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«Das ist primär eine Frage des Hungers»

Vor dem Weltcup-Final in Zürich spricht die 15-fache OL-Weltmeisterin Simone Niggli-Luder über einen Spagat und die WM 2012.

Die Saison neigt sich dem Ende zu. Wie fällt Ihre Bilanz aus? Simone Niggli-Luder: Sehr positiv, insbesondere die Weltmeisterschaft verlief besser, als ich gedacht hatte. Unter dem Strich war es eine Supersaison, obwohl längst nicht alles reibungslos gelaufen ist.

Sie erlitten mitten im Aufbau einen Schambeinbruch, hatten zuvor ein Jahr lang pausiert, zierten aber nach der WM bereits wieder die Spitze der Weltrangliste. Was geht Ihnen angesichts dieser Fakten durch den Kopf? Dass alles sehr schnell gegangen ist. An die Rückkehr in die Top 5 hatte ich geglaubt, an jene unter die besten 3 gehofft. Das Überlegenheitsgefühl früherer Jahre habe ich jedoch nie gespürt. Die Nummer 1 betrachte ich als schöne Zugabe.

Die Familie Niggli war fast immer gemeinsam unterwegs. Wie beurteilen Sie Ihren Spagat zwischen der Mutterrolle und jener der Spitzensportlerin? Ich denke, er ist uns geglückt. Malins Betreuung raubt Energie, aber sie verleiht auch welche; es ist sehr schön, die eigene Tochter an den Wettkämpfen dabeizuhaben. Anderseits ist mir klar geworden, dass es ohne Hilfe nicht funktionieren würde. An wichtigen Anlässen muss jemand präsent sein, der die volle Verantwortung für Malin übernehmen kann – so wie in Ungarn, als sich meine Eltern um sie kümmerten und ich sie jederzeit besuchen konnte.

Nach den Titelkämpfen in Ungarn dislozierten Sie mit dem Nationalkader nach Trondheim; in Norwegen wird die WM 2010 durchgeführt. Was erwartet die Athleten im nächsten Jahr? Etwas ganz anderes als an den drei letzten Weltmeisterschaften, die allesamt in Osteuropa stattfanden. Das Gelände ist mit Sümpfen gespickt und deswegen enorm kräfteraubend. Das Lauftempo wird entsprechend tiefer sein als zuletzt in Miskolc.

Werden Sie dem tiefen Terrain in der Vorbereitung besondere Aufmerksamkeit schenken? Im Winter werden wir hin und wieder im Tiefschnee trainieren. Ob und inwiefern wir im Kraftbereich etwas verändern werden, ist noch unklar. Das müssen wir noch austüfteln.

2012 findet die WM in Lausanne statt. Reizt Sie diese Perspektive oder ist nach Trondheim Schluss? Das ist primär eine Frage des Hungers. Bleibt er gross, ist die Fortsetzung der Karriere nicht ausgeschlossen, aber es spielen auch andere Faktoren eine Rolle. Sollte ich an der WM 2012 dabei sein, würde ich sicher nicht mehr alle Rennen bestreiten.

Am Wochenende steht mit dem Weltcup-Final in Zürich der letzte Höhepunkt der Saison an. Was haben Sie sich vorgenommen? Ich war nach der Rückkehr aus Trondheim erkältet und weiss daher nicht genau, was ich zu leisten im Stande bin. Der Gesamtsieg ist wohl etwas zu weit entfernt, aber unter die besten drei möchte ich schon vorstossen (Niggli-Luder ist mit 90 Punkten Rückstand auf Leaderin Minna Kauppi Vierte, die Finnin hat sich jedoch verletzungsbedingt abgemeldet/die Red.). Der Sprint in Zürich wird äusserst anspruchsvoll. Der Kopf muss den Beinen stets einen Schritt voraus sein. Und man darf sich durch den ungewohnten Rahmen in der Innenstadt nicht aus der Konzentration bringen lassen.

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