Ein Nackter im Gentlemen-Sport

Mark Williams wird in Sheffield zum dritten Mal Snooker-Weltmeister. Mehr zu reden als der Titel gibt die Pressekonferenz mit dem 43-Jährigen.

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Snooker ist die Gentlemen-Sportart schlechthin. Fluchen und Wutausbrüche allgemein sind genauso verpönt wie den Gegner zu provozieren oder laute Fans. Ein nackter Mann scheint jedoch problemlos durchzugehen.

Nun gut, der Nackte befand sich nicht direkt am Final Table im Crucible in Sheffield, wo jedes Jahr die Weltmeisterschaften ausgetragen werden, sondern an der Pressekonferenz. Und es handelte sich nicht um irgendjemanden, sondern um den neuen Weltmeister Mark Williams. Der Waliser hatte vor dem Turnier angekündigt, dass er nackt an der Pressekonferenz auftreten werde, sollte er seinen dritten WM-Titel nach 2000 und 2003 gewinnen.

Phalanx der Engländer durchbrochen

Der Final, der am Sonntag begonnen hatte und am Montagabend endete, war an Spannung kaum zu überbieten. Das Endspiel findet jeweils im Best-of-35-Format statt. Das bedeutet, der Spieler, der zuerst 18 Frames gewinnt, holt sich den Titel. Williams hatte nach den ersten drei Sessions wie der klare Sieger ausgesehen, hatte stets geführt und lag am Montagabend bereits 15:10 voraus.

Doch John Higgins, Spitzname «Wizard of Wishaw», kämpfte sich auf 15:15 heran. «The Welsh Potting Machine» konnte aber noch eine Schippe drauflegen und gewann letztlich den spannenden Vergleich gegen den Schotten 18:16. Damit durchbrach der Waliser die Phalanx der Engländer, die die letzten sechs Titel in Serie eingeheimst hatten. Dieses Endspiel war das erste seit dreizehn Jahren, das erst im 34. Frame entschieden wurde.

«Kommt nicht zu nahe!»

Williams verdrückte bei der Pokalübergabe einige Freudentränen. Und er hielt bei der Pressekonferenz Wort: Er trat nur mit einem Handtuch bekleidet vor die Medienmeute. Als er sich gesetzt hatte, zog er gar noch das Tuch weg und sagte: «Kommt nicht zu nahe!»

Weiter gab er zu Protokoll: «Ich fühle mich ein wenig unwohl im Moment. Es ist ein bisschen kalt hier.» Williams war ob seines Triumphs selber überrascht: «Auch wenn ich nie mehr ein anderes Turnier gewinnen werde, ist es mir egal. Ich habe etwas erreicht, an das ich selber nicht geglaubt hatte.» Williams ist mit 43 Jahren nicht nur der älteste Weltmeister seit Ray Reardon 1978, die Zeitspanne von 15 Jahren seit seinem letzten Titel ist ebenfalls ein Rekord.

Ehefrau wendete Rücktritt ab

Auch für die Snooker-Welt war Williams' Titel eine Überraschung. Der Waliser hatte im vergangenen Sommer beinahe seinen Rücktritt vom Spitzensport gegeben, seine Frau Jo habe ihn jedoch vom Gegenteil überzeugt. «Sie wollte mich wohl nicht 24 Stunden am Tag im Haus haben», scherzte Williams.

Apropos scherzen: Williams gab noch an der Pressekonferenz bekannt, dass er den Nackt-Stunt im nächsten Jahr wiederholen würde, sollte er nochmals Weltmeister werden. «Und ich schlage nackt ein Rad.»

(Video: AFP)

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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