Mehr verletzte Berner Schwinger als Kränze

Ein Berner Quartett durfte sich den Kranz aufsetzen lassen, für ein halbes Dutzend endete das Bergfest auf dem Stoos mit einer Verletzung.

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Reto Kirchhofer@rek_81

Ein Bergkranzfest ist ein Anlass, bei dem 90 bis 120 Schwinger sechs Gänge lang zusammengreifen, und am Ende gewinnt ein Berner. Es ist zu bezweifeln, dass der frühere englische Fussballprofi Gary Lineker mit den Begebenheiten des Schwingsports vertraut ist.

Sein berühmtes Zitat über die deutsche Fussballnationalmannschaft lässt sich aber bestens auf die Schwinger ad­aptieren. Oder eher: liess. Fünfzehnmal traten die Berner seit ihrem letzten Auftritt auf dem Stoos vor vier Jahren an einem Bergfest an: Nur zweimal durfte sich kein BKSV-Athlet einen Siegerkranz aufsetzen lassen.

Zwar gab es im Vorfeld des diesjährigen Stoos-Schwinget berechtigte Zweifel an der an­gepassten Lineker-Losung, musste doch Teamchef Peter Schmutz in der Innerschweiz auf sein prominentes Quartett Glarner/Matthias Sempach/Wenger/Stucki verzichten. Trotzdem war in der 25-köpfigen Equipe die Qualität vorhanden, die Absenzen abzufedern. «Wir kamen leider nie ganz nach vorn», sagte Schmutz.

«Ich kann den Schwingern keinen Vorwurf machen. Einige wie Simon Mathys und Fabian Staudenmann haben eine Topleistung gezeigt. Aber mit dem Resultat dürfen wir nicht zufrieden sein.» Vom stärksten Teilverband ver­mochte sich kein Schwinger für den Schlussgang zu qualifizieren. Und von den sechzehn ab­gegebenen Kränzen holten sich die Berner nur vier (Thomas Sempach, Anderegg, Curdin Orlik, Aeschbacher) – wobei sich Sempach und Anderegg ohne Niederlage auf einem Spitzenplatz klassierten.

Kreuzbandriss bei Roth?

Es war bezeichnend für den Auftritt der Berner, fielen just die von Schmutz gelobten und über weite Strecken starken Mathys und Staudenmann im letzten Gang aus den Kranz­rängen. Irgendwie passte es nicht so recht bei den Gästen, sie befanden sich von Beginn an in Rücklage, einige wirkten müde. Zur Mittagszeit durfte sich von den arrivierten Kräften nur Anderegg (Rang 4) Chancen auf den Festsieg ausrechnen, nachdem der Meiringer Reto Nötzli bezwungen hatte.

Doch die Innerschweizer liessen in der Einteilung die Muskeln spielen, Anderegg kriegte es nach der Pause mit dem zweifachen Stoos-Sieger Christian Schuler zu tun, den er trotz animierter Leistung nicht zu bodigen vermochte. «Einige Paarungen waren pickelhart», sagte Schmutz.

Stärker als die Darbietung missfiel dem Technischen Leiter das medizinische Bulletin. Ein halbes Dutzend überstand das Fest nicht ohne Verletzung. Remo Käser etwa musste wegen starker Nackenbeschwerden aufgeben, nachdem er sich gegen Stefan Arnold auf ebenso spektakuläre wie schmerzhafte Weise aus der Brücke gerettet hatte. Am schlimmsten erwischte es Dominik Roth: Der Seeländer wurde von Sven Schurtenberger zu Boden gewalzt und schied mit Verdacht auf Kreuzbandriss aus.

Berner Zeitung

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