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Kahlschlag nach dem Befreiungsschlag

Uni Bern schlägt Einsiedeln 3:1, feiert den ersten Sieg in der NLA seit 18 Jahren und verabschiedet sich vom Tabellenende.

Jubel bei den Bernern nach dem Premierensieg.
Jubel bei den Bernern nach dem Premierensieg.
Samuel Paul Gäumann

Auf der Anzeigetafel sind alle Punkte gleich viel Wert. Es gibt jedoch solche, die psychologisch eine ungemein höhere Bedeutung haben als andere, was im Spiel zwischen dem VBC Uni Bern und Einsiedeln einmal mehr ersichtlich wurde.

Im Duell zwischen dem Tabellenletzten und dem Vorletzten läuft die Schlussphase des zweiten Satzes. Beide Teams hatten schon mehrmals die Chance, den Durchgang für sich zu entscheiden, beide sahen ihre Versuche jedoch entweder am gegnerischen Block abprallen oder ins Aus segeln. Es ist ein Kampf.

Der Druck auf die Akteure, der bedingt durch die Ausgangslage schon vor der Partie beachtlich gewesen ist, erreicht einen Höchstwert, wobei die Berner nach dem Verlust des ersten Satzes (22:25) noch mehr unter Zugzwang sind, ein Zweisatzrückstand wohl eine zu grosse Hypothek darstellen würde und somit die neunte Niederlage de suite nur eine Frage der Zeit wäre.

Beim Stand von 31:30 bietet sich Uni Bern die nächste Möglichkeit, den Satz zu beenden, und manchmal sind aller guten Dinge eben Fünf. Im ersten Anlauf wird Mirco Gerson zwar geblockt, der Ball bleibt aber im Spiel, und der Aussenangreifer überlistet den Block der Einsiedler mit einem gefühlvollen Tip zum umjubelten Satzausgleich.

Eine knappe Stunde später sind sich die Beteiligten einig: Dies war die Schlüsselszene der Partie. Und hätten die Berner den Satz nicht gewonnen, «wäre es schwierig geworden», wie es Trainer Marco Bonaria ausdrückt.

Gersons Punkt ist viel mehr als ein Punkt. Er ist ein Befreiungsschlag. Denn in den darauffolgenden beiden Sätzen ist Uni Bern klar überlegen, distanziert die Einsiedler schnell und verwaltet den Vorsprung anschliessend ruhig und souverän, bis Topskorer Darryl Shank mit einem Smash seinen 30. Punkt verbucht und die Partie beendet.

Die Bestätigung

Bonaria hatte in den letzten Wochen immer wieder betont, dass er an die Qualitäten der Mannschaft glaube, dass er überzeugt sei, dass Uni Bern in der NLA bestehen könne, wenn jeder Spieler sein Potenzial abrufe. Am Samstag um 20:32 Uhr sieht er sich in seinen Worten bestätigt, und was lange wie Durchhalteparolen geklungen hat, lässt sich auf einmal Gelb auf Schwarz auf der Anzeigetafel ablesen.

Uni Bern bezwingt Einsiedeln 3:1, feiert den ersten Sieg in der NLA seit 18 Jahren, beendet die acht Spiele andauernde Niederlagenserie und verabschiedet sich auf Kosten der Innerschweizer vom Tabellenende.

«Uns fällt eine grosse Last von den Schultern», sagt Shank und erzählt, dass er vor der Partie schon Druck verspürt habe ob der prekären Situation. Aber: «Wir haben endlich während des ganzen Spiels unser Niveau halten können.» Und Bonaria ergänzt: «Plötzlich liefs. Wir spielten befreit, und man hat gesehen, was mit diesem Team möglich ist.»

Die Freude bei den Bernern über den Sieg war allenthalben sichtbar. Auch weil Marco Bürgi endlich sein Versprechen einlösen musste. Der Passeur willigte ein, nach dem ersten Sieg seine langen, normalerweise zu einem Pferdeschwanz zusammengebundenen Haare zu schneiden.

Selbstverständlich legten die Teamkollegen gleich selber Hand an und stutzten Bürgis Frisur auf einige Millimeter. Der Coiffeursalon in der Garderobe war noch weit nach Schlusspfiff in Betrieb. Die Spieler genossen den Moment. Sie mussten lange genug drauf warten.

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