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Der Weltenbummler ist angekommen

Darryl Shank ist der einzige Profi beim VBC Uni Bern. Der Kanadier ist nach ­einigen Stationen im Ausland nach Bern gekommen – und will hier seine Karriere be­enden und heimisch werden.

Annic Berset
Kanadische Power: Darryl Shank greift für den VBC Uni Bern an.
Kanadische Power: Darryl Shank greift für den VBC Uni Bern an.
Raphael Moser

Mehr als 220 Punkte hat Darryl Shank seinem Team in dieser Saison bereits eingebracht – vor allem durch seine Angriffe von der Diagonalposition aus. Vor seiner Knöchelverletzung am Ende des vergangenen Jahres war der kanadische Volleyballprofi gar un­ter den drei erfolgreichsten Sko­rern der Liga zu finden.

Der 28-Jährige gehört seit zwei Jahren zum Kader des VBC Uni Bern, hat der Mannschaft vor einer Saison zum Aufstieg in die höchste Spielklasse verholfen. Und er will die Berner weiterhin unterstützen, auch wenn sich diese Saison um einiges schwieriger präsentiert als die letzte. Aus 18 Partien hat das Team erst vier Punkte ergattert und liegt mit dem letztplatzierten VBC Einsiedeln gleichauf.

Die Rolle des Topskorers

«Es war klar, dass wir als Aufsteiger keine einfache Meisterschaft haben würden. Dass es aber so schwierig wird, vor allem mental, war uns allen wohl nicht ganz ­bewusst», sagt Shank. Die Berner verlieren viele Durchgänge knapp, sind häufig nicht weit weg vom Gewinn eines oder mehrerer Punkte.

Trotzdem reicht es im Moment nicht zu mehr als zu Rang acht. «Ich bin aber zuversichtlich, dass sich der Verein in der NLA etablieren wird, die Vereinsstrukturen werden nach und nach professionalisiert, das ist ein gutes Zeichen.» Der Kanadier, im Moment einziger Profi bei Uni Bern, weiss aber auch: «In Zukunft wird es den einen oder anderen Topspieler brauchen, um das Niveau konstant zu erhöhen.»

In dieser Saison wird der Showdown das dritte Duell mit dem VBC Einsiedeln sein, das am 25. Februar stattfindet. Gewinnen die Berner diese Begegnung, ist ihnen der Platz im Playoff kaum mehr zu nehmen. «Das war von Anfang an unser Ziel», sagt Darryl Shank, der seine Verletzung mittlerweile auskuriert hat.

Die Rolle als Topskorer der Mannschaft nimmt der ruhige Diagonalangreifer gelassen. Seine Arbeit bestehe genau darin, möglichst viele Punkte zu liefern. «Diesen Anspruch habe ich an mich selber.»

Shank spricht aber auch ein vielversprechendes Mannschaftsgefüge an, das die grosse Stärke des Vereins sei und ihn bei seiner Rolle unterstütze. «Die einzelnen Spieler und Trainer geben alles für diesen Sport, und das neben der Arbeit oder dem Studium.»

Es sind genau diese einzelnen Persönlichkeiten im Team der Berner, die den 196-cm-Mann dazu bewogen haben, seine Reisen rund um den Globus zu unterbrechen – und zwar vielleicht für immer. Bereits mit 18 Jahren zog er aus dem kanadischen Ontario in die Vereinigten Staaten, um dort zu studieren.

Seine Volleyballkarriere wurde dann einige Jahre später dank einem Bekannten in Bahrain lanciert, wo er aber nur einige Monate blieb. «Vor diesem Engagement war ich noch nie ausserhalb von Nordamerika», sagt Darryl Shank. Die Volleyballkultur sei so ganz anders gewesen, als er sie gekannt habe.

Die ganze Zeit über lebte er in einem Hotel, Kontakt zu anderen Leuten hatte er fast keinen. Deshalb wechselte er bald darauf nach Österreich, ein halbes Jahr später dann nach Schweden.

Zwei Jahre war er der Punktlieferant für die Mannschaft aus Falkenberg, bevor er eine neue Herausforderung suchte und in die Schweiz gelangte. «Ich wollte meinen Job als Volleyballer damit verbinden, neue Länder und Städte kennen zu lernen», sagt der Kanadier.

Das habe sich geändert, als er nach Bern gekommen sei. Die Stadt mit ihrem schönen Fluss und der Altstadt habe ihn sofort in ihren Bann gezogen. Er habe wochenlang Tourist gespielt, wollte sich alles anschauen und alles kennen lernen. Schnell war für Shank dann klar «Einen schöneren Ort zum Leben und gleichzeitig das zu machen, was mir am liebsten ist, finde ich nirgendwo anders.»

Die Krux mit der Jobsuche

Deshalb hat Shank auch nicht vor, den Verein nach dieser schwierigen ersten Saison in der höchsten Spielklasse wieder zu verlassen. «Ich kann mir sehr gut vorstellen, hier meine Karriere zu beenden, und die soll noch einige Saisons andauern.» Für einen anderen Schweizer Verein zu spielen, kommt für Darryl Shank nicht infrage. «Das kann ich mit meiner Loyalität gegenüber dem Club nicht vereinbaren.»

Das Einzige, was ihm noch Sorgen bereitet, ist sein Arbeitspensum. Die vier bis fünf Trainings füllen keine ganze Woche aus, arbeiten darf der 28-Jährige aber nebenbei nicht. «Das ist frustrierend.» Die Aufenthaltsbewilligung, die jede Saison wieder beantragt werden muss, erschwert die Jobsuche.

Der Aufwand, den auch die Firmen auf sich nehmen müssten, um ihn zu beschäftigen, schreckt viele ab. «Ich will mich ja integrieren, erhalte aber nur ­wenige Möglichkeiten dazu», sagt Shank.

Umso mehr hilft ihm das Volleyballumfeld dabei. «Ich habe hier gute Freunde gefunden, und auch der Club unterstützt mich überall, dafür bin ich sehr dankbar. Und deshalb will ich hierbleiben.»

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