Erst die Schweiz, jetzt Mexiko – der Skandaltrainer wütet weiter

Sein Name ist mit einem der grösseren Skandale im Schweizer Sport verbunden: Eric Demay. Nun wehrt sich eine mexikanische Turnerin gegen den Psychoterror.

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David Wiederkehr@DavidWiederkehr

Das Video wackelt, und doch ist schockierend, was darin passiert. Es zeigt, wie ein Mann einer Kunstturnerin ein Gewicht reicht, das sich diese für das Training um das Bein binden soll. Eine Züchtigungsmassnahme und Machtdemonstration. Es fiel ihr jedoch fast auf die Füsse. Bei der jungen Frau handelt es sich um die Mexikanerin Elsa Garcia, und sie ist es, die dieses Video vor wenigen Tagen auf Twitter geteilt hat. Mithilfe ihrer Managerin wagt sie den Schritt an die Öffentlichkeit und klagt an, vom Trainer schikaniert, verbal und körperlich attackiert und gemobbt zu werden.

Der Name des Trainers löst ungute Gefühle aus, denn er ist auch im Schweizer Turnsport wohlbekannt: Eric Demay. Bis 2007 war der Franzose Cheftrainer des Frauen-Nationalteams gewesen, ehe sich dieses – angeführt von Teamleaderin Ariella Kaeslin – gegen die unmenschlichen Trainingsmethoden und Umgangsformen Demays zur Wehr setzte. Später konkretisierte Kaeslin die Vorwürfe in ihrer Biografie «Leiden im Licht». So habe er Turnerinnen «fette Kuh» genannt oder ihnen Schokolade angeboten – und sie bestraft, als sie sie annahmen. Augenzeugen sprachen von «Psychoterror».

Der Aufstand der Turnerinnen mündete darin, dass ihnen der Schweizerische Turnverband die Teilnahme an der EM 2007 strich – und Demay zusammen mit seiner Frau und Assistentin Cécile entlassen wurde, erst nach wochenlangem Zögern allerdings. Doch die Demays fanden trotz der schweren Vorwürfe wieder Arbeit. Zunächst in ihrer Heimat Frankreich, seit April 2018 als technischer Koordinator beim mexikanischen Turnverband.

Dort traf er auf Elsa Garcia, eine 29-jährige Spezialistin am Barren – an diesem Gerät hatte sie kürzlich an einem Weltcup Silber gewonnen. Daneben ist sie eine solide Mehrkämpferin und rechnete sich gute Chancen aus, an der WM in Stuttgart die Olympiaqualifikation zu schaffen. Nur: Demay setzte sie ausgerechnet am Barren nicht ein. Nicht nur nahm er damit in Kauf, dass das Team eine tiefere Gesamtnote erzielt, vor allem verhinderte er, dass sich Garcia überhaupt für Olympia qualifizieren konnte. An ihrer Stelle wird das Land in Tokio nun von Alexa Moreno vertreten.

Der Verband zeigt sich überrascht

In einer Videobotschaft meldet sich Garcia anschliessend zu Wort: «Ich möchte Alexa zur Qualifikation gratulieren. Ich weiss, dass du uns gut repräsentieren wirst.» Aber, fügt sie verbittert an, «mich hat das französische Trainerteam in einer Art persönlicher Rache geschnitten, sodass ich nicht um meine Chance kämpfen konnte.» Es sei sehr traurig, dass solche Ungerechtigkeit im Sport vorkäme, doch mit ihrem Gang an die Öffentlichkeit wolle sie die Verantwortlichen im mexikanischen Turnverband nun «in die Pflicht nehmen, Massnahmen zu ergreifen, damit das nicht mehr passiert.»

Von Demay gibt es zur Stunde noch keine Reaktion auf die Vorwürfe, während sich der mexikanische Verband in einer ersten Stellungnahme überrascht zeigte. Er gab an, dass sich die Schilderungen Garcias nicht mit den Beobachtungen der Verantwortlichen oder Erfahrungen anderer Turnerinnen deckten. Vielmehr danke er dem Trainerteam für die geleistete Arbeit in den letzten Monaten, in denen es Mexikos Turnerinnen weitergebracht habe.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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