«Diese Schmerzen brauche ich nicht mehr»

Matthias Sempach beendet seine Karriere. Ende Juni hoffte er noch, in der nächsten Saison nochmal anzugreifen. Schon damals sagte er aber: «Der ­Körper muss mitspielen.»

Es geht nicht mehr: In jüngster Vergangenheit kämpfte Matthias Sempach mehr mit Verletzungen als dass er im Sägemehlring stand.

Es geht nicht mehr: In jüngster Vergangenheit kämpfte Matthias Sempach mehr mit Verletzungen als dass er im Sägemehlring stand. Bild: Christian Pfander

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Sie haben in diesem Jahr noch kein Schwingfest beendet, zuletzt zwei Monate lang pausieren müssen. Wie fühlen Sie sich?
Matthias Sempach: Vor drei Wochen nahm ich das Schwingtraining wieder auf, seither bin ich schmerzfrei. Ich habe sehr viel Zeit in die Therapie des Rückens investiert, mache regelmässig Beweglichkeitstraining. Am Sonntag werde ich am «Innerschweizerischen» teilnehmen.

Weshalb warteten Sie mit dem Comeback so lange zu?
Am Schwarzsee hätte ich wohl schwingen können. Aber ich wollte die ganze Energie fürs «Innerschweizerische» kanalisieren. Zudem bin ich vorsichtiger geworden: Anfang Mai war ich vor dem «Mittelländischen» auch schmerzfrei gewesen, im Wettkampf aber machte der Rücken dann doch nicht mit. Ich brauchte zuletzt einen gezielten Aufbau.

«Mein Rücken ist unberechenbar. Die ganze Geschichte gibt mir schon zu denken.»

15 «Eidgenossen» sind in Ruswil gemeldet, als Gast dürften Sie durchwegs mit starken Gegnern eingeteilt werden. Hätte es nicht geeignetere Feste fürs Comeback gegeben?
Ich empfinde dies viel eher als Motivation. Es ist eine Ehre, am «Innerschweizerischen» teilnehmen zu können, zumal der Verband sein 125-Jahr-Jubiläum feiert. Mit Rudolf Hunsperger und Fritz Uhlmann hat es in der Geschichte gerade mal zwei Berner Sieger gegeben. Das zeigt, wie schwierig dieses Fest für einen Gast zu gewinnen ist.

Welches Ziel haben Sie sich ­gesetzt?
Hole ich den Kranz, bin ich sehr glücklich.

Eine bescheidene Vorgabe für Ihre Verhältnisse...
... ich hoffe einfach, dass ich das Fest ohne Rückschläge durchschwingen kann. Die ganze Geschichte mit dem Rücken gibt mir zu denken. Einen Bandscheibenvorfall wünscht man sich nicht, ich hatte solche Probleme in den letzten Jahren schon mehrmals. Mein Rücken ist unberechenbar. So komisch es klingt, aber irgendein Bruch wäre wohl fast angenehmer gewesen. Da musst du vielleicht acht Wochen lang pausieren, hast dann aber Ruhe.

Sie haben sehr vieles gewonnen, sind 32, Familienvater – sind zuletzt Gedanken an den Rücktritt aufgekommen?
Wenn man längere Zeit Probleme hat, kommen unweigerlich solche Gedanken. Ich bin nicht mehr der Jüngste und habe schon so vieles erlebt. Tut dir täglich etwas weh, wird es richtig mühsam; diese Schmerzen brauche ich nicht mehr. Aber nun habe ich wieder eine bessere Phase, da denke ich bereits an die nächste Saison.

«Armon Orlik ist sehr zielstrebig und geht kompromisslos zur Sache. Er will unbedingt der Beste sein.»

Sie werden also mindestens ein weiteres Jahr schwingen?
Das ist der Plan, ja. Aber der ­Körper muss mitspielen.

Welcher Konkurrent hat Sie während Ihrer Auszeit am meisten beeindruckt?
Von den Bernern sicher Christian Stucki, vor allem am «Emmentalischen» gefiel er mir sehr gut. Auch Matthias Aeschbacher ist in sehr guter Form. Alles in ­allem aber ist Armon Orlik der Schwinger, der den stärksten Eindruck hinterlässt. Wie er sich zuletzt am Nordostschweizer Teilverbandsfest präsentierte, war schon sehr eindrücklich. Ich hatte schon in den gemeinsamen Trainings vor der Saison in Magglingen realisiert, in welch toller Form er sich befindet. Orlik ist sehr zielstrebig und geht kompromisslos zur Sache. Er will unbedingt der Beste sein.

* Dieses Interview erschien am 29.6.2018 auf Bernerzeitung.ch. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.08.2018, 11:19 Uhr

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