Sportlich aufgerüstet

Aserbeidschan will international brillieren.

David Wiederkehr@DavidWiederkehr

Begonnen hat es überschaubar. Mit Freistilringen, Taekwondo, rhythmischer Gymnastik. Mit Randsportarten. Doch das ist längst nicht mehr genug. Jetzt sind es ein Formel-1-Rennen, ein Tennisturnier, eine Velorundfahrt, die ersten European Games im nächsten Jahr und vielleicht die Fussball-EM 2020. Oder sogar Olympia. Für 2016 und 2020 hat sich das Land noch vergeblich beworben, 2024 aber könnte es so weit sein: die ersten Sommerspiele in einem ehemaligen Gliedstaat der Sowjetunion.

Aserbeidschan will sich als Hotspot des Sports etablieren. Die Ankündigung von Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone, die Boliden ab 2016 durch die Hauptstadt Baku fahren zu lassen, verspricht den nächsten Schritt. Die Funktionäre kommen gerne. Zwar führt Präsident Ilham Alijew sein Land und seine Untertanen selbstherrlich, doch der Luxus, den er ausländischen Gästen bereitstellt, lässt dies vergessen. «Es wäre falsch, würde die Formel 1 ein politisches Statement abgeben», sagt Christian Horner. Der Mann ist Teamchef von Red Bull. Würde er sich zum Umfeld in Aserbeidschan äussern, hätte das Gewicht.

Olympiastadion schon im Bau

Aber er tut es ebenso wenig wie die European Broadcasting Union (EBU): Als der Eurovision Song Contest 2012 in Baku stattfand, dieser 2-Millionen-­Metropole am Schwarzen Meer, stellten Zwangsräumungen die störungsfreie Durchführung sicher. EBU-General­direktorin Ingrid Deltenre, zuvor in derselben Position beim Schweizer Fernsehen, erklärte damals: «Der Eurovision Song Contest ist keine Plattform, um Menschenrechte zu fördern.»

Rund 40 Titelkämpfe in verschiedensten Sportarten hat Aserbeidschan seit 2002 ausgetragen – und das war erst der Anfang. Im Norden des Landes entstehen die ersten Skigebiete, und nächstes Jahr wird in Baku das Olimpiya Stadionu für 68'700 Zu­schauer eröffnet. Spiele der Fussball-EM sollen hier stattfinden und die Olympischen Spiele, sollte Aserbeidschan irgendwann doch noch den Zuschlag erhalten. Ein bisschen wirkt es wie eine Trotzreaktion, ein Zeichen: Das Land ist für alle Fälle gerüstet.

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