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Ihn will Erdogan in den Knast bringen

Enes Kanter ist Basketballstar der New York Knicks – und gefürchteter Kritiker des türkischen Präsidenten. Nun wird seine Auslieferung gefordert.

Im Fadenkreuz der türkischen Justiz ist Enes Kanter. Der Basketballstar der New York Knicks, in der Schweiz geboren und bis 2017 türkischer Staatsbürger, soll in seine frühere Heimat ausgeliefert werden.
Im Fadenkreuz der türkischen Justiz ist Enes Kanter. Der Basketballstar der New York Knicks, in der Schweiz geboren und bis 2017 türkischer Staatsbürger, soll in seine frühere Heimat ausgeliefert werden.
Eduardo Munoz Alvarez/Getty Images
Der 26-jährige Kanter ist glühender Anhänger der Hizmet-Bewegung des islamischen Geistlichen Fethullah Gülen. Dieser gilt in der Türkei als Staatsfeind Nummer 1. Indem Kanter seine Sympathien für Gülen öffentlich macht, hat er den Zorn des türkischen Staatspräsidenten Recep Erdogan auf sich gezogen. Die Staatsanwaltschaft hat deshalb seine Auslieferung beantragt.
Der 26-jährige Kanter ist glühender Anhänger der Hizmet-Bewegung des islamischen Geistlichen Fethullah Gülen. Dieser gilt in der Türkei als Staatsfeind Nummer 1. Indem Kanter seine Sympathien für Gülen öffentlich macht, hat er den Zorn des türkischen Staatspräsidenten Recep Erdogan auf sich gezogen. Die Staatsanwaltschaft hat deshalb seine Auslieferung beantragt.
Mike Stobe/Getty Images
Der nächste (sportliche) Wechsel folgte für Kanter wenige Monate nach dem unrühmlichen Kapitel von Bukarest: Er wurde zu den New York Knicks getradet. Im Big Apple hat er sich als Leistungsträger etabliert. Durchschnittlich gelangen dem 2,11 Meter langen Center in dieser Saison knapp 15 Punkte und 11 Rebounds.
Der nächste (sportliche) Wechsel folgte für Kanter wenige Monate nach dem unrühmlichen Kapitel von Bukarest: Er wurde zu den New York Knicks getradet. Im Big Apple hat er sich als Leistungsträger etabliert. Durchschnittlich gelangen dem 2,11 Meter langen Center in dieser Saison knapp 15 Punkte und 11 Rebounds.
Abbie Parr/Getty Images
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Er ist ein Star am Ball. Seit acht Jahren wirft Enes Kanter in der NBA Körbe, annähernd 100 Millionen Dollar hat er in dieser Zeit verdient. Bei den New York Knicks spielt er derzeit, und im Big Apple wissen sie den Wert des Centers zu schätzen, der 1992 in Zürich zur Welt gekommen ist: Er ist Leistungsträger, allein in dieser Saison bezahlen sie ihm mehr als 18 Millionen Dollar.

Bei der türkischen Regierung dagegen hält sich die Freude über den besten Basketballer des Landes in sehr engem Rahmen. Kanter ist ein Anhänger der Hizmet-Bewegung des islamischen Geistlichen Fethullah Gülen. Diese wird von Staatspräsident Recep Erdogan als terroristische Vereinigung angesehen, Gülen gilt in der Türkei als Staatsfeind Nummer 1. Erdogan verlangt schon länger die Auslieferung des seit 1999 im Exil in den USA lebenden Gülen.

Er nannte ihn «Hitler»

Spätestens seit dem Putschversuch in der Türkei im Juli 2016, für den Erdogan die Hizmet-Bewegung verantwortlich macht, bezieht Enes Kanter öffentlich Stellung gegen den umstrittenen Staatspräsidenten. Er nennt ihn «Diktator» und «Hitler unseres Jahrtausends», einen «sehr, sehr schlechten Menschen». Diese Botschaften platziert er auf seinen sozialen Netzwerken und erreicht damit Hunderttausende – nicht zuletzt türkische Jugendliche, die ihn als Sportler vergöttern. Andererseits wird er in diesen sozialen Medien von Erdogan-Anhängern aufs Übelste beleidigt und mit Morddrohungen eingedeckt.

Die Regierung in seiner Heimat versetzt er mit seiner klaren Haltung in Rage – und sie würde ihn gerne dafür zur Verantwortung ziehen. 2017 annullierte sie Kanters Pass, als sich dieser zwecks Ferien im Flieger nach Rumänien befand. In Bukarest angekommen, wurde Kanter die Einreise untersagt – doch der gar offensichtliche Plan, damit die Ausschaffung in die Türkei zu erzwingen, misslang. Kanter kehrte in die USA zurück und ist seither – nach eigenen Angaben – staatenlos.

Todesangst vor London-Trip

Vor wenigen Tagen folgte die nächste Eskalationsstufe. Wie die regierungsnahe Zeitung «Sabah» berichtet, fordert die Istanbuler Staatsanwaltschaft von den USA die Auslieferung des Basketballers. Ausserdem werde Kanter jetzt international gesucht – sein Name stehe neuestens auf der Fahndungsliste von Interpol. Sein Team, die Knicks, bestreitet heute Donnerstag in London ein Meisterschaftsspiel gegen die Washington Wizards. Kanter ist nicht mit nach Europa geflogen. Er fürchte um sein Leben, erklärte er der «New York Post»: «Es ist für Erdogan ein Einfaches, mich dort töten zu lassen.»

Kanter nimmt die jüngste Entwicklung trotzdem mit Humor, ein Stück weit zumindest. «Das Einzige, was ich terrorisiere, ist der Basketballring», schreibt er auf Twitter mit einem Video, das ihn bei einem Dunk zeigt. Und weiter postet er: «Die türkische Regierung hat keinen einzigen Beweis gegen mich in der Hand. Ich habe in den USA nicht einmal eine Parkbusse. Ich bin ein unbescholtener Bürger.»

Inzwischen eilen ihm Politiker aus den USA und andernorts zu Hilfe. Kanter traf den republikanischen Senator Marco Rubio, und dessen Parteikollege Peter King sagt: «Wir dürfen es nicht erlauben, dass Erdogan Menschen in den USA terrorisiert. Das macht er schon mit den Menschen im eigenen Land.» Der frühere Schachweltmeister Gary Kasparow, heute Oppositionspolitiker in Russland, sagt deutlich: «Das passiert, wenn Autokraten die Instrumente der freien Welt missbrauchen.»

Angst um seine Eltern

Wie weiter? Dass Kanter ausgeliefert wird, scheint ausgeschlossen – schon nur die (von der Türkei) entzogene Staatsbürgerschaft dürfte dies ja verhindern. «Ich besitze für die USA eine Green Card und werde nun versuchen, amerikanischer Staatsbürger zu werden», sagt Kanter selbst.

Angst aber hat er um seine Familie. Wegen seiner glühenden Verehrung der Hizmet-Bewegung ist es zwischen ihm und seinen Eltern zum Streit gekommen. Gesehen haben sie sich seit Jahren nicht.

Trotzdem weiss der Basketballer, wie es ihnen geht. Nach ihrer Zeit in der Schweiz – sein Vater Mehmet hat an der Universität Zürich seinen Doktortitel in Medizin erworben – wohnen sie längst wieder in der Türkei. Kanter berichtet: «Als mein Vater zuletzt zum Einkaufen ging, wurde ihm ins Gesicht gespuckt, er wurde meinetwegen beschimpft, und auch meine Mutter kann das Haus kaum noch verlassen.»

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