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«Besser tot als homosexuell»

Der Schotte Graeme Obree, zweifacher Weltmeister und Stundenweltrekordhalter, hat seine Homosexualität öffentlich gemacht und ist damit einer Enthüllungsstory in einer britischen Zeitung zuvor gekommen.

Schwere Zeiten während und nach der Profikarriere: Der Schotte Graeme Obree.
Schwere Zeiten während und nach der Profikarriere: Der Schotte Graeme Obree.
AFP
Im norwegischen Hamar verbesserte Obree im Juli 1993 auf seiner selbstgebauten Maschine den neun Jahre alten Stundenweltrekord von Francesco Moser.
Im norwegischen Hamar verbesserte Obree im Juli 1993 auf seiner selbstgebauten Maschine den neun Jahre alten Stundenweltrekord von Francesco Moser.
Reuters
Sein Traum von einem Start an der Tour de France erfüllte sich indes nicht.
Sein Traum von einem Start an der Tour de France erfüllte sich indes nicht.
AFP
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Bekannt wurde Graeme Obree, als er in den Neunzigerjahren in fast unaushaltbarer Haltung auf einem selbstgebastelten Velo auf der Bahn kurvte und sich den Stundenweltrekord holte. Der Weltverband UCI sah sich danach gezwungen, die Reglemente zu ändern, die Rahmengeometrie zu definieren. Besonders hervorzuheben war neben Obrees ungewöhnlicher Sitzposition auf dem Rennrad der Umstand, dass er das Rad selbst gebaut hatte und dabei sogar Lagerschalen einer alten Waschmaschine verwendet haben soll. Er gab seinem Velo den Namen «Old Faithful».

Obree lebte im ständigen Kampf mit den UCI-Funktionären, die dem Schotten nur zu gerne Steine in den Weg legten. Der schrullige Veloprofi passte ihnen nicht, entsprechend wurden die Reglemente gedreht und gewendet, um ihm in der Rekordjagd einzubremsen. Seine Geschichte schrieb er im Buch «Flying Scotsman» nieder, die Autobiographie wurde auch verfilmt.

«Wir sind jetzt viel glücklicher»

Das öffentliche Leben Obrees ist nun um ein Kapitel reicher. Der 45-Jährige machte in einem Interview mit der «Scottish Sun» seine Homosexualität offen. Diese habe auch bei seinen beiden Selbstmordversuchen 1998 und 2001 eine Rolle gespielt. «Ich bin von einer Kriegsgeneration erzogen worden; die ist in einer Zeit gross geworden, als Homosexuelle ins Gefängnis gesteckt wurden. Homosexuell zu sein, war undenkbar», sagte Obree im Interview.

Seine Familie habe er bereits 2005 über seine Homosexualität informiert, kurz nachdem er sich einem Psychologen anvertraut hatte. Obree war verheiratet und hat zwei Kinder, ist aber mittlerweile von seiner Frau geschieden. Die Offenbarung sei zunächst ein Schock für seine Eltern gewesen, danach aber sei das Verhältnis zu ihnen viel besser geworden. «Es war schwierig und es gab viele Tränen», sagte er. «Wir haben darüber gesprochen und die Dinge diskutiert und sind jetzt viel glücklicher.»

Nach seinen Suizidversuchen war bei Obree im Jahr 2001 eine manisch-depressive Erkrankung diagnostiziert worden. Aber auch die ungelösten Probleme mit seiner Homosexualität seien mit dafür verantwortlich gewesen, gab der ehemalige Zeitfahrspezialist zu: «Ich bin mit dem Gedanken aufgezogen worden, dass es besser wäre, tot als homosexuell zu sein.»

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