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Ballesteros verliert den Kampf gegen seine Krankheit

Der ehemalige spanische Golfprofi ist im Alter von 54 Jahren in seinem Haus in Pedrena gestorben. Der fünffache Major-Gewinner litt während Jahren an einem Gehirntumor.

Der Zustand des Spaniers, der nach einem Zusammenbruch zwischen Oktober und Dezember 2008 viermal operiert worden war, hatte sich in den letzten Tagen stark verschlechtert. Ballesteros hatte seine (vorübergehende) Genesung im Juni 2009 noch als «Wunder» bezeichnet und eine Stiftung zur Krebsbekämpfung gegründet. «Ich will meinen Teil zum Kampf gegen diese Krankheit beitragen». Noch im März 2010 verkündete er, es gehe ihm «ausgezeichnet».

Ballesteros' Familie bestätigte am Samstagmorgen den Tod der Golf-Legende. «Heute um 2.10 Uhr starb »Seve« Ballesteros friedlich im Kreis seiner Familie», hiess es auf der Ballesteros' Homepage. Die Familie bedankte sich für den Zuspruch und bat zugleich um die Respektierung der Privatsphäre «in dieser schmerzlichen Zeit». Ballesteros hinterlässt seine drei Kinder Baldomero, Miguel und Carmen. Von seiner Frau, einer begüterten spanischen Bankierstochter, lebte er seit einigen Jahren getrennt.

Emotionaler Abschied

«Ich liebe Euch.» Dies waren die letzten Worte, mit denen sich Ballesteros von seinen Angehörigen verabschiedete. Sein ältester Bruder Baldomero sagte, «Seve» sei sich völlig der Tatsache bewusst gewesen, dass er sterben würde. «Er verabschiedete sich von seinen Angehörigen, einem nach dem anderen. Er ergriff unsere Hände und flüsterte jedem von uns etwas ins Ohr. Ich sagte ihm: 'Ich liebe dich.' Und Seve antwortete mir: 'Ich liebe dich auch.'»

Die Regierung seiner Heimatregion Kantabrien ordnete eine dreitägige Trauer an. Ballesteros' Asche soll im engsten Familienkreis auf dem Anwesen des Toten in Pedreña beigesetzt werden. In der Kirche des Dorfes soll eine Trauerfeier abgehalten werden. Baldomero Ballesteros bekleidete die Leiche mit einem weissen Hemd, einem blauen Pullover und einer blauen Hose. In diesem Outfit hatte Ballesteros seine grossen Erfolge errungen.

Grosse Erfolge

Der fünffache Majorturnier-Gewinner (British Open 1979, 1984 und 1988; US Masters 1980 und 1983) zog sich 2007 wegen anhaltender Rückenprobleme vom Wettkampfgolf zurück. Viele betrachten ihn als den besten europäischen Golfer aller Zeiten. Legendär sind seine Auftritte mit Europas Ryder-Cup-Team. Ballesteros war mit seiner angriffsfreudigen, riskanten Spielweise und seinem siegesbewussten Auftreten für die amerikanischen Gegenspieler furchteinflössend. Das Doppel Ballesteros/José Maria Olazabal galt für die zumeist favorisierten US-Golfer als nahezu unbezwingbar. Ballesteros gewann den Kontinentalwettkampf fünfmal. 1997 führte er die Europäer als Captain zum Sieg. In jenem Jahr fand der Ryder Cup vor allem dank Ballesteros' Einfluss erstmals in Kontinentaleuropa statt - im südspanischen Valderrama.

Ballesteros triumphierte ab 1974 an 87 Einzelturnieren. Eine seiner grössten Stärken bestand darin, sich aus schwierigsten Lagen mit wahren Zauberschlägen zu befreien. Eines der Bravourstücke gelang ihm auf dem Weg zum British-Open-Triumph 1979, als er den Ball von einem Parkplatz so perfekt auf das Green schlug, dass er das Loch noch mit einem Birdie beendete. Das brachte ihm den Titel «Car Park Champion» ein.

Auch Spuren in der Schweiz

Severiano Ballesteros hat auch im Schweizer Golfsport markante Spuren hinterlassen. So prägte er das European Masters in Crans-Montana. Der Spanier war im Wallis während vielen Jahren ein Dauergast und der Publikumsmagnet schlechthin. Er gewann das traditionsreiche Turnier der europäischen PGA-Tour 1977, 1978 und 1989.

Ballesteros pflegte stets enge Kontakte mit den Organisatoren um Präsident Gaston F. Barras. Mitte der Neunzigerjahre leitete er als Architekt den in mehreren Etappen vollzogenen Umbau des Platzes. Der einzigartige alpine Kurs wurde danach von «Plan Bramois» in «Severiano Ballesteros» umgetauft.

Der unglaubliche Schlag

Seitlich vom 18. Fairway, dicht an der Mauer des Schwimmbads, steht eine steinerne Monumenttafel, die den spektakulärsten der zahllosen Wunderschläge verewigt, die Ballesteros rund um den Globus gezeigt hat. Wo heute die Tafel steht, lag Ballesteros' Ball in der Schlussrunde des European Masters 1993. Es war eine aussichtslose Lage, jeder «normale» Profi hätte den Ball der Mauer entlang aufs Fairway zurückgespielt. «Seve» jedoch versuchte und schaffte das Undenkbare. Er schlug den Ball in einem unglaublich steilen Winkel schräg über die fast drei Meter hohe Mauer und traf die höchstens zehn Zentimeter hohe Luke zwischen der Mauer und den darüberliegenden Baumästen. Unter dem tosenden Applaus von Zehntausenden von Fans zauberte er den Ball an Rand des über hundert Meter entfernten Greens.

Wer die Gedenktafel besucht, kann sich nur schwer vorstellen, das so etwas möglich war. Ballesteros schaffte sogar noch das Birdie, mit dem er bis auf einen Schlag an den nachmaligen englischen Sieger Barry Lane herankam.

Ballesteros wirkte oft etwas spröde. Er verfügte aber über Esprit und komödiantisches Talent. Mit seinem Spanisch-Englisch verzückte er vor einigen Jahren an den «international Golfdays» im freiburgischen Blumisberg Hunderte von Gästen mit einem Feuerwerk an witzigen Anekdoten aus seiner unvergleichlichen Karriere.

si/jak

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