«Langfristig würden wir unseren Status verlieren»

Im April wird der Berner Ernst König (39) seine Arbeitals Direktor von Antidoping Schweiz aufnehmen. Der Quer­einsteiger ohne Vergangenheit im Leistungssport spricht über Geld und seine Hauptaufgabe.

«Bin kein Wissenschaftler»: Ernst König

«Bin kein Wissenschaftler»: Ernst König

(Bild: Keystone)

Bei der Abschiedsrede Ihres Vorgängers Matthias Kamber war Resignation spürbar. Was hat Sie dazu bewogen, das Amt des Direktors anzunehmen?Ernst König:Ich sah das Stelleninserat in der Berner Zeitung, blätterte aber weiter. Doch irgendwie liess mir die Sache keine Ruhe. Einen Beitrag für sauberen Sport zu leisten, ist für mich eine riesige Motivation. Zudem habe ich einen neun Monate alten Sohn. Ich hoffe, er wird irgendwann einem Idol aus der Sportwelt nacheifern, und möchte nicht, dass sich dieses Idol später als falscher Held erweist. Ich will helfen, die Gefahr zu minimieren.

Kamber missfiel es, wurde das Budget von 4,7 Millionen Franken seit 2010 trotz permanent steigenden Ansprüchen wie der Einbindung des Schwinger­verbandes nicht erhöht . . .. . . es wird ganz bestimmt eine meiner wichtigsten Aufgaben sein, in dieser Hinsicht für Verbesserungen zu sorgen. Zunächst gilt es jedoch zu definieren, was genau wer von uns verlangt, für was wir tatsächlich zuständig sind. Unsere Dienste sind sehr erwünscht, das spüre ich. Insofern braucht es viel Geld, mehr Geld, als derzeit verfügbar ist.

Werden Sie Swiss Olympic und dem Bundesamt für Sport Druck aufsetzen?Das sind die Hauptpartner, aber ich bin offen für andere Möglichkeiten. Der Leichtathletik-Verband hat Antidoping Schweiz 30 000 Franken zur Verfügung gestellt, um die Kontrollen sei­ner Topathleten zu gewährleisten. Womöglich ist das ein Modell, das sich in dieser oder jener Form ausweiten lässt.

Was die Dopingbekämpfung ­betrifft, gilt die Schweiz als ­Vorzeigenation. Droht dieser Status ohne zusätzliche Mittel verloren zu gehen?Langfristig würden wir unseren Status sicher verlieren. Während meines ersten Besuches auf der Geschäftsstelle realisierte ich, dass viel Know-how vorhanden ist. Das Wissen allein reicht aber nicht aus. Um die Glaubwürdigkeit sicherzustellen, müssen wir einiges unternehmen – was natürlich Geld kostet.

Matthias Kamber hat sich als Chemiker der Wissenschaft verschrieben. Könnte man Sie als Verkäufer bezeichnen?Ich bin kein Wissenschaftler. Deshalb überlegte und zweifelte ich lange, fragte mich: Bin ich der Richtige für diesen Job? Der Stiftungsrat suchte aber keinen Experten. Erwartet wird, dass ich die internationale Vernetzung vorantreibe, Brücken schlage, Türen öffne. Denkbar ist beispielsweise eine intensivere Zusammenarbeit mit anderen nationalen Antidopingagenturen.

Trotz systematischem Betrug 2014 in Sotschi ist ein Start des russischen Teams im kommenden Februar an den Winterspielen in Pyeongchang wahrscheinlich. Wie stehen Sie dazu?Ich möchte mich nicht äussern, weil ich noch zu wenig nahe am Geschehen dran bin. Als Aussenstehender kann ich nur sagen, dass die obersten Gremien, in diesem Fall das Internationale Olympische Komitee, reinen Tisch machen und Fakten liefern müssen.

In der Führungsetage derWelt-Anti-Doping-Agentur(Wada) sitzen Leute, welchegrossen Sportorganisationen vorstehen. Ist dies nicht ­heikel, weil diese Personen ­ihre wichtigsten Trümpfe ­protegieren könnten?Es steht mir nicht zu, über die Organisation der Wada zu urteilen. Das wesentliche Kriterium ist die Glaubwürdigkeit. Für diese hat die Wada zu sorgen.

Die Schweiz führt einen harten Antidopingkampf. In Äthiopien beispielsweise soll es im ganzen Jahr 2015 aber nicht eine Trainingskontrolle gegeben haben. Wird Sisyphusarbeit betrieben?Natürlich ist das ein Problem. Aber sollten wir den Kampf deswegen aufgeben? Sicher nicht. Wir wollen und müssen unseren Beitrag für einen sauberen Sport leisten.

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