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Dieser Mann ist Armstrongs Albtraum

Ein Porträt des US-Dopingjägers Jeff Novitzky, der Amerikas Rad-Legende vom Sockel holen will.

Er brachte schon Sprinterin Marion Jones ins Gefängnis: Jeff Novitzky (43).
Er brachte schon Sprinterin Marion Jones ins Gefängnis: Jeff Novitzky (43).

Als Jeff Novitzky noch Student war und Basketball an der Universität von Kalifornien spielte, hörte er zum ersten Mal von einem Geschäftsmann, der Athleten mit leistungsfördernden Mitteln versorgte. Jahre später sah er diesen Mann in TV-Übertragungen von den Olympischen Spielen in Sydney wieder – an der Seite der Sprinterin Marion Jones und ihres damaligen Ehemanns, eines erfolgreichen Kugelstossers, der kurz zuvor als Dopingsünder überführt worden war. Das machte Jeff Novitzky neugierig.

Da er nicht mehr Student war, sondern Fahnder des Finanzamts von Kalifornien, stellte er bei Recherchen rasch fest, dass es bei den Geschäften von Victor Conte nicht mit rechten Dingen zugehen konnte. So durchwühlte er nachts den Müll hinter Contes Büro und stellte zahlreiches Beweismaterial sicher. Das brachte ihm den Spitznamen «Dirt» Novitzky ein, eine Anspielung auf den deutschen Basketballstar Dirk Nowitzki.

2-Meter-Mann mit kahlem Schädel

Der hagere, zwei Meter grosse Typ mit dem glatt rasierten Schädel ist heute der erfolgreichste Dopingjäger der Welt. Und der Angstgegner von Lance Armstrong. Seine Ermittlungen haben in den USA bereits zu neun Verurteilungen geführt, unter anderem im Strafverfahren gegen Marion Jones. «Saubere Athleten haben keinen grösseren Freund als Novitzky», sagt Travis Tygart, der Chef der amerikanischen Anti-Doping-Agentur Usada. «Man sollte ihm einen Schrein errichten.»

Vor zwei Jahren hat Novitzky von der Steuerfahndung in die Ermittlungsabteilung der US-Lebensmittel- und Arzneimittelaufsicht, kurz FDA, gewechselt. Seine Mission jedoch blieb dieselbe. So half er als Erstes mit, den grössten Dopingring im Profi-Baseball zu sprengen. Und als Radrennfahrer Floyd Landis sich per E-Mail mit detaillierten Anschuldigungen an die Usada wandte, wurde der 43-Jährige erneut eingeschaltet.

Eisernes Schweigen gegenüber Journalisten

Das erste Resultat der frühen Ermittlungsphase: Seit kurzem arbeitet Novitzky mit einem Staatsanwalt in Los Angeles zusammen, der eine sogenannte Grand Jury einberufen hat. Die Untersuchung läuft auf eine Anklage wegen Betrugs und Verschwörung hinaus. Im Visier der Ermittler ist unter anderem der siebenfache Tour-de-France-Gewinner Lance Armstrong in seiner Rolle als Mitbesitzer von Tailwind Sports. Die Firma mit Sitz in San Francisco, gemanagt von einer anderen Firma namens Capital Sports and Entertainment in Austin, an der Armstrong auch einen Anteil hält, war der offizielle Betreiber der Rennställe US Postal und Discovery. Die amerikanische Post überwies Tailwind dafür acht Millionen Dollar jährlich.

Novitzky, dem Kritiker nachsagen, er träume von einem lukrativen Buchvertrag und geniesse die Aufmerksamkeit der Medien, hüllt sich in dem Fall gegenüber Journalisten in Schweigen. Jedwede Gesprächigkeit würde die Integrität der Ermittlungen infrage stellen. Lance Armstrong, der die Anschuldigungen unter Verweis auf die fehlende Glaubwürdigkeit von Floyd Landis zurückweist, hat auf Anwürfe bisher gern mit Zivilklagen reagiert. Diese Taktik steht ihm gegen die Ermittlungsbehörden aber nicht zur Verfügung. Der 38-Jährige, der jeden Verdacht bisher als von Neid getriebene Vendetta brandmarkte, kann nach amerikanischem Recht allenfalls die Aussage komplett verweigern. Das käme in der öffentlichen Wahrnehmung jedoch einem Geständnis gleich.

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