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Als Frau erfolgreich in einem Testosteron-Sport

Die Darts-Spielerin Fallon Sherrock hat es bei der Weltmeisterschaft den Männern gezeigt.

Hat durch ihren Sieg gegen einen männlichen Kollegen an der gemischten Darts-Weltmeisterschaft die Kneipensportart modernisiert: Fallon Sherrock. Foto: Harriet Lander (Getty)
Hat durch ihren Sieg gegen einen männlichen Kollegen an der gemischten Darts-Weltmeisterschaft die Kneipensportart modernisiert: Fallon Sherrock. Foto: Harriet Lander (Getty)

Die mehrheitlich heftig angetrunkenen Darts-Fans im Londoner Alexandra Palace waren im Kopf noch klar genug, um zu realisieren, dass in ein paar Sekunden Geschichte geschrieben würde. Da stand Fallon Sherrock kurz davor, als erste Frau bei der gemischten Darts-Weltmeisterschaft einen Match gegen einen männlichen Kollegen zu gewinnen. Ein paar Pfeile noch. Die 3000 Fans wollten dabei sein, also wurde Sherrock laut bejubelt und besungen, ihr Kontrahent Ted Evetts ausgebuht. Als Sherrock ihren letzten Pfeil ins Feld der Doppel-18 zischen liess, brüllte das Publikum wie sonst, wenn einer seiner männlichen Helden ein Spiel gewinnt, vielleicht sogar ein bisschen lauter.

Sherrock, geboren 1994 und aus dem englischen Milton Keynes stammend, bedankte sich in alle Richtungen. Sie umarmte ihren Kontrahenten Evetts, dem das Publikum so zugesetzt hatte, und irgendwann glitzerte es in ihren Augen. Sie werde «jede Zeitung kaufen» und ihrem fünfjährigen Sohn zeigen, jubilierte sie am Dienstagabend.

Zwei Wildcards für die besten Pfeilwerferinnen

«Die Frauen-WM der British Darts Organisation ist zwar nett, ich spiele aber lieber gegen Männer.»

Fallon Sherrock, Darts-Spielerin

Aber der Weltverband, die Professional Darts Corporation, hat jetzt reagiert. Seit der vergangenen Weltmeisterschaft werden zwei Wildcards für die besten Pfeilewerferinnen reserviert. Das finden nicht alle gut. Gordon Shumway, der frühere Experte des Spartensenders Sport 1, hat gegen «diesen Zirkus» gewettert – bis ihn sein Sender ersetzte. Dennoch legte er nach: Die Wildcard-Politik sei scheinheilig, Frauen sollten ihre eigene WM spielen, nicht bei den Männern mitmischen, die sich aufwendig für die WM qualifizieren müssten.

Neben Sherrock bekam in diesem Jahr auch die Japanerin Mikuru Suzuki das Startrecht zugesprochen. Shumway sagt, beide hätten bei der WM «nichts verloren, weil sie sich nicht regulär qualifiziert haben».

«Dieser Sieg wird uns helfen»

Andere sehen die Wildcard-Vergabe als Anschubhilfe für eine Sportart, die ihre grösste Bühne viel zu lange nur für Männer reserviert hat. Sherrock und Suzuki haben zudem gezeigt, dass sie sportlich bestens mithalten können. Die Japanerin lag in ihrem Auftaktmatch 0:2 zurück, erkämpfte den Ausgleich, verlor schliesslich knapp. Den grossen, ersten Sieg überliess sie Sherrock, die von einem echten Profidasein noch weit entfernt ist.

Die gelernte Friseurin übt meist erst, wenn Sohn Rory nach 19 Uhr im Bett liegt. «Es gibt Spielerinnen, die so spielen können wie ich oder sogar besser», sagte Sherrock in der Presserunde: «Dieser Sieg wird uns helfen. Sie können jetzt nichts mehr sagen, weil wir die Männer besiegt haben.»

Im Gegensatz zur traditionellen WM, die auf der Insel eines der grössten Sportereignisse ist, wird die Frauen-WM der British Darts Organisation kaum beachtet. Die sei zwar nett, sagt Sherrock, «aber ich spiele eigentlich lieber gegen Männer».

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