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Wacker gerät in Rücklage

Wacker Thun verliert Spiel 1 des Playoff-Finals gegen Pfadi Winterthur mit 22:23 nach Verlängerung.

Zwar führten die Thuner immer wieder, doch am Ende setzten sich die Gäste aus Winterthur durch.
Zwar führten die Thuner immer wieder, doch am Ende setzten sich die Gäste aus Winterthur durch.
Patric Spahni

Der Krimi beginnt blutig. Keine 200 Sekunden sind gespielt, da wird die Partie für eine Weile unterbrochen. Auf dem Feld liegt Blut; es rann Pfadi-Aufbauer Roman Sidorowicz aus der Nase. Die Akteure beider Ensembles langen ordentlich zu – Playoff eben, zumal Final. Handball spielen aber in der Startphase bloss die Thuner. 4:1 führen sie nach 7 Minuten. Die Gastgeber dominieren und wären den Winterthurern bereits ein Stückchen enteilt, hätten sie nicht schon einige Chancen ausgelassen. Die Stimmung in der Halle: hervorragend.

1870 Personen sind erschienen, viele davon tragen ein Wacker-Trikot. Im Umfeld der Berner Oberländer wird bei derlei Gelegenheiten gerne von der grünen Wand gesprochen. Die Clubsympathisanten sind guter Dinge, ja, euphorisiert. Feststimmung herrscht. Martin Rubins Team geht als Favorit in die Ausmarchung um den Titel. Der erste Vergleich in der Best-of-5-Serie aber gerät zu einem schwarzen Tag für die grüne Wand.

Das Nasenbluten bei Sidorowicz ist längst gestillt, als dieser 3 Sekunden vor Ablauf der Verlängerung den Ball kriegt. Er wirft mitten auf Marc Winkler, tut dies aber mit sehr viel Wucht. Der Schlussmann der Hausherren landet mitsamt Spielgerät im Tor.

22:23 unterliegt der Meister von 2013. Es ist eine aussergewöhnlich schmerzhafte Niederlage. In vielerlei Hinsicht. Die Thuner lagen 9:6 sowie später 12:9 vorn, und vor allem sind sie in Ballbesitz, als das Skore in der 70. Minute und 20 Sekunden vor dem Ende der Overtime 22:22 lautet. Lukas von Deschwanden möchte Luca Linder lancieren, was keine gute Idee ist, weil dieser von Stefan Freivogel gedeckt wird, der ihn körperlich überragt. Der Abwehrspezialist steigt – und fängt den Ball ab. Im anschliessenden Gegenstoss fällt das Tor.

Mit Winkler und von De­schwanden hinterlassen in den letzten Aktionen ausgerechnet jene Kräfte einen schlechten Eindruck, die davor sehr positiv auffielen. Der Keeper hat über 40 Prozent aller Würfe gehalten, der Topskorer zehnmal getroffen.

Viele wichtige Leute ziehen sich nach der Partie in ein kleines Zimmer zurück. Schiedsrichter und Verbandsvertreter bearbeiten den Protest, den die Thuner kurz vor Schluss deponiert haben. Diese sind der Meinung, vorübergehend hätten sich zu viele Pfadi-Akteure auf dem Feld aufgehalten. Die Fernsehbilder geben keinen Aufschluss, keine der Kameras hat die fragliche Szene erfasst. Ausserdem wird seitens der Unparteiischen von einem Tatsachenentscheid gesprochen.

Die Berner Oberländer ziehen den Protest zurück. Remo Badertscher sagt: «Es war aussichtslos. Wir haben ja jemanden in unseren Reihen, der sich in rechtlichen Fragen auskennt, die Chancen einschätzen kann.» Der Teammanager deutet auf den gleich daneben stehenden Präsidenten Georges Greiner. Dieser, inzwischen pensioniert, war Ober- und Bundesrichter.

Der Krimi endet tränenreich. Enttäuschung und Frustration sind riesig bei den Thuner Akteuren. Viele von ihnen befinden sich noch immer auf dem Platz, unter ihnen Lenny Rubin, der künftige Bundesligaprofi, von dem sich das Wacker-Umfeld so viel erhofft hat. Es war nicht das Spiel des Ausnahmetalents. Der Hüne agierte vorab in der ersten Hälfte glücklos. «Ich hatte mir viel vorgenommen, wollte Verantwortung übernehmen. Vielleicht habe ich mir zu grossen Druck auferlegt», erzählt er. Der 22-Jährige verlässt die Lachenhalle gesenkten Hauptes. Was geschah, muss erst mal verdaut werden.

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