Feuerwerk mit Gummiball

Squash ist, wenn am Ende immer die Ägypter gewinnen. Auch am Grasshopper Cup in der Zürcher Halle 622.

Vorteil Ägypten: Mohamed Abouelghar, die Nummer 8 der Welt, ist Schweizer Meister Nicolas Müller zu oft einen Schritt voraus.

Vorteil Ägypten: Mohamed Abouelghar, die Nummer 8 der Welt, ist Schweizer Meister Nicolas Müller zu oft einen Schritt voraus.

Alexander Kühn@alexkuehnzh

Früher bestand Squash auf Weltklasseniveau vor allem darin, dass sich die beiden Spieler auf der Rückhandseite minutenlange Longlineduelle lieferten. Seit die Ägypter in den Nullerjahren eine taktische und technische Revolution lostraten, ist diese Zermürbungstaktik zum Glück Vergangenheit. Duellieren sich zwei so angriffslustige und mit schier unglaublichem Ballgefühl gesegnete Profis wie Nicolas Müller und Mohamed Abouelghar, ist der physisch und koordinativ wohl anspruchsvollste Rückschlagsport ein Spektakel.

Wann immer Müller (PSA 28) im temporeichen Achtelfinal des mit 100'000 Dollar dotierten Grasshopper Cups punktete, jubelte das Publikum mit doppelter Davis-Cup-Lautstärke. Nicht umsonst gilt das Zürcher Turnier als das stimmungsvollste auf der Profitour. Das Problem aus Schweizer Sicht: Abouelghar behielt ein wenig öfter das bessere Ende für sich – auch dank seiner Fähigkeit, bis zum letzten Moment den kommenden Schlag zu verschleiern und den deutlich grösseren, aber auch weniger beweglichen Müller zu einer Bewegung auf die falsche Seite zu verleiten. 11:8, 11:8, 11:9 gewann der Weltranglistenachte, der nun auf seinen ägyptischen Landsmann Ali Farag trifft, den Dominator der letzten Monate.

Farag, frisch gebackener Weltmeister und Nummer 1 des PSA-Rankings, brauchte gegen den Waliser Joel Makin (PSA 18) fast zwei Sätze, um zu seinem Spiel zu finden. Schliesslich setzte sich der Favorit in 64 Minuten mit 8:11, 11:9, 11:6, 11:6 durch – und zeigte zum Schluss sogar seine berühmte katzenhafte Leichtigkeit, kombiniert mit durch viel Spin extrem kurz gehaltenen Angriffsbällen.

Makins Beine wurden mit zunehmender Spieldauer merklich schwerer. Es sah, um bei den Bildern aus dem Tierreich zu bleiben, wie ein Kampf zwischen Raubkatze und Wasserbüffel aus. John Williams, 2001 Teamweltmeister mit Australien und seit vielen Jahren Trainer in der Schweiz, glaubt, dass der 1,83 m grosse und 70 kg schwere Farag die Tour in den kommenden fünf Jahren dominieren könnte: «Weil er so schlank und gleichzeitig so kräftig ist, bewegt er sich äusserst ökonomisch. Ein oft entscheidender Vorteil.» Heute Freitag geht das Turnier mit den Viertelfinals weiter. Neben Farag sind noch zwei Spieler miot dabei, die schon einmal Weltmeister waren: Mohamed El Shorbagy und Karim Abdel Gawad. Die Hoffnungen der Europäer ruhen auf den Schultern des Deutschen Simon Rösner.

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