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Nur auf dem Papier eine Zwischensaison

Nach einer durchzogenen letzten Saison will Remo Käser im Sägemehl wieder ziehen und liefern. Der 21 Jahre alte Alchenstorfer tritt bei seinem Heimfest am Samstag als Mitfavorit an.

Am «Oberaargauischen» 2017 kämpfte Remo Käser (oben) mit lädiertem Ellbogen gegen Patrick Gobeli.
Am «Oberaargauischen» 2017 kämpfte Remo Käser (oben) mit lädiertem Ellbogen gegen Patrick Gobeli.
Andreas Blatter

Manchmal geht vergessen, dass Remo Käser gerade einmal 21 Jahre alt ist.

Er schwingt, als wäre er seit Jahren bei den Aktiven. Er bewegt sich in der Öffentlichkeit, als täte er dies seit einer gefühlten Ewigkeit. Offenheit und Vielseitigkeit zeichnen ihn aus. Das zeigt sich im Sägemehl, wo er angriffig agiert und sich regelmässig an neuen Schwüngen versucht.

Das zeigt sich im Beruf, wo er nach der Lehre auf dem Bau als Spengler arbeitete und in der Folge beim Regionalfernsehen ein Praktikum absolvierte. Zurzeit ist Käser als Logistiker tätig. Im Juni wird er die Ausbildung zum Personal Trainer in Angriff nehmen.

Vielseitig zeigt sich der Alchenstorfer auch, wenn es um seine Präsenz geht. Facebook und Instagram sind ihm ebenso geläufig wie Fussstich und Innerer Haken. Das Schwingen schreitet in die Moderne, Käser ist Wegbereiter und einer der beliebtesten Werbeträger. Über allem steht sein Credo: Die Leistung im Sägemehl muss stimmen – das ist das Wichtigste.

Schwingen trotz Verletzung

Nur: In der vergangenen Saison – dessen ist sich Käser bewusst – stimmte die Leistung nicht immer. Und da sind wir wieder bei seinem Alter, 21. Er sagt: «Ich bin jung, ­habe letztes Jahr Fehler gemacht und daraus die Lehren gezogen.»

2016 beeindruckte der Aufsteiger mit zwei Kranzfestsiegen und dem dritten Rang am «Eidgenössischen». Doch im Folgejahr kam er nie richtig in Schwung. Am «Berner Kantonalen» in Affoltern resultierte mit dem dritten Platz die beste Klassierung.

Käser bestritt das Gros der Wettkämpfe mit angerissenem Seitenband im Ellbogen. Fussprobleme kamen hinzu, doch im Kopf des Athleten legte die Anziehungskraft des Unspunnenfests die körperlichen Schmerzen auf den Rücken.

Heute sagt Käser: «Die vergangene Saison hat mir gezeigt, dass es wenig Sinn ergibt, in angeschlagenem Zustand zu schwingen. Und wenn du körperlich nie bei 100 Prozent bist, ist das auf Dauer auch für die Psyche schädlich.»

Das Training mit dem Vater

Während der Wintermonate liess er die Verletzungen heilen. Fortan ging er mit Vater und Schwingerkönig Adrian Käser regelmässig ins Sägemehl, um an der Technik und an neuen Schwüngen zu arbeiten. Und dann, im ersten Gang der Kranzfestsaison, verlor Käser beim «Mittelländischen» sogleich gegen Curdin Orlik.

Ein Warnsignal sei die Niederlage gewesen, sagt der Alchenstorfer. «Sie hat mir gezeigt, dass ich die Schwünge konsequent durchziehen muss.» Einige Stunden später liess er sich zum dritten Mal an einem Kranzfest als Gewinner schultern.

Am Pfingstsamstag zählt Käser beim «Oberaargauischen» in Huttwil zu den Sieganwärtern. Nach dem Ausfall Matthias ­Sempachs wird er das Aushängeschild des veranstaltenden Gauverbands sein.

Nur: Vor Wochenfrist erlitt Käser beim «Emmentalischen» im Anschwingen gegen Christian Stucki eine ­Rippenverletzung. Wie war das schon wieder mit «die Lehren ­gezogen»? Käser versichert: «Ich bin fit und werde in Huttwil beschwerdefrei antreten können.»

Die bereichernde Konkurrenz

Als Saisonhöhepunkt erwähnt der Alchenstorfer das «Berner Kantonale» unweit seiner Heimat in Utzenstorf. Zwar fehlt 2018 ein Anlass mit eidgenössischem Charakter im Kalender, aber für einen wie Käser gibt es im Prinzip keine Zwischenjahre. Er ist im Bernbiet der Schwinger der Zukunft und ist Woche für Woche gefordert, will er mit der landesweiten Konkurrenz aus seinem Alterssegment mitziehen.

Die ist äusserst beeindruckend. Armon Orlik (22) aus Maienfeld stand bereits in einem Schlussgang am «Eidgenössischen». Den Sörenberger Joel ­Wicki (21) trennten im letzten Herbst wenige Sekunden vom Triumph am Unspunnen-Schwinget. Und Samuel Giger (20) aus Ottoberg hat seit vergangenem Frühling sechs Kranzfeste für sich entschieden.

«Bereichernd» nennt Käser die Auftritte der Konkurrenten. Neid existiert nicht. Mit Wicki etwa ist er befreundet. Die Youngsters teilen sich bei den Armeewiederholungskursen in Magglingen ein Zimmer.

«Ich lasse mich von ihren Leistungen nicht unter Druck setzen, erachte die Resultate vielmehr als Motivationsspritze», sagt Käser. Und: «Ich finde es super, wenn jemand Vollgas gibt – genau das Gleiche tue ich ja auch.»

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