Auf nach Arizona

Die 18-jährige Golferin Yael Berger aus Hilterfingen zieht 2020 in die USA, wo Sport und Ausbildung aufeinander abgestimmt sind.

Yael Berger blickt zuversichtlich in die Zukunft.

Yael Berger blickt zuversichtlich in die Zukunft.

(Bild: Raphael Moser)

Der Regen hält Yael Berger nicht davon ab, einige Bälle zu schlagen. Wenn man mit ihr spricht, merkt man an ihren funkelnden Augen, dass sie Freude hat an dem, was sie tut. Die 18-Jährige aus Hilterfingen am Thunersee gehört bereits jetzt zu den stärksten Golferinnen im Lande. Der Platz ist ihr zweites Zuhause, pro Tag verbringt sie bis zu vier Stunden auf dem grünen Untergrund. Letztes Jahr krönte sie sich in der U-18-Kategorie zur Schweizer Meisterin, diesen Sommer wurde sie Dritte. «Den Umständen entsprechend bin ich zufrieden», meint Berger. Einige Wochen vor der nationalen Meisterschaft hatte sie einen Velounfall und zog sich eine Verletzung am Ellbogen zu.

Alle Kosten bezahlt

Nun sitzt sie an einem Tisch im Trockenen und erzählt vom vergangenen Jahr – ein wegweisendes für die junge Berner Oberländerin. Sie spielte an mehreren internationalen Turnieren und erlebte im September mit der Teilnahme an den World Amateur Team Championships ihr bisheriges Karriere-Highlight. «Das war ein super Erlebnis», sagt Berger.

«Der Campus ist jeweils wie eine kleine Stadt. Einfach faszinierend.»Yael Berger

Im Winter besuchte sie wie immer in den letzten Jahren ihre Grosstante, die in Amerika wohnt. Im US-Bundesstaat Florida konnte sie weiterhin trainieren und Turniere absolvieren. Dank ihren guten Leistungen wurden College-Scouts auf sie aufmerksam, dieses Jahr besuchte sie vier Universitäten. «Der Campus ist jeweils wie eine kleine Stadt. Einfach faszinierend», sagt Berger. Das beste Gefühl hatte sie an der University of Arizona, an welcher sie im August 2020 ihre College-Zeit starten wird. Ihr Traum von einem «Full Scholarship» geht damit in Erfüllung.

«Full Scholarship» heisst so viel wie volles Stipendium und bedeutet, dass Schulgeld, Essen, Unterkunft und Kosten, die im Zusammenhang mit dem Sport stehen, von der Uni bezahlt werden. Um die Aufnahmekriterien zu erfüllen, benötigt Berger eine Matur oder einen Highschool-Abschluss. Den zu erlangen, das ist in der Schweiz nicht einfach, wenn man kein Gymnasium besucht. Nach der Sekundarschule begann sie eine englischsprachige Ausbildung im Internet. Im Sommer habe sie aufgrund der Turniere weniger Zeit zum Lernen. Deshalb gibt es auch Tage, an denen sie zu Hause bis zu zehn Stunden vor dem Computer verbringt und Stoff vor- oder nachholt. Dazu kommen mindestens zwei Stunden Training auf dem Golfplatz. «Das erfordert Disziplin», sagt Berger. Disziplin, die sie hat.

Profi als Ziel

Auf dem College werde sie dann optimal unterstützt werden, da Sport und Ausbildung aufeinander abgestimmt seien. Der College-Sport hat in den USA einen sehr hohen Stellenwert. In der Schweiz sei es für Golferinnen hingegen schwierig, Fuss zu fassen. Deshalb kam eine nationale Sportschule nicht infrage. Und eine Matur anzustreben, würde zu viel Zeitaufwand neben dem Golfen bedeuten. Eine gute Ausbildung sei ihr aber wichtig. «Niemand weiss, was in fünf Jahren sein wird», sagt sie. Der College-Abschluss ist gleichbedeutend mit einem Uniabschluss in der Schweiz.

Vorerst startet sie nun ins dritte und damit letzte Jahr ihrer Highschool-Ausbildung. Ab nächstem Sommer wohnt sie dann in Arizona, fernab der Heimat. Dort wird sie das erste Mal ganz auf sich gestellt sein. «Es wird sicher nicht einfach, aber irgendwie wird es schon gehen», sagt Berger und lacht. Während der Semesterferien werde sie jeweils zurück in die Schweiz kommen. Und nach dem College will sie von der Amateurstufe zu den Profis aufsteigen. Es scheint, als gehe sie ihren Weg geradlinig in Richtung dieses Ziels.

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