Aus der gefährlichen Welt der Kindersportler

Die Eiskunstläuferin You Young ist erst 11-jährig, aber schon südkoreanische Meisterin. Körper und Geist entscheiden, ob es ihr irgendwann ganz an die Spitze reicht.

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Ueli Kägi@ukaegi

Es gibt diese Sportler, die ihrer Zeit und damit auch ihren Konkurrenten einen Schritt voraus sind. Martina Hingis wurde mit 15 Jahren und 9 Monaten jüngste Wimbledon-Siegerin der Neuzeit – allerdings nur im Doppel zusammen mit Helena Sukova. Für ihren ersten Einzeltitel bei einem Grand-Slam-Turnier benötigte sie rund ein halbes Jahr mehr Zeit und siegte als 16-Jährige in Australien. Später wurde sie mit 16 Jahren und 6 Monaten die jüngste Nummer 1 der Tennisgeschichte.

Ob aus der südkoreanische Eiskunstläuferin You Young einmal ein Star ihrer Disziplin wird, ist ungewiss. Die Basis aber scheint zu stimmen. You Young ist erst 11-jährig und 1,43 Meter kurz, aber gerade nationale Meisterin geworden – natürlich die jüngste der Geschichte. Ihr grosses Vorbild Kim Yu-na, die südkoreanische Olympiasiegerin von 2010 und Weltmeisterin 2009 und 2013, war bei ihrem ersten Triumph an der Landesmeisterschaft 12-jährig gewesen.

Die Gratwanderung

Kinder und Teenager im Spitzensport, das ist eine Gratwanderung mit schweren Prüfungen. Für den Körper der jungen Athleten. In Zeiten des schnellen medialen Ruhms sowie der oft riesigen Erwartungen – manchmal auch von überehrgeizigen Eltern und Trainern – aber ebenso für den Geist.

You Young in ihrem Element. Quelle: Youtube

Das Internationale Olympische Komitee (IOK) hat vor allem aus gesundheitlichen Gründen für Sportler in der Wachstumsphase eine Alterslimite eingeführt. Teilnehmer an Olympischen Spielen müssen mindestens 16 Jahre alt sein – allerdings ist auch das nur ein theoretischer Wert. Die einzelnen Sportverbände haben die Möglichkeit, das Mindestalter nach unten zu setzen, wenn sie das für sinnvoll erachten.

Maradona debütierte mit 15 Jahren für Argentinien

In London gewann die Litauerin Ruta Meilutyte im Schwimmen Gold über 100 Meter Brust mit 15 Jahren und 4 Monaten. An der Schwimm-WM 2015 in Kasan starteten die damals 10-jährige Alzain Tareq aus Bahrein und der 12-jährige Ahnt Khaung Htut aus Burma, weil der internationale Verband für Welt-Titelkämpfe keine Alterslimiten vorsieht – es gab dafür heftige Kritik. Im Radsport ist es ganz anders. Unter 23-Jährige können nur mit einer Sonderbewilligung bei der Elite starten.

Es gibt jugendliche Athleten, die allen Anforderungen gerecht werden und den Sprung in die Elite schaffen – zumindest in ihrem Kernbereich Sport: Diego Maradona debütierte für die argentinische Nationalmannschaft, da war er noch keine 16, später wurde er Weltmeister –, das Leben allerdings meisterte er weniger erfolgreich, in Neapel beispielsweise fiel er mit Kontakten zur Camorra auf. Und Neapel musste er nach einem positiven Kokain-Test verlassen. Mary Lou Retton gewann für die USA an den Olympischen Spielen 1984 als 16-Jährige Gold im Mehrkampf und löste im Land einen Turn-Boom aus.

Schwimmweltrekord als 14-Jährige

Fussballer Wayne Rooney debütierte mit 16 in der Premier League, mittlerweile ist er 30-jährig, fünffacher englischer Meister und Champions-League-Sieger – hinter sich hat er aber auch eine Serie von Misstritten neben dem Rasen. Pele wurde mit 17 zum ersten Mal Weltmeister, es folgten vier und zwölf Jahre danach zwei weitere WM-Titel. Erst 14-jährig war Franziska van Almsick, als sie 1992 Weltrekord auf der Kurzbahn schwamm und vier Olympiamedaillen gewann, ihre Karriere beendete sie 12 Jahre später zwar ohne Olympiagold, aber nach diversen weiteren Weltrekorden.

Es gibt aber auch genügend Beispiele für Sportler, die die Erwartungen nicht einlösen konnten, nach dem (Medien-)Hype bald ganz aufhörten oder in der Anonymität verschwanden. Anna Kurnikowa, mit 14 auf der Tennis-Profitour aufgetaucht, spielte sich zwar in die Top 10, gewann aber keinen Einzeltitel und beendete mit knapp 22 Jahren ihre Karriere.

Der Absturz eines Wunderkindes

Der Schweizer Fussballer Johan Vonlanthen wechselte mit 17 zum PSV Eindhoven und machte sich 2004 in Portugal mit 18 zum jüngsten EM-Torschützen der Geschichte. Später allerdings spielte er innert fünf Jahren für fünf Clubs und beendete seine Karriere (zwischenzeitlich) aus religiösen Gründen. Jetzt steht der bald 30-Jährige bei Servette in der Promotion League unter Vertrag.

Und vielleicht zeigt nichts besser als das Beispiel von Freddy Adu, wie wenig früher Erfolg und Ruhm bedeuten müssen. Mit 14 Jahren war der US-Amerikaner «das Wunderkind», mit 18 wechselte er zu Benfica Lissabon, mit 24 hatte er schon 9 Stationen im Profifussball hinter sich, mit 25 spielte er in der höchsten serbischen Liga beim FK Jagodina, mit 26 in Finnland und jetzt, mit bald 27 und im besten Fussballeralter, ist er bei den Tampa Bay Rowdies in der zweitklassigen North American Soccer League angekommen.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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