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Hat der US-Basketball jetzt ausgeträumt?

Die USA verlieren erstmals seit 13 Jahren ein Spiel an einem grossen Turnier. Grund zur Sorge ums Nationalteam.

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Mit böser Miene in die Niederlage: Kemba Walker im Viertelfinal gegen die Franzosen.
Mit böser Miene in die Niederlage: Kemba Walker im Viertelfinal gegen die Franzosen.
Getty Images
Beim 79:89 war Donovan Mitchell (links) einer der besten Amerikaner.
Beim 79:89 war Donovan Mitchell (links) einer der besten Amerikaner.
Getty Images
Doch ein Franzose überragte alle: Dem 2,16 Meter grossen Rudy Gobert gelangen 21 Punkte und 16 Rebounds.
Doch ein Franzose überragte alle: Dem 2,16 Meter grossen Rudy Gobert gelangen 21 Punkte und 16 Rebounds.
Getty Images
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Frankreich, die Basketball-Nation. Die Sportzeitung «L’Équipe» schreibt am Donnerstag auf ihrer Titelseite: «French Dream.» Neymar und Fussball sind nur zweitrangig, die Sensation an der Basketball-WM überragt zumindest für einen Tag alles. Der normalerweise doch amerikanische Traum ist in China zum französischen geworden.

Die Franzosen bezwangen am Mittwoch im WM-Viertelfinal völlig überraschend die USA. Diese kassierten die erste Niederlage an einem grossen Turnier seit 2006 – oder anders ausgedrückt: seit 13 Jahren oder 58 Spielen! In der Zwischenzeit waren sie zweimal Weltmeister und dreimal Olympiasieger geworden, nun wurde ihre imposante Siegesserie abrupt beendet. Am Donnerstag folgte gleich die nächste Niederlage, die USA verloren gegen Serbien.

Angetreten, um zu verlieren

Die «New York Times» schreibt, dass die Mannschaft kaum etwas zu gewinnen, aber viel zu verlieren gehabt hätte. «Wenn es um die WM geht, ist es für die amerikanischen Spieler so: Nur nach Niederlagen erinnert man sich an sie.»

Doch genau jene zwölf Spieler – oder besser: die Abwesenden – waren und bleiben Diskussionsstoff für die «Los Angeles Times». Sie fragt: «Ist Kawhi Leonard schuld?» Leonard, Meister und wertvollster Spieler der Finalserie 2019, ist einer von Dutzenden NBA-Spielern, die dem Nationalteam absagten und sich auf ihre eigene Saisonvorbereitung konzentrieren.

«Der grosse Unterschied zu 2006 besteht darin, dass die besten jungen Spieler in der heimischen NBA nicht mehr Amerikaner sind.»

«Los Angeles Times»

So war das Team zwar noch immer schlagkräftig, aber nicht mit den ganz grossen Namen bestückt. Das erinnert die «Los Angeles Times» an die letzte Niederlage 2006, als die USA ebenfalls viele Absagen von arrivierten Spielern verkraften mussten und sich dafür ein junges Team rund um den späteren Superstar LeBron James langsam einspielte. «Werden wir genauso auf das Kader von 2019 zurückschauen und uns wundern, wie es jemals verlieren konnte? Fraglich.»

Denn der grosse Unterschied zu 2006 bestehe darin, dass die besten jungen Spieler in der heimischen NBA schlicht nicht mehr Amerikaner seien. Dies zeigten auch die Top-Drafts der letzten Jahre, wo Ausländer immer wichtiger würden. Die Sorgen im amerikanischen Basketball sind berechtigt.

An den Olympischen Spielen wieder Favorit

Aber: Obwohl auch die WM nur alle vier Jahre stattfindet (die neueste Austragung wurde von 2018 auf 2019 geschoben, um der Fussball-WM zukünftig aus dem Weg zu gehen), geniessen die Olympischen Spiele den deutlich höheren Stellenwert in der NBA. Es ist davon auszugehen, dass im nächsten Jahr in Tokio ganz im Gegensatz zur diesjährigen WM die besten Spieler ihr Aufgebot annehmen werden – und dann der Weg zum Titel nur an den USA vorbeiführt.

An dieser WM wurden die Amerikaner von der «Magie Bleue» («L’Équipe»), der französischen blauen Magie, entzaubert. Nächsten Sommer in Tokio wollen sie zurückschlagen. Allzu tragisch scheint das Aus für die meisten US-Medien nicht. Bei der Onlineversion der «New York Times» dominieren im Sport keine 24 Stunden nach dem Ausscheiden andere Themen: die NFL und ein gedoptes Pferd.

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