Der Strategiewandel

Der VBC Uni Bern will auf eigene Junioren setzen, hat aber 6 Ausländer im Kader.

Der 58-jährige Felix Merz erklärt, warum er im Moment von seiner Strategie abweicht.

Der 58-jährige Felix Merz erklärt, warum er im Moment von seiner Strategie abweicht.

(Bild: Christian Pfander)

Peter Berger@PeterBerger67

Um das Männerteam längerfristig in der NLA halten zu können,setzt Felix Merz auf den eigenen Nachwuchs. Doch die Hälfte im Kader sind Ausländer. Wurde die Strategie bereits über den Haufen geworfen? Die Antwort von Merz beginnt mit: «Nein, aber …»

Seit Juni 2015 ist er Präsident des VBC Uni Bern. 72 Juniorinnenteams habe es zu diesem Zeitpunkt im Einzugsgebiet von Interlaken bis Biel und von Olten bis Murten gegeben, «aber nur 12 Juniorenteams. Alle setzten auf die Frauen», erzählt Merz. «Damals hatte Uni gerade mal sieben eigene männliche Junioren.» Jetzt sind es schon mehr als 70 (U-13 bis U-23). «4 davon sind in Nachwuchsnationalkadern.»

Aderlass und Zuzüge

Die proklamierte Strategie werde also weiterhin konsequent verfolgt. Ein kleiner Wandel war jedoch nicht zu vermeiden. Denn die Talente sind erst 15, 16 Jahre alt. «Bis diese NLA-tauglich sind, dauert es mindestens noch 3 Jahre.» Mit dieser Aussage liefert Merz gleich eine Begründung, warum plötzlich die Hälfte des Kaders einen Ausländerstatus hat. Der Präsident präzisiert aber umgehend:«Jaroslav Vlcko ist zwar Slowake, lernte jedoch hier in Bern Volleyball spielen. Und der Franzose Damien Rossignol ist seit Ewigkeiten in der Schweiz.» Bleiben Darryl Shank und die drei Polen. Der Kanadier war schon letztes Jahr dabei.

Die Polen kamen, weil sich für die entsprechenden Positionen keine Schweizer fanden. Zudem ist der neue Trainer Mikolaj Ostrowski – der erste Profitrainer in der Geschichte von Uni Bern – ein Pole und verfügt über ein entsprechendes Beziehungsnetz im Land des Weltmeisters. Die Zuzüge wurden nötig, weil 8 bestandene Spieler im fortgeschrittenen Volleyballalter, vornehmlich Berner, das Team im Frühling verlassen hatten. «Das erste Jahr in der NLA war eine Frustsaison, von 27 Spielen gewannen wir nur eines und holten total vier Punkte», sagt Merz. «Jedem war klar, dass wir professionalisieren müssen.»

Geld- und Arbeitgeber

Schon vor der vierten Meisterschaftspartie am Sonntag zu Hause gegen Chênois haben die Berner wieder vier Punkte auf dem Konto. Die neuen Akteure erweisen sich als Verstärkung. Jakub Radomski ist gar Topskorer der Liga. «Kuba» sitzt übrigens zu Beginn des Gesprächs neben Merz am Tisch,denn der Pole arbeitet wie Shank und Captain Janick Sommer bei der Firma e-globe solutions AG, deren CEO Merz ist.

Mit seiner IT-Firma ist er neben Arbeits- auch Hauptsponsor des Teams. «Ja, aber ich betone, dass dieses Trio in unserer Firma Output liefern muss», erklärt der Boss, die Anstellungen seien nicht als Goodwill zu verstehen. Obwohl die drei angestellten Spieler über die Firma entlöhnt werden und gratis Volleyball spielen, bestätigt Merz, dass die Mannschaft durch die neuen Ausländer teurer geworden ist. Im Vorjahr betrug das Budget für den gesamten Club 120000 Franken, nun kostet alleine das NLA-Team 100000 Franken.

Präsident und Helfer

Merz sucht dringend neue Sponsoren, denn derzeit ist er die tragende Säule im Universitätsclub. Dies im wahrsten Sinne des Wortes. An Spieltagen amtet der Präsident jeweils vor allem als Helfer, geht beim Aufbauen und Abräumen voran. «Ich bin so», meint der ausgebildete Physiker. Merz hatte einst die Steiner-Schule besucht, spielte in ein halbes Jahr bei Uni Bern in der NLB, politisierte später in Köniz für die Grünen, unterrichtete an Mittelschulen und absolvierte als 45-Jähriger noch ein Gitarrenstudium.

«Ich will noch immer etwas bewegen, muss jedoch gestehen, dass ich heute öfters an meine Grenzen stosse.» Deshalb wird der 58-Jährige nächstes Jahr das Amt als Clubpräsident abgeben. Dem NLA-Team möchte er indes weiter vorstehen, schliesslich ist seine Strategie noch nicht umgesetzt.

Berner Zeitung

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