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«Der alte Modus ist sehr elitär»

Am Wochenende trifft das Unihockey-Nationalteam in Brünn auf Schweden, Finnland und Gastgeber Tschechien. Trainer René Berliat spricht über Reformen in der Meisterschaft, Erfahrungen im Ausland und einen schmalen Grat.

«Wir müssen gegen Finnland und Schweden vermehrt in jene Zone eindringen, in der latente Torgefahr herrscht», fordert René Berliat.
«Wir müssen gegen Finnland und Schweden vermehrt in jene Zone eindringen, in der latente Torgefahr herrscht», fordert René Berliat.
zvg

An der Präsidentenkonferenz wurde beschlossen, die Swiss Mobiliar League im Hinblick auf die Saison 2010/2011 von zehn auf zwölf Teams aufzustocken. Wie beurteilen Sie diesen Entscheid? René Berliat: Positiv und negativ. In sportlicher Hinsicht ist es begrüssenswert, kämpfen zwölf statt zehn Mannschaften um acht Playoff-Plätze. Anderseits wird das Niveau der Partien zumindest am Anfang darunter leiden. Erstens mangelt es für zwölf Teams an Spielern mit den nötigen Qualitäten, zweitens sind bereits jetzt nicht annähernd alle Vereine gut strukturiert und organisiert.

Das Gefälle wird noch grösser werden. Davon ist auszugehen, wobei ich die Situation nicht als prekär erachte. Strengt sich der Dritte nicht an, wird er selbst gegen den Letzten nicht gewinnen. Wichtig ist, dass keine Mannschaft durch den Raster fällt, sieg- und chancenlos bleibt. Das würde unserem Sport schaden.

Es dürfte mehr Partien geben, in denen die Nationalspieler nicht gefordert werden... ...zweifellos, das hängt mit der Einführung der Achter-Playoffs zusammen. Vielleicht müssen wir kurzfristig weniger Qualität in Kauf nehmen, um mittelfristig vorwärtszukommen.

Wie meinen Sie das? Der alte Modus ist sehr elitär. Nur vier Teams erhalten jeweils die Chance, Playoff-Erfahrung zu sammeln, sechs sind ausgeschlossen. Im Frühling werden sich erstmals acht Teams mit einer Sondersituation konfrontiert sehen, das wird wesentlich mehr Spieler in deren Entwicklung weiterbringen. Mittelfristig wird sich hoffentlich auch der sinkende Druck auf die Klubverantwortlichen positiv auswirken.

Inwiefern? Es fällt leichter, in schlechten Phasen die Geduld zu wahren, wenn man auch als Achter die Möglichkeit hat, um den Titel zu spielen. Feuerwehrübungen in Form der Verpflichtung mittelprächtiger Ausländer wird es hoffentlich nicht mehr geben, das Vertrauen in die eigenen Leute hingegen stärker werden. Davon wird dereinst auch die Nationalmannschaft profitieren.

Was hat Sie in den ersten sieben Meisterschaftsrunden am meisten überrascht? Die Darbietungen der Könizer; ich hätte nicht gedacht, dass sie nach all den Abgängen gleich wieder ganz vorne mitmischen.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Niveaus in der Swiss Mobiliar League? Derartige Vergleiche sind in dieser frühen Phase schwierig. Die meisten Partien, die ich sah, waren in Ordnung. Unansehlich wird es, wenn Teams aufeinandertreffen, die beide nicht bereit sind, die Initiative zu ergreifen, die Spielgestaltung dem Gegner überlassen wollen.

Haben sich für die Landesauswahl neue Namen aufgedrängt? Sandro Dominioni hat einen guten Eindruck hinterlassen, deshalb haben wir ihn für das Turnier in Tschechien aufgeboten. Leider muss er wegen einer Knieverletzung passen. Der Kreis potenzieller Nationalspieler ist immer noch eng begrenzt, er umfasst ungefähr 25 Akteure.

Am Wochenende kommt es zum Treffen der vier besten Nationen. Welche Ziele stehen für die Schweiz im Vordergrund? Es gilt, in der Offensive mehr Druck zu erzeugen. Wir müssen gegen Finnland und Schweden vermehrt in jene Zone eindringen, in der latente Torgefahr herrscht. Das ist eine grosse Herausforderung und mit Risiken verbunden.

Worin bestehen diese? Die Gegenstossgefahr ist gross, der Grat zwischen einem 5:4-Sieg und einer 2:7-Niederlage äusserst schmal.

In Brünn gehören acht Spieler zu Ihrem Kader, die in Finnland oder Schweden tätig waren respektive tätig sind. Was bringen deren Engagements im Ausland dem Nationalteam? Diese Spieler steigen mit höherem Selbstverständnis in internationale Partien. Sie wissen aus Erfahrung, dass sie gegen die Besten bestehen können, sich vor niemandem verstecken müssen. Man muss weniger mit ihnen sprechen; sie wissen, worum es in solchen Spielen geht. Das ist ein grosser Vorteil.

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