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«Jetzt funktionierts»

Seit den Olympischen Spielen spielt Sabrina Jaquet so stark wie nie zuvor. Die Schweizer Meisterschaft in Bern bestreitet die Wahlbielerin nebenbei, der Fokus ist auf die Ende April stattfindende EM gerichtet.

Motiviert und zuversichtlich: Sabrina Jaquet traut sich an der EM in ­Dänemark einen Medaillengewinn zu.
Motiviert und zuversichtlich: Sabrina Jaquet traut sich an der EM in ­Dänemark einen Medaillengewinn zu.
Keystone

Es gibt nicht für alles eine einfache Erklärung. Sabrina Jaquet wollte an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro in Topform sein. Die seit Jahren im Bernbiet lebende Badmintonspielerin trainierte intensiv, doch die gewünschten Resultate stellten sich nicht ein. So musste die 29-Jährige nach vielen Niederlagen mit wenig Selbstvertrauen nach Brasilien reisen, wo sie zwar nicht schlecht spielte, aber doch zweimal in zwei Sätzen verlor.

Andere würden sich die Sinnfrage stellen, gerade in einer Sportart, in welcher der zeitliche Aufwand in einem krassen Missverhältnis zum finanziellen Ertrag steht. Doch Jaquet sagt: «Ich nahm nach Olympia zwei Wochen frei, danach hatte ich schon wieder Lust aufs Training.» Und plötzlich trat sie im Wettkampf wie verwandelt auf. Seit der Rückkehr aus Rio hat sie an internationalen Turnieren in Yverdon und Rom triumphiert, in Cardiff den Halbfinal erreicht und mit der Finalteilnahme am Scottish Open in Glasgow ihren bisher wertvollsten Erfolg gefeiert.

«Jetzt funktionierts», hält sie salopp fest. Sie könne nicht sagen, weshalb es ihr nun so viel besser laufe als zuvor, meint die Neuenburgerin ehrlich. «Vielleicht bin ich entspannter, setze mich etwas weniger unter Druck. Ich wusste schon vorher, dass ich über das Niveau verfüge, solche Leistungen zu erbringen. Jetzt kann ich es zeigen.»

Tokio ist nähergerückt

Die ausgezeichneten Ergebnisse haben sich in der Weltrangliste niedergeschlagen; innert fünf Monaten ist Sabrina Jaquet von Position 87 auf Platz 43 vorgerückt. Mit dem Essen kommt der Appetit. «Ich will noch weiter nach vorne kommen», hält sie fest. Ein Ende der Karriere ist derzeit nicht abzusehen. Die Rechtshänderin lässt sich zwar nicht zur Aussage verleiten, sie sei 2020 an den Olympischen Spielen in Tokio mit Bestimmtheit noch dabei, aber sie sagt: «Ich mache immer noch Fortschritte, die Motivation ist gross – jetzt, da ich so gut gut drauf bin, sehe ich mich in vier Jahren noch als Spitzensportlerin.»

«Vielleicht bin ich entspannter, setze mich etwas weniger unter Druck.»

Sabrina Jaquet

2017 hat Jaquet noch kein Turnier bestritten, aber ihre gute Verfassung im französischen Interclub unter Beweis gestellt. Derzeit trainiert sie äusserst intensiv, daran ändert auch die am Wochenende in Bern stattfin­dende Schweizer Meisterschaft nichts. 2013 bis 2016 holte sie an den nationalen Titelkämpfen jeweils das Tripel (Einzel, Doppel, Mixed). Obwohl sie als Aushängeschild der helvetischen Badmintonszene an der SM die Gejagte ist, behauptet sie, keinen Druck zu verspüren. Der Spass stehe im Vordergrund.

Der Medaillentraum

Mitte Februar findet im polnischen Lubin die Team-EM statt; die Schweiz dürfte allerdings kaum für Furore sorgen. «Es ist schon toll, dass wir uns qualifiziert haben», sagt Jaquet, die derzeit im Einzel kontinental die Nummer 7 ist. Ihr grosses Ziel ist die Europameisterschaft, die vom 25. bis zum 30. April in der dänischen Hafenstadt Kolding ausgetragen wird. «Wenn ich mein bestes Niveau erreiche, ist ein Medaillengewinn möglich.» Es gibt freilich noch eine andere Bedingung: kein Pech in der Auslosung. Denn an Carolina Marin, Olympiasiegerin aus Spanien, ist kein Vorbeikommen.

Die Erwartungen von Sabrina Jaquet sind in den letzten Monaten markant gestiegen. Ihre grösste Herausforderung wird sein, sich deswegen nicht zu verkrampfen. Denn: Es gibt nicht für alles eine einfache Erklärung, schon gar nicht für Leistungsschwankungen im Sport. Extrem viel spielt sich im Kopf ab und ist daher nicht messbar. Das ist der in Biel wohnhaften Romande, die mit leichtem Akzent Berndeutsch spricht, klar. «Ich muss entspannt spielen und darf mich nicht auf die Resultate ver­steifen.»

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