjagd noch lange nicht aufgegeben. (Bild: zvg)

Gepackt von ihrem Ehrgeiz, will sie wieder angreifen – wann, steht noch nicht fest. Hatte sie für dieses Jahr mit einer Crowd­funding-Kampagne über 25'000 Franken gesammelt, ist sie zuversichtlich, dass sie nach ihren sportlichen Erfolgen genügend Sponsoren findet, die sie bei ihrem Unterfangen unterstützen.

Jetzt steht für die Speed-Spezialistin Erholung auf dem Programm. Oder «Ablenken bei der Arbeit», wie sie es nennt. Nachdem die ganze Anspannung abgefallen war, sei sie in der Schweiz sofort krank geworden. «Die physische und psychische Belastung während des Wettkampfs war enorm», erzählt sie. Und so waren die schönsten Momente während der letzten anderthalb Monate jene, die sie mit ihrem Partner beim Wellenreiten mit Robben und Delfinen im ­offenen Meer verbrachte.


Video: Wie Heidi Ulrich in Namibia über die Wellen fliegt

thunertagblatt.ch/Newsnetz

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt