Der härteste Schlag schon in Runde 2

Die Bernerin Aniya Seki verliert den Kampf um den WBA-Weltmeistertitel.

Kein goldener Gürtel, trotzdem ein kleiner Sieg: Die Bernerin Aniya Seki muss gegen die Mexikanerin Maribel Ramírez unten durch. (Video: Raphael Casablanca)

Als der Ringrichter nach je einer Hand von Aniya Seki und Maribel Ramírez greift, ist den meisten Anwesenden schon klar, welche der beiden er in die Höhe strecken wird. Ramírez hatte bereits nach dem Signal, das das Ende der zehnten und letzten der je zweiminütigen Runden anzeigte, ihre Gegnerin strahlend in die Arme genommen. 98:91, 98:91 und 97:92 lautet das Urteil der Punktrichter zugunsten der mexikanischen Titelverteidigerin.

Zum Lied «Hie» von Wurzel 5, zu dem die Young Boys ins Stadion einlaufen, betrat Seki unter tosendem Applaus den Ring. Hier in der Mooshalle in Gümligen war ein Heimmatch für sie. Die Bernerin konnte sich über lautstarke Unterstützung freuen, immer wieder hallten «Hopp Aniya»-Rufe durch die Halle. Hier bestritt die 39-Jährige ihren 40. Boxkampf. Es sollte ihr bis dahin grösster sein, denn es ging um den WM-Gürtel der World Boxing Association (WBA) in der Klasse Superfliegengewicht.

«Zu wenig gekontert»

Dass es für Seki ein schwieriger Kampf würde, zeigte sich bereits in den ersten Runden. Sie war primär damit beschäftigt, der Gegnerin auszuweichen. In der 2. Runde erhielt sie einen empfindlichen Schlag in den Brustbereich, der sie in die Seile straucheln liess, doch die Boxerin machte weiter. «Ramírez ist eine, die immer nach vorne geht. Ich habe gewusst, dass ich ihr ausweichen muss und ihre Schläge nicht nehmen darf», sagte Seki, «doch ich habe zu wenig gekontert.» Ramírez war auch schwer zu treffen, unruhig und agil wand sie sich weg von den Schlägen, die Seki zu platzieren suchte.

«Ich habe gegen eine gute Gegnerin geboxt, doch ich konnte nicht alles umsetzen, wie ich das mit dem Trainer besprochen hatte», sagte Seki. Vorbereitet auf den Kampf war sie von Hakija Ajdarevic und Vito Rana worden. «Ich musste mir einen Ersatz neben Bruno suchen», sagte Seki. Bruno Arati, ihr Mentor und langjähriger Trainer, kann sie nicht mehr trainieren, weil er schwer erkrankt ist. Am Samstag verfolgte er den Kampf vor Ort.

Weil sie erstmals in dieser neuen Trainerkonstellation antrat, zog Seki am Ende trotz Niederlage ein positives Fazit: «Mit Haki Ajdarevic fühle ich mich enorm selbstsicher, obwohl die Taktik heute noch nicht ganz aufgegangen ist», und fügte an, «so habe ich meinen kleinen Sieg errungen.» Eine weitere Änderung hinsichtlich dieses Boxkampfes betraf auch die Gewichtsklasse, in der Seki antrat. Sie hatte vom Bantamgewicht auf das 1,5 Kilogramm leichtere Superfliegengewicht gewechselt. «Ich habe mich in dieser Klasse besser gefühlt», sagt die gebürtige Japanerin.

Mit der Niederlage könne sie besser umgehen als früher. Seit elf Jahren boxt Seki, mal gehe es aufwärts, mal abwärts. Wie es aber weitergeht, darüber wollte sie an diesem Abend nicht sprechen. Sagte aber, dass es auch darauf ankomme, was ihr Trainer und ihre Managerin mit ihr vorhätten. Ajdarevic gab dann zu Protokoll, dass ihn nach einer Revanche für die samstägliche Niederlage gelüsten würde.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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