Willkommene Langeweile bei Wacker

Wacker schlägt Gossau (33:27), stellt sich in der Kür aber ungeschickt an. Um den Gegner aus der Ostschweiz muss man sich allmählich sorgen.

Der Livestream zum Spiel Wacker Thun-Fortitudo Gossau. Quelle: WackerTV

Er hat noch nicht, er will doch mal. Reto Friedli wirkt in der Schlussphase, nun ja, eher genervt. Der Kreisläufer wartet in der zweiten Hälfte umsonst darauf, angespielt zu werden, die Mitstreiter werfen aus allen Lagen und stellen sich dabei nicht nur geschickt an. In der Kür überzeugen die Thuner nicht annähernd so sehr wie zuvor im Pflichtprogramm, als sie Gossau rasch distanziert haben. Wacker gibt eine ganze Menge des Vorsprungs preis, 33:27 siegt der Meister, nachdem er mit 13 Treffern Differenz in Führung lag.

In der Schlussviertelstunde wird ein nicht allzu munteres Jekami veranstaltet, bloss eben ohne Antreiber Friedli, der öfters den Kopf schüttelt ob der Leichtfertigkeit, mit der sein Team nun auftritt. Martin Rubin ist gleichfalls wenig angetan von der Darbietung in den letzten 15 Minuten; der Coach sagt, seine Mannschaft habe da «sehr dumm ­gespielt». Die Schlussphase – sie sei «in die Hosen gegangen».

Der Widersacher hat für derlei Sorgen ein müdes Lächeln übrig. Die St. Galler vereinen nach fünf Partien einen Punkt, sie zieren das Tabellenende. Mit Gossau verbindet einen ja naturgemäss so was wie eine Grundsympathie, die Ostschweizer sind der Kleine unter den Kleinen, der Aussenseiter, der stets aufs Neue verblüfft.

Ausgestattet mit sehr bescheidenen Mitteln, überraschten die St. Galler in der letzten Saison mit der Qualifikation für das Playoff – in dem sie Wacker zwar im Viertelfinal mit 0:3 Siegen unterlagen, in den ersten ­beiden Partien aber zur Pause jeweils geführt hatten.

Sie verzeichneten im Sommer gewichtige Abgänge, mit Torhüter Aurel Bringolf und Trainer Rolf Erdin gingen die zentralen Figuren. Und so könnte der ewige Abstiegskandidat heuer tatsächlich absteigen. Das Skore am Dienstagabend gibt nicht wieder, wie schwer sich der Gast tat. Die Performance war keine gute, mit Samuel Weingartner beschäftigen die Ostschweizer lediglich einen Akteur von gehobener Klasse.

Linders Rückkehr

Und so gelangten die Oberländer im Schongang zu zwei Zählern, womit sie sich die Tabellenführung zurückholten. Im Nu hatten die Hausherren 3:0 und 5:2 geführt, nach 13 Minuten lagen sie 9:5 vorn. Die Langeweile kam den Protagonisten gelegen, sie bewältigen ein heftiges Programm und müssen am Samstag wieder ran.

Gegen Elverum in der Champions League werden die zuletzt verletzten Stefan Huwyler, Reto Friedli und Luca Linder mittun können, sie bestanden den Belastungstest. Linder bestritt dabei sein erstes Spiel in der neuen Saison. Zumindest in seinem Fall besteht die Chance, dass die Partie nicht gleich in Vergessenheit geraten wird.

Adrian Horn

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