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Sechs Jahre später

Tobias Siegenthaler gehört nicht zum 52-fachen Berner Kader, hat in diesem Frühling aber Kilian Wenger und Thomas Sempach gebodigt. Der Oberaargauer lanciert seine zweite Karriere.

Den König gebodigt: Tobias Siegenthaler bejubelt den Sieg am «Mittelländischen» über Kilian Wenger.
Den König gebodigt: Tobias Siegenthaler bejubelt den Sieg am «Mittelländischen» über Kilian Wenger.
Rolf Eicher (freshfocus)

Tobias Siegenthaler sagte: «Ich bin fast ein wenig erschrocken.» Kilian Wenger meinte: «So etwas hatte ich nicht erwartet.»

Zu hören war dies vorletzten Sonntag nach dem fünften Gang am «Mittelländischen» in Habstetten, an dem der unbekannte Oberaargauer den prominenten Oberländer gebodigt hatte. Da staunte der Laie, und der Fachmann wunderte sich.

Dass Siegenthaler mit seinen gerade mal vier Kränzen den Schwinger­könig von 2010 bezwang, kam einer Sensation gleich. Nach fünf Gängen lag der 28-Jährige punktgleich mit fünf anderen Athleten auf Rang 2; für den Schlussgang wurde er nicht berücksichtigt, letztlich resultierte Platz 7. Und manch einer in der Arena dürfte sich gefragt haben: Wer ist denn dieser Kerl?

Die Motivation ging verloren

Siegenthaler hat Jahrgang 1990, wie Wenger, im Nachwuchs griffen sie oft zusammen, wobei Letzterer meistens reüssierte. 18 war der Athlet des SK Burgdorf, als er erstmals Eichenlaub holte. Doch danach kam: lange nichts mehr. Siegenthaler verletzte sich am Knie, dreimal musste er sich operieren lassen – und verschwand von der Bildfläche.

Der Teenager verlor die Freude, den Biss auch, anderes im Leben des passionierten Hornussers wurde wichtiger. Sechs Jahre lang hielt sich Siegenthaler fern von den Sägemehlringen. Aus einer Laune heraus kaufte er 2015 Tickets fürs «Mittelländische» in Richigen, vor Ort ermunterten ihn Kollegen, es nochmals zu versuchen.

Tatsächlich nahm Siegen­thaler das Training wieder auf, eingerostet seien die Bewegungen gewesen, erzählt er, «aber die Kraft war nicht verloren gegangen». Bereits im Vorjahr liess der Servicetechniker für Haushaltgeräte mit dem Sieg über den «Eidgenossen» Patrick Schenk aufhorchen, unlängst legte er Thomas Sempach auf den Rücken.

Es sind verblüffende Leistungen für einen, der nicht einmal zum 52-köpfigen Berner ­Kader zählt. Siegenthaler will bald zu diesem gehören und am «Eidgenössischen» 2019 in Zug teilnehmen. Teamchef Peter Schmutz attestiert ihm die Qualitäten hierfür, mit dem Kranzgewinn morgen am «Oberaargauischen» in Schwarzenbach würde der Rückkehrer den nächsten Schritt machen. Er käme gar nicht mehr so unerwartet.

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